vergrößernverkleinern
Robin Dutt (l.) und Alexander Zorniger sind zwei Schlüsselfiguren für den neuen Weg des VfB © SPORT1-Grafik: Gabriel Fehlandt/Getty Images

München - Robin Dutt stellt dem VfB ein katastrophales Zeugnis der letzten Jahre aus. Deshalb soll jetzt endlich ein klares Konzept her. Alexander Zorniger ist dafür ein Schlüssel.

Am 14. August startet die Bundesliga in ihre 53. Saison. (SERVICE: Der Spielplan)

SPORT1 nimmt in der Serie "Bundesliga - der Countdown" alle 18 Teams genau unter die Lupe und gibt eine Prognose ab.

Heute widmen wir uns dem VfB Stuttgart, wo sich Anspruch und Wirklichkeit unter neuer Führung wieder annähern sollen.

Das ist neu

Zuvorderst der Trainer. Alexander Zorniger ist keine 60 Kilometer östlich von Stuttgart geboren. Seine Leipziger Vergangenheit sehen viele Fans aber kritisch, er wird weit weniger euphorisch empfangen als vor einem Jahr Rückkehrer Armin Veh. Doch genau daraus hat der VfB vorgeblich gelernt.

Trotz seines unwürdigen Abgangs bei RB ist Zorniger mit einem bemerkenswerten Selbstbewusstsein ausgestattet. 2012 machte er als Jahrgangsbester seinen Fußballlehrer-Schein, vor Stefan Effenberg, Markus Kauczinski, Mehmet Scholl oder auch Christian Wörns.

Ihm stehen kaum namhafte Neuzugänge zur Verfügung. Einzig die Verpflichtung Mitchell Langeraks aus Dortmund erregte etwas Aufsehen.

Rechtsaußen Jan Kliment kam aus der tschechischen Liga, Mittelfeldspieler Lukas Rupp von Absteiger Paderborn, Linksverteidiger Philip Heise aus Heidenheim. Für mehr reicht das Geld nicht.

Dafür gibt es rund um die Mannschaft zahlreiche Neubesetzungen: 1860 Münchens ehemaliger Trainer Alexander Schmidt wird neuer Chefscout, ihn kennt Zorniger auch noch von der gemeinsamen Zeit an der Weisweiler-Akademie. Guido Buchwald ist als Scout speziell für den asiatischen Markt zuständig.

Spieler im Fokus

Weil der VfB recht klamm ist, will Sportvorstand Robin Dutt durch Transfers noch dringend Geld verdienen. Sechs Spieler im Sturm etwa sind ihm für zwei Positionen zu viele.

Vedad Ibisevic etwa lobte er dafür, "dass er in so einer Situation so eine Leistung bringt". Bedeutet: sich reinhängt, obwohl sie ihm beim VfB schon vor Wochen keine Zukunft mehr gegeben hatten.

Vedad Ibisevic vom VfB Stuttgart im Zweikampf mit Bayern Münchens Mario Götze
Vedad Ibisevic (l.) hat in Stuttgart kaum noch eine Zukunft © Getty Images

Der Bosnier soll trotzdem weg, Dutts warme Worte sind vor allem ein Zeichen an die Konkurrenz als mögliche Käufer. Werder Bremen soll angefragt haben; konkret ist das aber auch nach dem Wechsel von Franco Di Santo nach Schalke nicht.

Gibt es ein gutes Angebot für Ibisevic, ist er wohl sofort weg – bislang fehlt dieses aber. Ibisevic flog jetzt auch aus dem Mannschaftsrat.

Genau wie Antonio Rüdiger. Der Innenverteidiger verpasste das Trainingslager in der Schweiz, arbeitet offiziell in der Reha in Donaustauf an seiner Fitness. Klar ist aber auch: Am liebsten hätte der VfB den Nationalspieler schon längst verkauft, plant eigentlich schon gar nicht mehr mit ihm.

"Wir werden keine acht Antonio Rüdigers verkaufen, aber wir müssen Erlöse generieren", sagte Dutt. Noch ist aber kein Verein bereit, die geforderten 18 Millionen Euro Ablösesumme zu zahlen.

Saisonziel

Vor einem Jahr sprach Trainer Veh von "Platz zehn oder elf" als Ziel, am Ende stieg der VfB zum zweiten Mal in Folge beinahe ab. Dutt gibt deshalb jetzt nur vor: "Wir brauchen ab sofort eine einheitliche Spielkonzeption. Wir müssen uns unsere Identität wieder zurückholen."

Im Moment wäre jedes Saison-Szenario ohne Existenzangst ein Erfolg für Stuttgart. Im Endspurt der vergangenen Saison zeigte die Mannschaft unter Huub Stevens lange vermisste Leidenschaft. Genau darauf wollen Zorniger und Dutt aufbauen und langfristig einen originären Stuttgarter Weg entwickeln.

Das muss sich ändern

Dutt und Wahler holten bei Zornigers Vorstellung so ausführlich wie heftig aus, rechneten komplett mit der sportlichen und finanziellen Führung des Vereins in den vergangenen Jahren ab. "Die Fans unterstützen die Mannschaft, aber nicht den Verein oder die Führung. Wir wissen das, wir spüren das. Wir arbeiten daran und wollen das ändern", sagte Wahler.

Dutt fügte an: "Es wurde in den letzten Jahren deutlich mehr für Transfers ausgegeben als eingenommen. Die Spieler die man geholt hat, haben sich sportlich nicht so weiterentwickelt."

Die Präsidenten Erwin Staudt und Gerd Mäuser sowie die Sportdirektoren Fredi Bobic und Jochen Schneider haben es also verbockt aus ihrer Sicht. Kein Konzept, katastrophale Strukturen, schlecht zusammengestellte Mannschaft.

Dutt achtet jetzt darauf, dass eine einheitliche sportliche Ausrichtung schon in der Jugend gilt. Wahler räumt währenddessen den Vorstand auf und sucht nach Sparmöglichkeiten.

SPORT1-Prognose

Mit ihren kernigen Aussagen haben Dutt und Wahler den Druck erhöht, die ganze Sache könnte ihnen schon nach einer schlechten Rückrunde um die Ohren fliegen.

Ohne weitere Neuzugänge ist das Risiko des erneuten Abstiegskampfs erheblich. Außer Sven Ulreich und Gotoku Sakai hat der VfB aber keine Leistungsträger verloren.

Holt Zorniger aus dem jetzigen Kader das Maximum heraus und bleiben alle fit, ist eine sorgenfreie Saison möglich.

Alle bisherigen Teile der SPORT1-Serie "Bundesliga - der Countdown":

Hertha BSC: Dardai und die Suche nach dem Glück

Hamburger SV: Fortschritt im Schneckentempo

FC Ingolstadt: Erkundungstour im Eiltempo

SV Darmstadt 98: Außenseiter unter den Außenseitern

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel