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Max Kruse von Borussia Mönchengladbach
Max Kruse hat in dieser Saison bisher neun Tore für Borussia Mönchengladbach erzielt. © Getty Images

Max Kruse lässt seine Zukunft in Mönchengladbach offen, Interessenten stehen Schlange. Sportliche und finanzielle Perspektive gehen auseinander - er selbst pokert!

Max Kruse pokert gerne. Das ist bekannt - und zunächst einmal ganz wörtlich gemeint.

Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach spielt gerne mit Karten und Jetons, zum Bespiel bei Stefan Raabs Pokernacht, wo er Anfang des Jahres als Sieger vom Tisch ging.

Nun ist Kruse derzeit einer der begehrtesten Spieler der Bundesliga. Am Wochenende schoss er den FC Bayern mit seinem Siegtor gegen den VfL Wolfsburg (1:0) zur Meisterschaft und Gladbach gleichzeitig in eine komfortable Situation für das Rennen um die Champions League.

Seine Ausstiegsklausel über 12 Millionen Euro ist längst kein Geheimnis mehr, genauso wenig das Interesse von Bayer Leverkusen, Schalke 04 und Borussia Dortmund. Und Kruse selbst pokert mal wieder, lässt seine Zukunft offen.

Doch wäre ein Wechsel für den 27-Jährigen überhaupt reizvoll?

Sportlich ist Gladbach erste Wahl

Sportlich ist Borussia Mönchengladbach die beste Option, wenn man davon ausgeht, dass der FC Bayern und der VfL Wolfsburg keine Ambitionen haben, Kruse zu verpflichten.

Nach aktuellem Stand ist die Borussia direkt für die Champions League qualifiziert. Mit vier Punkten Rückstand auf Wolfsburg ist sogar Platz zwei noch in Reichweite. Im schlimmsten Fall könnte die Mannschaft von Lucien Favre noch auf Platz vier hinter Leverkusen zurückfallen, dann müsste man sich den Startplatz in der Champions League noch durch zwei Spiele verdienen.

So wie die Borussen derzeit in Form sind, ist das aber eher unwahrscheinlich. Und Kruse stellte am Wochenende selbst klar: "Wir wollen in die Champions League. Jeder will in der Champions League spielen."

Leverkusen als Alternative

Wenn er seine eigenen Worte ernst nimmt, dann kommt aus sportlicher Sicht also höchstens noch Leverkusen als Wechselkandidat in Frage. Kruses Freund Christoph Kramer wird dort in der nächsten Saison ebenfalls spielen.

Leverkusens laufintensive, schnelle Spielanlage würde Kruse sogar entgegenkommen, doch die Konkurrenz in der Offensive ist mit Stefan Kießling, Josip Drimic, Karim Bellarabi, Heung-Min Son und Hakan Calhanoglu groß.

Die Perspektive dort ist somit kaum besser als in Mönchengladbach - von Tradition und Image ganz zu schweigen. Wieso also wechseln?

Mehr Geld bei BVB oder Schalke

Vielleicht - ja, natürlich! - des Geldes wegen. Nicht nur in der Bayer-Stadt Leverkusen könnte Kruse besser verdienen als bei seinem jetzigen Verein. Die börsengehandelten Dortmunder und die gasprominent-gesponserten Schalker wären wohl bereit, die Kasse für seine Dienste zu öffnen.

In Gladbach, wo Kruse noch Vertrag bis 2017 hat, ist eine Gehaltserhöhung dagegen vorerst nicht vorgesehen. Vielleicht pokert Kruse deshalb - für mehr Salär bei seinem jetzigen Verein.

Schalke und Dortmund könnte einen Spielertyp wie Kruse gut gebrauchen, einen zwischen Mittelfeld und Sturm, der viel läuft, Räume aufreißt, selbst ins Dribbling gehen kann und Tore vorbereitet wie selbst schießt. In 73 Spielen für Mönchengladbach kommt Kruse auf 23 Tore und 22 Torvorlagen – eine starke Bilanz!

Europa League statt Königsklasse?

Deshalb gibt es auch kaum einen Trainer in der Bundesliga, der den Angreifer nicht gerne in seinem Kader hätte. Thomas Tuchel, ab Sommer neuer Coach in Dortmund, soll extrem heiß auf Kruse sein. Aber ist der heiß darauf - wenn überhaupt - Europa League zu spielen, wo er doch die Königsklasse auf dem goldenen Tablett liegen hat?

Für die Nationalmannschaft wie das internationale Renommee wären Einsätze in der Champions League zweifellos ein Plus.

Bleibt zu guter Letzt noch das Verhältnis mit Lucien Favre, welches nicht das beste sein soll. Der Schweizer äußerte sich auch nach dem vergangenen Wochenende auffällig reserviert zu seinem Siegtorschützen. Vielleicht spielt also auch die Anerkennung eine Rolle.

Poker um die Zukunft

Kruse muss also wählen zwischen sportlicher und finanzieller Perspektive. Vielleicht bekommt er am Ende beides.  

Dass er pokern kann, hat er bereits unter Beweis gestellt. Nach seiner Nicht-Nominierung für die WM 2014, plante er kurzfristig einen (Poker-)Urlaub in Las Vegas.

Dort nahm er in der Variante "2-7 Lowball" an einem Turnier teil und wurde Dritter - von 241 Teilnehmern. Mit 1500 Dollar Startgeld strich er knapp 36.500 Dollar Gewinn ein. Die jetzigen Summen - aber auch die sportliche Relevanz seiner Wahl - sind ungemein höher.

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