vergrößernverkleinern
Borussia Dortmund v AS Monaco - UEFA Champions League Quarter Final: First Leg
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren nach dem Bus-Anschlag auf Borussia Dortmund © Getty Images

Auf den BVB-Bus wird vor dem Monaco-Spiel ein Anschlag verübt. Die Ermittlungen schreien voran. Thomas Tuchel spricht auf der PK.

Die wichtigsten Meldungen zum Anschlag:

  • Haftbefehl gegen Iraker
  • Tuchel spricht auf PK über das Erlebte
  • UEFA weist Kritik zurück

Vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League des BVB gegen den AS Monaco wurde auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ein Sprengstoffanschlag verübt.

Abwehrspieler Marc Bartra erlitt dabei einen Speichenbruch und Fremdkörper-Einsprengungen am rechten Handgelenk und wurde am späten Dienstagabend erfolgreich operiert.

Das für 20.45 Uhr angesetzte Spiel im Signal Iduna Park wurde inzwischen nachgeholt und endete mit einer 2:3-Niederlage gegen die Monegassen.

Für BVB-Coach Thomas Tuchel bleibt keine Zeit durchzupusten. Schon am Donnerstag stellte er sich den Journalisten und sprach  über die nächste Aufgabe, das Heimspiel am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Die Entwicklungen in Dortmund im Liveticker:

+++ Haftbefehl gegen Iraker +++

Gegen den bei den Ermittlungen zum Bombenanschlag auf den BVB-Bus festgenommenen Iraker ist am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden. Das teilte der Generalbundesanwalt am Abend in Karlsruhe mit.

Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshof erließ den Haftbefehl gegen den 26-jährigen Abdul Beset A. wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), nicht aber wegen einer Beteiligung an dem Anschlag auf den Dortmund-Bus.

Zu einem zweiten Verdächtigen, der am Mittwoch in den Fokus der Ermittlungen gerückt war, machte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag keinerlei Angaben. 

"Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, sich im Irak als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigungen 'Islamischer Staat' (IS) beteiligt zu haben", hieß es am Abend in einer Mitteilung.

Der Beschuldigte soll sich spätestens Ende 2014 im Irak dem sogenannten IS angeschlossen haben und dort das Kommando über eine Einheit von etwa zehn Personen geführt haben, zu deren Aufgaben die Vorbereitung von "Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen" gehörten.

Im März 2015 sei A. in die Türkei ausgereist, von dort aus sei er Anfang 2016 nach Deutschland gekommen. Von seinem deutschen Aufenthaltsort hielt A. angeblich weiter Kontakte zu anderen IS-Mitgliedern.

+++ Klopp spricht über Anschlag auf Bus +++

Der frühere BVB-Meistertrainer Jürgen Klopp hat sich schockiert über den Bombenanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus gezeigt. "Es war ein wirklich schwieriger Moment für mich, weil ich selbst oft mit dem Team in diesem Hotel gewesen bin. Ich kenne die Strecke ganz genau und weiß exakt, an welcher Stelle es passiert ist. Viele Freunde von mir saßen in diesem Bus", sagte der Teammanager des FC Liverpool.

Dass das für Dienstag geplante Champions-League-Viertelfinalhinspiel der Borussia gegen AS Monaco von der UEFA keine 24 Stunden später erneut angesetzt wurde, stieß bei Klopp auf wenig Verständnis.

"Wenn jemand, der nachher diese Entscheidung getroffen hat, im Bus gesessen hätte, hätte dieses Spiel nicht stattgefunden. Wer nicht im Bus war, kann sich nicht vorstellen, was genau geschehen ist", sagte der 49-Jährige.

Auf die Leistung der Borussia-Spieler, von denen einige in seinen Meisterteams 2011 und 2012 standen, sei er trotz der 2:3-Niederlage gegen die Monegassen "sehr stolz" gewesen. Als er "die Angst in den Augen" seiner früheren Spieler gesehen habe, habe er allerdings "das Ergebnis sofort vergessen".

Video

+++ Tuchel rechnet mit langer Verarbeitungszeit +++

Thomas Tuchel rechnet nach dem Sprengstoffattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund mit einer langen Verarbeitungszeit.

"Wir müssen einen Weg finden, damit klarzukommen. Wir wissen aber noch nicht, wie das passieren wird. Es ist unglaublich schwer, darüber zu sprechen. Wir können das nur untereinander teilen und verstehen", sagte der BVB-Coach am Donnerstag.

Tuchel erklärte zudem, dass "heute mein schlimmster Tag ist. Es kommt in Wellen." Der BVB bietet seinen Spielern professionelle Hilfe an. Die Profis müssen aber selber entscheiden, ob sie das Angebot nutzen.

"Damit muss jeder anders umgehen. Jeder hat es komplett unterschiedlich wahrgenommen. Es gibt Spieler, die die Explosion gesehen haben. Daher gibt es sehr viele unterschiedliche Eindrücke und sehr viele unterschiedliche Wege der Verarbeitung", sagte Tuchel.

+++ NRW-Behörden nehmen Anschlagsdrohungen ernst +++

Die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen messen den Drohungen mit weiteren Anschlägen nach dem Bombenattentat auf den Bus von Borussia Dortmund grundsätzlich hohe Bedeutung zu.

"Das nehmen wir sehr ernst, sagte Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag im Innenausschuss des NRW-Landtages. Direktor Dieter Schürmann vom Landeskriminalamt fügte mit Blick auf die weiterhin in alle Richtungen stattfindende Fahndung hinzu: "Wir suchen nach mordbereiten Tätern."

Als eine Konsequenz aus dem Anschlag von Dortmund kündigte Jäger in einer Telefonkonferenz mit Entscheidungsträgern der Polizei zusätzliche Einsatzkräfte zur Absicherung der Allgemeinheit und von Großereignissen an.

+++ Rückkehr von Bartra +++

"Das dauert ca. vier Wochen, Marc würde am liebsten schon am Samstag mit Ganzarm-Gips spielen. Das geht natürlich nicht, auch weil er dann nicht auf Abseits reklamieren könnte". Trotz der ernsten Lage endet die Pressekonferenz also zumindest mit einem kleinen Schmunzler von Tuchel.

+++ Reus wird gegen Frankfurt spielen +++

"Marco wird spielen, er weiß das glaube ich selber noch gar nicht. Das ist für uns und mich eine große Freude. Das ist die absolut gute Nachricht, wir haben ihn sehr vermisst. Wenn er morgen so wie heute problemlos trainiert, wird er am Samstag spielen."

Video

+++ "Nicht alles in einen Sinnzusammenhang stellen" +++

"Ich wollte die Mannschaft etwas davor bewahren, dass sie nicht alles in einen großen Sinnzusammenhang gestellt wird. Wenn man es in den großen Zusammenhang bringt, dann hat das Spiel 0,0 Bedeutung. Wir wollen uns erlauben, uns auf das Spiel zu freuen. Wir brauchen Zeit, um den Spaß zurückzufinden und auch die Sinnhaftigkeit im Fußball zurückzufinden."

+++ Psychologische Hilfe steht zur Verfügung +++

"Wir bekommen Hilfe von Experten. Jeder kann sich dort Unterstützung holen", erklärt Tuchel.

+++ Blick auf Eintracht Frankfurt +++

"Wir haben heute trainiert, ein Auslaufen gehabt. Wir haben der Mannschaft ein großes Lob ausgesprochen, wie sie mit dem Spiel umgegangen ist. Es ist frei bis Freitagnachmittag. Dann beschäftigen wir uns mit Eintracht Frankfurt. Das ist eine sehr unangenehme Mannschaft, die lange an ihrem hohen Leistungsniveau gelebt hat. In der Rückrunde gab es einige Probleme mit den Ergebnissen. Es ist sehr schwer gegen diese Mannschaft zu Torchancen zu kommen, wir brauchen gute Lösungen."

