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Nach seiner Verletzung fällt Badstuber für drei Monate aus © SPORT1 Grafik: Getty Images

SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic ist von den Verletzungen Holger Badstubers und Daniel Ginczeks betroffen. Eine Konsequenz Pep Guardiolas kann er nicht nachvollziehen.

Hallo Fußball-Freunde,

die Ergebnisse der Spiele am Wochenende waren für mich zweitrangig. Die Meldungen der beiden wieder einmal schweren Verletzungen von Holger Badstuber und Daniel Ginczek, zwei überaus sympathischen Typen, haben mich wirklich betroffen gemacht.

Wieder wird Geduld eingefordert. Wieder beginnt eine lange Rekonvaleszenz. Und doch sage ich: Beide haben noch eine große Zukunft vor sich. Ob es Holger noch zur EM schafft, da habe ich ernsthafte Zweifel. Und Daniel ist von seiner ganzen Spielanlage nach der EM auf jeden Fall ein Kandidat für Bundestrainer Joachim Löw.

Aktuell ist die Verletzung von Badstuber für den FC Bayern ein Desaster, während der VfB den Ausfall von Ginczek wenigstens personell auffangen kann.

Das Spiel beim FC Augsburg heranzuziehen und die Kombination Joshua Kimmich/David Alaba mit einem "Geht doch" zu werten, ist mehr als zu kurz gedacht. In der Bundesliga wird außer im Spiel gegen Borussia Dortmund auch ohne gelernte Innenverteidiger keine Unruhe aufkommen. Tag X aber ist das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am 23. Februar bei Juventus Turin. Nichts gegen Raul Bobadilla und Caiuby. Dann heißen die Gegner Alvaro Morata und Paulo Dybala - ein völlig anderes Kaliber.

Deshalb verstehe ich auch nicht, warum Guardiola seinem Neuzugang Sedar Tasci nicht wenigstens 15 Minuten Spielpraxis sammeln ließ.

Das große Plus der Bayern könnte nun die offenkundige innere Geschlossenheit des Teams werden. Der Teamgeist und die Harmonie drückte nicht nur das von allen, inklusive Trainerteam getragene Shirt mit den Genesungswünschen an ihren Kollegen aus. Die Mannschaft arbeitet auf dem Feld wirklich miteinander.

Die körperlichen Nachteile der "Zwergen-Abwehr" wurden durch Spielintelligenz kompensiert. Der Ball wird noch intensiver aus der eigenen Hälfte ferngehalten. Man sah praktisch keinen unnötigen Ballverlust im Mittelfeld. Aber nochmal: das war Augsburg!

Gegen Turin werden die Außenverteidiger darauf achten müssen, das so gut wie keine hohe Flanke in den Strafraum fliegen kann. Und wenn doch, wird Manuel Neuer vielleicht sogar noch einen Tick offensiver seine Linie verlassen, um die Bälle zu verteidigen oder abzufangen. Die Sechser, ob Alonso, Vidal oder Lahm, müssen das Zentrum noch stärker unterstützen und dicht machen.

Da mit Badstuber nun neben Jerome Boateng die zweite zentrale Defensivkraft fehlt, die einen perfekten diagonalen Angriffsball spielen kann, fehlt leider auch eine wichtige Komponente für die Offensive, die so wichtig ist, weil sie den schnellen Außen Robben oder Costa (oder dann auch wieder Ribery) Platz verschafften, wo ansonsten, bei langsamerem Aufbauspiel von der gegnerischen Defensive gedoppelt wird.

Die Spiele gegen Turin werden ja in der Öffentlichkeit als der große Leistungstest von Pep Guardiola angesehen, was ich aufgrund seiner vielen Erfolge schon als sehr fragwürdig erachte. Wenn es aber einer schafft, die personelle Not durch einen vielleicht noch völlig unbekannten taktischen Kniff aufzufangen, dann er.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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