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München - Sammer reagiert harsch auf die Attacken aus Bremen und befindet sich beim FC Bayern damit in guter Tradition. Seine Wortwahl sagt viel aus über das Selbstverständnis des Rekordmeisters.

Die personifizierte Abteilung Attacke darf im Moment nicht sprechen.

Zwar ist Uli Hoeneß als Freigänger täglich auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße. Doch Interviews sind dem Ex-Bayern-Präsidenten nicht gestattet, weil er noch den Rest seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verbüßt.

Stattdessen sprechen zu den wichtigen Themen andere: Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Sport-Vorstand Matthias Sammer und Präsident Karl Hopfner vor allem. Und diese Granden des FC Bayern teilen wie einst Hoeneß gerne einmal aus.

"Puck an den Kopf bekommen"

So wie jetzt Sammer in Richtung von Werder-Manager Thomas Eichin. "Der hat beim Eishockey zwischendurch mal einen Puck an den Kopf bekommen, und das sind die Spätfolgen", sagte  Sammer nach dem 7:0 über Donezk auf SPORT1-Nachfrage.

Eichin war ja vor seinem Engagement bei Werder Bremen als Manager des Eishockeyteams Kölner Haie tätig - die Vorlage für Sammer. Auslöser war Eichins Kritik, dass die Schiedsrichter bei Bayern "mit zweierlei Maß" messen würden.

Legitimiert durch Erfolg

Über die Causa lässt sich streiten. Über den Geschmack von Sammers Wortwahl eher nicht.

Dabei ist die Art des Konters durchaus aussagekräftig.

Werden die Bayern angegriffen, reagieren sie. Das hat auch mit dem Selbstverständnis des Rekordmeisters zu tun. Mit den Erfolgen und der Rolle als Branchenprimus im Rücken fühlen sich die Verantwortlichen legitimiert, sich zu äußern. Zu (fast) allen Themen.

Dass es auch ohne die schweren Geschütze gehen kann, zeigte Eichin am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Seine Replik war eher selbstironisch, lakonisch.

Auch Rummenigge kann austeilen

Im Vergleich zu Sammer wirkte Rummenigges Retourkutsche, dass Eichin sich in die Ecke stellen und "schämen" solle, ebenfalls moderat.

Aber auch der Vorstandsboss kann verbal Rote Karten verteilen.

Als Theo Zwanziger nach Bayerns Testspiel in Saudi-Arabien moralische Fragen stellte, reagierten die Münchner heftig angefressen. Auf der Homepage erschien unter dem Pseudonym "Säbener Sigi" eine satirische Kolumne mit wilden Angriffen gegen Zwanziger.

"Wenn Dr. Theo Zwanziger tatsächlich vergessen hat, was er einst alles erzählt hat, machen wir uns wirklich Sorgen. Braucht der Dr. einen Doktor?", wurde da gelästert.

"Ein unabhängiger Satiriker"

Am Stil der Kolumne hatte Bayern-Boss Rummenigge nichts auszusetzen. Trotz der öffentlichen Aufregung blieb sie auf der Vereinsseite.

"Säbener Sigi ist eine vom FC Bayern unabhängige Meinung mit einer spitzen, aber guten Feder", sagte Rummenigge dazu im Januar im Gespräch mit SPORT1. "Ich finde die Kolumnen zum Teil sehr amüsant."

Und Rummenigge feuerte seinerseits gegen den Ex-DFB-Präsidenten: "Das war schon unter der Gürtellinie, was der gute Theo da losgelassen hat."

Sammer rügt Lewandowski

Sammer verbeißt sich oft einen Kommentar. Wenn er aber in Fahrt kommt, wählt der 47-Jährige gerne deutliche Worte.

Manchmal bekommen das auch die eigenen Spieler zu spüren. Jüngstes Beispiel: Robert Lewandowski. Der setzte bei der Weltfußballerwahl Cristiano Ronaldo vor Manuel Neuer und musste sich dann eine Rüge anhören.

"Wir haben nicht geschimpft, aber wir haben schon drüber gesprochen", sagte Sammer im Trainingslager in Katar und bescheinigte dem Polen, dass er "zwischen Tür und Angel" abgestimmt habe und  "völlig kopflos" gewesen sei.

Lewandowski reagierte auf seine Weise. "Ich bin mir bewusst, wen ich gewählt habe. Und dafür werde ich mich nicht entschuldigen!", schrieb der 26-Jährige bei Twitter.

Das mediale Getöse nach der Abstimmung war enorm, die Bayern-Bosse scheuten auch danach klare Aussagen nicht. Eichin, Zwanziger, aber auch die FIFA nach deren Vorschlag zur WM-Verlegung in den Zeitraum November/Dezember 2022 waren zuletzt die Adressaten.

Die Abteilung Attacke bleibt auch weiter im Einsatz.

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