+++ Persönlicher Zustand von Tuchel und den Spielern +++

"Jeder geht damit anders um, kein Prinzip kann da helfen, da gibt es keinen Zwang. Auch im Bus gab es ganz unterschiedliche Seiten. Es gibt Spieler, die rechts saßen, die, die links saßen. Die Spieler die rechts saßen, haben diese Explosion teilweise auch gesehen und haben diese Bilder im Kopf. Es gab ganz unterschiedliche Eindrücke und deshalb auch unterschiedliche Wege der Verarbeitung. Sehr viele Spieler haben wenig geschlafen. Der ganz große Schock kam zu Hause. Die Tage jetzt danach sind natürlich komisch und wir versuchen einen Weg in die Normalität zu finden."

+++ "Heute ist mein schlimmster Tag" +++

Tuchel wird gefragt, wie die Wahrnehmung zwei Tage nach dem Anschlag ist. "Ich kann nur für mich selbst sprechen. Heute ist mein schlimmster Tag, warum auch immer", sagt der BVB-Coach offen: "Der Mittwoch war noch, als wenn man durch eine Wolke geht". Er gehe davon aus, dass die Verarbeitung der Ereignisse auch in den kommenden Wochen in Wellen verlaufen werde, sagt Tuchel.

+++ PK mit Tuchel vor dem Frankfurt-Spiel +++

Thomas Tuchel spricht auf der Spieltags-PK vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt zu den Medien. Tuchel wird gefragt, was er zur Ansetzung des Spiels am Mittwochabend sagt: "Ich möchte keine weitere Stellungnahme abgeben, ob wir involviert waren in die Spielansetzung. Es ist alles dazu gesagt."

Video

+++ Düsseldorf reagiert auf Anschlag von Dortmund +++

Vor dem "Sportsommer" in Düsseldorf mit drei Welt- oder Großereignissen werden die Verantwortlichen den Bombenanschlag auf Borussia Dortmund in die Einschätzung der Sicherheitslage einfließen lassen.

Das erklärte Geschäftsführer Martin Ammermann von der Düsseldorf Congress Sport & Event am Donnerstag.

Düsseldorf ist von Ende Mai bis Anfang Juli nacheinander Schauplatz der Tischtennis-WM (29. Mai bis 5. Juni), der Triathlon-EM (24./25. Juni) und des Grand-Depart-Starts der Tour de France (1./2. Juli). Wegen ihrer Austragung in der Öffentlichkeit und der voraussichtlich hohen Zuschauerzahlen an den Strecken gelten Triathlon-EM und Tour-Auftakt unter sicherheitsrelevanten Aspekten als besonders neuralgisch.

Auf den Wegen zur Tischtennis-WM in den Hallen der Messe Düsseldorf werden auch täglich mehrere tausend Besucher unterwegs sein.

+++ UEFA wehrt sich gegen Tuchels Vorwürfe +++

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat die Vorwürfe von Trainer Thomas Tuchel zurückgewiesen, dass Borussia Dortmund bei der Neuansetzung des Champions-League-Spiels übergangen worden sei.

"Die Entscheidung, dass das Spiel am Mittwoch stattfinden sollte, ist am Dienstag gemeinsam mit allen Beteiligten gefallen. Auch am Mittwoch standen wir mit allen Beteiligten in Kontakt und haben zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Anzeichen bekommen, dass nicht gespielt werden sollte", teilte die UEFA mit.

Tuchel hatte nach dem 2:3 (0:2) im Viertelfinal-Hinspiel gegen AS Monaco die Neuansetzung keine 24 Stunden nach dem Sprengstoffattentat auf den BVB-Mannschaftsbus scharf kritisiert.

"Wir waren in die Entscheidung überhaupt nicht eingebunden. Das hat die UEFA in der Schweiz entschieden. Das ist kein gutes Gefühl, es war ein Gefühl der Ohnmacht", sagte Tuchel, der nicht als einziger Dortmund ein Problem mit der Spielansetzung hatte, und fügte an: "Die Termine werden vorgegeben und wir haben zu funktionieren. Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen."

Die Dortmunder Verantwortlichen um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatten dem neuen Termin zugestimmt. "Ich bin der Mannschaft unheimlich dankbar, dass sie sich zur Verfügung gestellt hat. Unsere Demokratie steht auf dem Prüfstand", hatte Watzke bei Sky erklärt: "Die Terminproblematik war mir egal. Mir ging es darum zu zeigen, uns nicht unseren Terminplan diktieren zu lassen und uns nicht unsere freiheitliche Lebensweise nehmen zu lassen." 

