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Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs (r.) holte Julian Draxler (l.) und Andre Schürrle 2015 zum VfL © SPORT1 Grafik: Getty Images/iStock

München - Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs spricht im SPORT1-Interview über den neuen VfL und die Zukunft der begehrten Nationalspieler Julian Draxler und Andre Schürrle.

Nach einem enttäuschenden achten Platz in der abgelaufenen Saison ist der VfL Wolfsburg zurück in der Realität. Gerade jetzt steht der Verein vor einem Umbruch: Leistungsträger wie die beiden Nationalspieler Julian Draxler und Andre Schürrle könnten den Verein verlassen.

Auch die Zukunft von Max Kruse bei den Niedersachsen ist ungewiss, Naldo ist schon weg. Im SPORT1-Interview spricht Geschäftsführer Klaus Allofs über den neuen VfL und die Zukunft der begehrten Leistungsträger.

SPORT1: Herr Allofs, steht der VfL gerade am Scheideweg?

Klaus Allofs: Nein. Wir sind mittendrin im Konkurrenzkampf. Wir müssen uns verändern und werden das tun aufgrund der Konkurrenzsituation, die sich verändert. Vor drei Jahren standen wir im unteren Bereich in der Tabelle, kamen erst in die Europa League, dann in die Champions League. Also wurden Spieler von uns interessant und schließlich mussten wir uns mit Anfragen von anderen Klubs beschäftigen. Bei der Verpflichtung neuer Spieler ist es so, dass man jetzt auf eine andere Konkurrenz trifft wie die Premier League oder Top-Klubs in der Bundesliga.

SPORT1: Doch der VfL scheint irgendwie auf der Stelle zu treten, oder?

Allofs: Das denke ich nicht. Es gibt einen permanenten Wandel und wir stehen nicht still. Wir werden unseren Weg, den wir vor drei Jahren begonnen haben, weitergehen. Wir haben die erreichten Fortschritte sehr schnell gemacht, vielleicht sogar zu schnell mit Pokalsieg, Supercup-Gewinn, Vizemeisterschaft und Champions-League-Viertelfinale. Das waren rasante Fortschritte und wir haben gemerkt, dass wir noch nicht so gefestigt sind, was sich in der Liga widergespiegelt hat. Das Ziel muss weiter heißen, dass wir uns dauerhaft unter den besten Mannschaften in Deutschland etablieren wollen.

SPORT1: Zum aktuellen Geschehen: Max Kruse wurde für zwei Tage vom Training freigestellt, um sich Transferaktivitäten zu widmen. Will man ihn los werden?

Allofs: Auf keinen Fall. Wir haben ganz klar gesagt, dass wir mit der vergangenen Saison nicht zufrieden waren. Max auch nicht. Sportlich, aber auch aufgrund von privaten Dingen, die nicht in Ordnung waren. Und daraus hat sich eine Situation ergeben, in der man sich vorstellen kann, dass man getrennte Wege geht. Aber wir haben nicht gesagt, dass wir getrennte Wege gehen müssen. Wenn es für Max eine Möglichkeit gibt, die auch für uns interessant ist, dann können wir uns darüber unterhalten. Am Freitag wird er für das Testspiel bei Celtic Glasgow wieder im Kader sein. Aber ich möchte noch mal betonen: Gibt es keine Lösung, dann ist Max weiter ein willkommener Spieler - unter der Voraussetzung, dass sich ein paar Dinge bei ihm verändern.

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SPORT1: Wie sehr glauben Sie, dass die beiden Spieler Andre Schürrle und Julian Draxler in der neuen Saison noch das VfL-Trikot tragen werden?

Allofs: Bei Julian Draxler wird es zu 100 Prozent so sein. Er wird beim VfL bleiben. Da gibt es gar keine Diskussion. Bei Andre Schürrle ist es eine etwas andere Situation. Wir wollen ihn nicht abgeben, sondern aufgrund der positiven Entwicklung in der vergangenen Saison gerne mit ihm weitermachen und sehen ihn in einer Führungsrolle. Aber Andre hat dem Trainer klar gesagt, dass ihn das Interesse von Borussia Dortmund zum Nachdenken gebracht hat. Mit dieser Situation mussten wir uns zuletzt beschäftigen. Aber bis jetzt ist nichts passiert. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Andre beim VfL bleibt.

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SPORT1: Bei Draxler sind die Lockrufe aus England allerdings unüberhörbar.

Allofs: Es ist nicht die Zeit für irgendwelche Gelübde, aber wir werden Julian nicht abgeben. Da hat es vor der EM keinen Gedanken daran gegeben, während der EM nicht und jetzt auch nicht. Auch wenn ich das so klar sage, wird keine Ruhe einkehren. Aber unsere Pläne sind klar.

SPORT1: In diesen Plänen soll Stürmer Simone Zaza von Juventus Turin eine konkrete Rolle spielen...

Allofs: Wir suchen noch nach Verstärkungen für den Offensivbereich und Zaza ist ein interessanter Spieler. Das bestätige ich gerne. Er hat seine Sache in der abgelaufenen Saison bei Juve sehr gut gemacht, aber da ist noch nichts fix. In den wenigen Minuten, die er bei der EM gespielt hat, hat er das auch ordentlich gemacht. Das könnte klappen, aber wir stehen nicht vor einem Abschluss.

SPORT1: Macht Ihnen Ihr Job in der jetzigen Phase mit all den Spekulationen überhaupt noch Spaß?

Allofs: Ganz ehrlich? Besonders gut finde ich die aktuelle Phase nicht, denn es gibt doch sehr viele Spekulationen in den Medien, aber das betrifft nicht nur den VfL Wolfsburg, sondern jeden Verein. Das ist nichts, was ich besonders toll finde. Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass dies nicht zu verhindern ist. Das sind die Begleiterscheinungen des modernen Fußballgeschäfts. Ich erhoffe mir natürlich, dass der Trainer frühzeitig weiß, mit welchen Spielern er planen kann, was leider in der Vergangenheit nicht immer umzusetzen war.

SPORT1: Trainer Dieter Hecking würde sich wünschen, dass das Transferfenster schon Ende Juli schließt. Sie auch?

Allofs: Aus der Sicht des Trainers kann ich das nachvollziehen, aber es gibt auch gute Gründe, die für einen späteren Schluss sprechen. Nämlich die, dass man bei einer Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb noch mal reagieren kann. Das ist auch eine wirtschaftliche Frage und macht schon Sinn. Es führt natürlich dazu, dass die Vereine noch Veränderungen haben, wenn die neue Saison schon läuft. Jeder Klub kann selbst entscheiden, ob man im August noch aktiv wird oder nicht.

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