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Magischer Moment: Patrik Andersson beschert dem FC Bayern 2001 mit einem Tor die deutsche Meisterschaft © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

München - Vor dem Klassiker zwischen Bayern und Gladbach spricht 2001er-Held Patrik Andersson über seine Ex-Klubs sowie deren Trainer Carlo Ancelotti und Andre Schubert.

Jeder Bayern-Fan bekommt heute noch feuchte Augen vor Freude - und jeder Schalker einen Stich ins Herz.

2001 war es Patrik Andersson, der am 34. Spieltag im Spiel beim Hamburger SV in der 90. Minute zum 1:1-Ausgleich traf und die Münchner in letzter Minute zum Deutschen Meister machte - und sich selbst damit unsterblich. Zudem wurde der Schwede vier Tage später mit dem FCB Champions-League-Sieger.

Vor seiner Zeit in München spielte der heute 45-Jährige auch sechs Jahre lang für Borussia Mönchengladbach, 2005 beendete er seine Karriere.

Vor dem Klassiker zwischen seinen Ex-Klubs (Sa., 18.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Andersson im SPORT1-Interview.

SPORT1: Herr Andersson, wie oft werden Sie noch auf Ihr Tor 2001 angesprochen?

HAMBURGER SV - FC BAYERN MUENCHEN
Der indirekte Freistoß, der ihn unsterblich machte: Patrik Andersson (nicht im Bild) trifft 2001 zu Bayerns Meisterschaft © Getty Images

Patrik Andersson: Das ist schon lange her. Sicherlich spielt das Tor immer wieder eine Rolle in meinem Leben. Erst kürzlich, als ich in meiner Funktion als Botschafter für die UEFA Europa League in Schweden bei der Auslosung in Monaco vor Ort war, wurde ich wieder von vielen Menschen auf diesen Freistoß angesprochen. Es war bestimmt das wichtigste Tor und der schönste Augenblick in meiner Karriere.

SPORT1: Der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach haben am Mittwoch in der Champions League souverän ihre Spiele gewonnen. Wie bewerten Sie diese Erfolge?

Andersson: Ich freue mich sehr, dass meine beiden früheren Klubs gewonnen haben. Für Bayern war es gegen PSV Eindhoven eine Art Pflichtsieg, aber von Borussia konnte man diesen Erfolg bei Celtic Glasgow im Vorfeld nicht erwarten. Die Gruppe von Borussia ist einfach brutal. Aber der dritte Platz ist auf jeden Fall drin. Es ist enorm wichtig, weiter internationale Erfahrung zu sammeln.

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SPORT1: Was wird das am Samstag für ein Spiel zwischen beiden Klubs?

Andersson: Für Gladbach war das schon früher immer etwas Besonderes, nach München zu fahren. So wird es auch jetzt wieder sein. Das wird eine tolle Begegnung, in der Borussia alles gewinnen kann. Sie können einfach alles genießen, dürfen aber nicht vergessen, dass es dennoch ein schweres Spiel wird. Vor allem, weil die Bayern in der Liga wieder einen Sieg einfahren müssen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Borussia in ihrer Entwicklung?

Andersson: Gladbach kann jeden Gegner bezwingen, aber ich denke, dass es in der Gesamtsituation immer wieder schwierig ist. Denn jedes Mal, wenn Borussia eine tolle Saison spielt, dann werden die besten Spieler verkauft. Die besten Beispiele sind Reus, ter Stegen, Dante und in diesem Sommer Xhaka. Diese Leistungsträger zu ersetzen und ein starkes neues Team aufzubauen, das braucht Zeit. So sehe ich auch das aktuelle Jahr in Mönchengladbach.

SPORT1: Die Gladbacher stehen aktuell auf Platz neun. Zu wenig für die Ansprüche?

