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Granit Xhaka (l) und Mahmoud Dahoud haben das neue Ziel UEFA Europa League fest im Blick © dpa Picture-Alliance

Mönchengladbach - Für die Borussia ist das Abenteuer Königsklasse nach der Vorrunde beendet. Ein großes Ziel bleibt aber: In der UEFA Europa League zu überwintern.

Gemütszustände sind oft schwer zu greifen. Vor allem, wenn sie vielschichtig sind. Oder wenn sie sich munter abwechseln.

Bei Borussia Mönchengladbach gab es nach dem 1:1 im vierten Gruppenspiel der Champions League gegen Juventus Turin gleich eine ganze Palette an Emotionen.

Zum einen war da natürlich eine tiefe Enttäuschung. Über die Tatsache, dass gegen den Vorjahresfinalisten mehr drin war als ein Remis. Und dass das Abenteuer Königsklasse nach der Vorrunde damit definitiv beendet ist. (DATENCENTER: Tabellen der Champions League)

Schubert stolz auf sein Team

"Einerseits sind wir traurig, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben. Neben der Enttäuschung haben wir aber auch das Bewusstsein, dass wir ein richtig gutes Spiel gezeigt haben. Und dass man mit der Art und Weise auch zufrieden ist, ist wichtig - unabhängig von den Ergebnissen", sagte Interimstrainer Andre Schubert.

Wie der 44-Jährige bei seinen Ausführungen so dastand, mit seinem Anzug, den er für die große internationale Bühne gegen seinen grünen Glückspullover getauscht hatte, konnte man merken, wie er die Mannschaft packt, sie anspricht, sie motiviert und zu sechs Bundesliga-Siegen in Folge geführt hat. (SERVICE: Die Stimmen zur Champions League)

Borussia ganz nah am Sieg

Schubert kehrt nach außen hin zumeist erst einmal das Positive heraus, nimmt sich selbst dabei grundsätzlich zurück. In jedem Satz klang bei ihm dann auch eine Menge Stolz auf seine Mannschaft mit, die sich ein wenig über die Enttäuschung legte, dass es am Ende dann doch nicht für das Achtelfinale reichte.

Stolz über die Leistung und dass man den italienischen Meister an den Rande einer Niederlage gebracht hatte. Und man nach den 90 Minuten überhaupt enttäuscht war. Was wiederum beweist, wie nah die Gladbacher dem Sieg tatsächlich waren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan)

Sogar in den italienischen Medien wurden die Borussen für ihren äußerst couragierten und engagierten Auftritt gelobt. "Zwei Punkte gegen Juve, die Gladbach vor allem stolz machen können. Mönchengladbach setzt seine positive Serie fort und geht mit erhobenem Kopf aus dem Spiel", schrieb die Gazzetta dello Sport.

"Vor ein paar Wochen hat man Abstiegsangst gehabt und die Befürchtung, dass man sang- und klanglos in der Champions League untergeht. Und wenn man heute aus dem Stadion geht und sagt: 'Heute wäre mehr drin gewesen', dann ist das doch eine tolle Geschichte", sagte Schubert.

Juve an die Wand gespielt

Tatsächlich wäre mehr drin gewesen: Die Gladbacher hatten gegen Juve Mut zum Risiko gezeigt, die alte Dame in der ersten Halbzeit mit permanentem Pressing unter Dauerdruck gesetzt.

Mit dem blitzschnellen Umschaltspiel, Aggressivität und Spielfreude wurden die Italiener vor allem in den ersten 30 Minuten förmlich überrannt und an die Wand gespielt. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Deutlich dazu gelernt

Zwar hat die Borussia deutlich sichtbar dazu gelernt nach dem Katastrophen-Auftritt in Sevilla (0:3), dem bitteren 1:2 gegen Manchester City und dem etwas glücklichen 0:0 in Turin.

Doch im Rückspiel zahlte die Borussia dann doch wieder Lehrgeld, kassierte in ihrer stärksten Phase den Ausgleich (44.) und fand schließlich nach dem Platzverweis gegen Hernanes (53.) in fast 40-minütiger Überzahl kaum ein Mittel gegen das dichte Abwehrbollwerk der Italiener.

Und wenn es mal ein Durchkommen gab, stand im Tor immer noch Altmeister Gianluigi Buffon(DATEN: Buffon stoppt die Fohlen) 

"Rechnung gegen Sevilla offen"

"Wir haben gezeigt, dass die Borussia international mehr als nur dagegen halten kann. Gegen Sevilla haben wir jetzt noch eine Rechnung offen. Und die wollen wir begleichen", hielt Torhüter Yann Sommer fest.

Denn trotz des vorzeitigen Ausscheidens bleibt nun immer noch das Ziel, in der UEFA Europa League (LIVE im TV auf SPORT1) international zu überwintern. Dafür sollte Gladbach (zwei Punkte) am 25. November gegen den FC Sevilla (3) am vorletzten Spieltag den ersten Sieg in der Champions League einfahren.

Europa League ein sehr großer Anreiz

"Unser Hauptziel bleibt der 3. Platz. Und wenn wir gegen Sevilla so spielen wie gegen City und Juve, bin ich davon überzeugt, dass das klappt", sagte Granit Xhaka.

Ist der Anreiz Europa League nach dem Aus denn überhaupt noch groß, wurde der Gladbacher Kapitän gefragt. Der Schweizer wollte von einem "Abstieg" oder einem "Trostpreis" überhaupt nichts hören. "Der Anreiz ist sehr groß. Wenn der nicht groß wäre, müssten wir die beiden letzten Spiele gar nicht spielen", so Xhaka.

Enttäuschung hin, Stolz her: Am Ende überwog dann doch der Trotz.

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