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Leichte Größenvorteile: Juventus-Spieler Sami Khedira, Paul Pogba und Alvaro Morata gegen Bayerns "Zwergen-Abwehr". © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann

München - Pep Guardiola hat eigentlich immer von einer Mannschaft voller Mittelfeldspieler geträumt. Nun hat er sie beim FC Bayern - doch wie können sie sich gegen die großen Juve-Stars wehren?

Man muss sich Pep Guardiola als total elektrisierten Menschen vorstellen. Sicher, die Verletztenmisere des FC Bayern München kann den Trainer nicht glücklich machen. Dass es jetzt noch dazu wieder einmal Holger Badstuber erwischt hat, rührt Guardiola natürlich noch mehr als die Konkurrenz, die fleißig Genesungswünsche verschickt hat.

Andererseits ist Guardiola nun fast am Ziel. Beim 3:1 beim FC Augsburg standen außer Torwart Manuel Neuer und Mittelstürmer Robert Lewandowski nur Spieler auf dem Platz, deren natürliches Habitat im weitesten Sinne im Mittelfeld liegt - oder die Guardiola zu solchen gemacht hat.

Guardiola liebt Mittelfeldspieler

Es ist nämlich so: Guardiola liebt Mittelfeldspieler. "Am liebsten hätte ich Tausende davon", sagte er schon kurz nach seinem Amtsantritt in München. Und am liebsten sind ihm vielseitig verwendbare, wendige und eher kleine Akteure. Spieler wie Philipp Lahm (1,70 m), Joshua Kimmich (1,76 m), David Alaba (1,80 m) oder Juan Bernat (1,70 m).

In Augsburg bildeten die Abwehr-Zwerge (Durchschnittsgröße: 1,74) die Verteidigungsreihe der Münchner. Es ging gut. Auch, weil Bayern Augsburg noch weiter weg vom eigenen Tor hielt als sonst schon.

Doch die Bewährungsprobe für die Zwergen-Abwehr kommt erst noch. Kommende Woche (23. Februar) geht es im Champions-League-Achtelfinale gegen Juve. "Jede Mannschaft der Welt ist im Kopfball stärker als wir. Das ist nicht die Idealsituation", sagte Guardiola am Sonntag. So ganz ohne Innenverteidiger scheint sich selbst der Mittelfeldfetischist Guardiola etwas unwohl zu fühlen.

Wenigstens sind Mandzukic und Chiellini verletzt

Und Juve hat einige Leuchttürme in der Mannschaft, auch ohne die verletzten Mario Mandzukic (1,90 m) und Giorgio Chiellini (1,87 m).

Die Verteidiger Leonardo Bonucci (1,90 m) und Andrea Barzagli (1,87 m) sind groß und kopfballstark, das gleiche gilt für Spielmacher Paul Pogba (1,91 m) und seinen Quarterback Sami Khedira (1,89 m). Auch Alvaro Morata im Sturm erreicht mit 1,89 m Gardemaß.

Die Juve-Türme und die Bayern-Zwerge: Kann das gutgehen?

Klar, glaubt Sportvorstand Matthias Sammer. "Dann müssen sie halt höher springen", sagte er lapidar und fügte an: "Sie müssen bei Flanken eben mit Körperkontakt arbeiten. Aber Philipp, selbst Joshua oder Juan (Bernat) sind ja unglaublich ausgebufft." Zudem erinnerte er an ehemalige Stars wie Fabio Cannavaro oder Roberto Ayala, "die waren 1,80 m und kleiner". Stimmt. Barcelonas Innenverteidiger Javier Mascherano ist sogar nur 1,74 Meter groß - aber eben im Gegensatz zu Kimmich und Alaba spielt er die Position schon seit Jahren regelmäßig.

"Wir werden es als Mannschaft lösen"

Thomas Müller hat trotz des "Wahnsinns, dass alle Innenverteidiger fehlen", viel Vertrauen in "die Jungs". Sie seien "zweikampfstark, engagiert, schnell, haben alles, was man braucht, vielleicht nicht die Größe von klassischen Innenverteidigern, aber sonst...". Man werde das als Mannschaft lösen, fügte Arjen Robben an.

Auch Guardiola hofft gegen die Italiener, die nach dem 1:0 gegen Napoli zum ersten Mal in dieser Saison Tabellenführer der Serie A sind und die letzten 15 Ligaspiele gewonnen haben, auf "andere Qualitäten" seiner Abwehrspieler. Alaba, Kimmich und Lahm seien "sehr schnell und sehr intelligent", sagte er. Das ist Juves Offensivtänzer Paulo Dybala (mit 1,76 m auf Augenhöhe mit Bayerns Abwehrzwergen) aber auch.

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