Andersson: Ja. Der Verein hat internationalen Anspruch. Für eine neue erfolgreiche Mannschaft ist Zeit so wichtig, aber die hat man heutzutage im Profifußball nicht. Hoffentlich kann Borussia den Erfolg in der Champions League auch mit in die Liga nehmen.

SPORT1: Wie erklären Sie sich dort Gladbachs Auswärtsschwäche?

Andersson: Gladbach stand schon immer für offensiven Fußball. Wenn es um Punkte geht, dann muss man aber auch hinten kompakt stehen und die Chancen vorne nutzen. Zu Hause fällt das Spiel vielleicht etwas leichter, weil da die tollen Fans im Rücken sind.

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SPORT1: Sportdirektor Max Eberl hat in der Vergangenheit immer wieder den Satz gepredigt: "Wir wissen, woher wir kommen". Ist Gladbach für den nächsten großen Schritt noch nicht so weit?

Andersson: Was ist der nächste Schritt? Dann wäre man ein Titelaspirant und so weit ist man in Mönchengladbach noch nicht. Es ist auch sehr schwierig, da hinzukommen, wenn jedes Jahr, wie schon erwähnt, die Besten den Klub verlassen. Die Muskeln hat Borussia noch nicht, um so einen Kader mit 18 Stammspielern einzukaufen. Dazu brauchen sie auch eine starke Kontinuität. Aber der Verein ist auf einem sehr guten Weg.

SPORT1: Mit Trainer Andre Schubert wurde bis 2019 verlängert. Ein Zeichen von Kontinuität?

Andersson: Auf jeden Fall. Die Vertragsverlängerung war ein deutliches Zeichen, auch an die Spieler. Der Verein glaubt an Schubert und die Message ist klar: "Das ist unser Trainer. Er hat unser Vertrauen, mit ihm wollen wir Erfolg." Auch Spieler brauchen ein deutliches Zeichen.

SPORT1: Wann kann Gladbach, wie in den 70er-Jahren, wieder ein echter Konkurrent für die Bayern werden?

Andersson: Das ist schwer zu sagen. Bayern ist und bleibt die Nummer eins. Momentan gibt es nur die andere Borussia aus Dortmund, die den Münchnern gefährlich werden kann. Ein Verein braucht vor allem Zeit, Erfolge und Kontinuität, um sich in der Tabelle von den anderen Vereinen abzusetzen. Mit Gladbach gibt es mehrere Klubs, die den gleichen Anspruch haben.

SPORT1: Die Bayern haben unter Carlo Ancelotti zuletzt in der Liga etwas die Souveränität vermissen lassen. Wo hapert es?

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Andersson: Bestimmt nicht an Ancelotti. Ich habe von ihm als Trainer eine hohe Meinung. Aber in München steht jeder neue Trainer gleich von Anfang an unter einem extremen Druck. Es zählt nicht nur der Sieg, sondern ein Spiel muss auch grandios gewonnen werden. Ein bisschen fehlt gerade die Kontinuität. Ancelotti ist aber der richtige Trainer für den FC Bayern. Aber er muss alle Spieler zur Verfügung haben.

SPORT1: Ist Ancelotti zu weich?

Andersson: Das ist schwer zu beurteilen. Abgerechnet wird zum Schluss - und da zählt auch für einen Welttrainer wie Ancelotti nur der blanke Erfolg.

SPORT1: Gibt es eigentlich ein Spiel zwischen Ihren beiden Ex-Klubs mit Ihnen auf dem Platz, welches besonders war für Sie?

Andersson: Das war der 2:1-Sieg mit Borussia in München (1995/96, Anm. d. Red.). Wir haben eigentlich ohne einen echten Stürmer gespielt, nur mit Stefan Effenberg und Michael Sternkopf vorne drin. Das war ein Riesen-Erlebnis und bleibt immer in meinem Kopf. Mit Bayern habe ich leider nie gegen Gladbach gespielt, weil Borussia in der Zweiten Liga war.

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