+++ Schmidt sieht Ansetzung positiv +++

Trainer Martin Schmidt vom abstiegsgefährdeten Bundesligisten FSV Mainz 05 hat die rasche Neuansetzung des Champions-League-Viertelfinalspiels zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco (2:3) keine 24 Stunden nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB positiv bewertet.

"Ich denke, das war eine Art der Verarbeitung - auch für die Fans. Der erste Schritt zur Normalität ist getan", sagte Schmidt am Donnerstag und widerspricht damit indirekt seinem Trainer Kollegen Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim. 

Auf etwaige Sondermaßnahmen im Sicherheitsbereich vor dem Spiel am Samstag gegen Hertha BSC Berlin (15.30 Uhr) ging Mainz-Sportdirektor Rouven Schröder nicht explizit ein. "Wir machen uns immer intern Gedanken, nicht erst nach diesem Anschlag. Die Antennen sind immer an. Wir werden alles tun, um die Sicherheit zu gewährleisten", meinte Schröder. 

+++ Rucksackverbot bei Niedersachsen-Derby +++

Zweitligist Hannover 96 hat nach dem Anschlag von Dortmund die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Niedersachsen-Derby gegen Eintracht Braunschweig am Karsamstag (13 Uhr) erhöht.

So sind in der ausverkauften HDI-Arena keine Rucksäcke und größeren Taschen erlaubt, zugelassen ist Handgepäck bis zu einer Größe von maximal DIN A4. Die Polizei verstärkt zudem ihre Präsenz rund um das Stadion.

Ein Rucksackverbot gilt auch schon bei mehreren Bundesligisten. Unter anderem Bayern München, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach hatten vor Saisonbeginn ihre Maßnahmen der veränderten Sicherheitslage angepasst.

Um die rivalisierenden Fan-Gruppen beim Niedersachsenderby zu trennen, wurde die Kapazität des Stadions um 6.300 Plätze reduziert, um eine Pufferzone einzurichten. 96-Manager Horst Heldt appellierte an die Fans, sich friedlich zu verhalten.

"Das Derby sollte so gelebt werden, wie es sich gehört", sagte Heldt: "Das heißt, die eigene Mannschaft anzufeuern und sich nicht so sehr mit dem Gegner zu beschäftigen."  

Video

+++ Nagelsmann kritisiert rasche Neuansetzung +++

Trainer Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim hat nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund die rasche Neuansetzung des Champions-League-Spiels kritisiert und fehlendes Fingerspitzengefühl ausgemacht.

"Ich würde mir wünschen, dass man künftig die wirtschaftlichen Interessen hinten anstellt und mehr Menschlichkeit zeigt", sagte er am Donnerstag: "Der Termin war nicht ganz glücklich gewählt."

Nur 24 Stunden nach dem Angriff musste der BVB im Achtelfinal-Hinspiel gegen AS Monaco (2:3) antreten. Nagelsmann hätte sich einen anderen Zeitpunkt für die Ansetzung gewünscht, "auch wenn dann eben die Zuschauer nicht ins Stadion kommen können und es vielleicht keine TV-Übertragung gibt."

+++ "Bei Toten hätte das Spiel nicht stattgefunden" +++

Der künftige FIFA-Sicherheitschef Helmut Spahn hat die direkte Neuansetzung des Champions-League-Spiels zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco verteidigt und sieht Sportler nicht stärker im Fokus von Terroristen als früher.

"Anschläge, von wem auch immer, richten sich gegen uns, unsere Freiheit, gegen unsere Gesellschaft. Wenn wir einknicken, machen wir genau das, was diese Kriminellen wollen", sagte der ehemalige Sicherheitsbeauftrage des DFB der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Aber man muss immer abwägen. Wenn es Tote gegeben hätte, hätte natürlich kein Spiel stattgefunden."

Es sei zwar nachvollziehbar, dass der normale Fan und Bürger denke, der Terror sei nähergerückt: "Aber wenn man sich die Statistik anschaut, leben wir fast in den sichersten Zeiten, was terroristische Bedrohung und die Zahl der Opfer betrifft, insbesondere in Europa", sagte Spahn: "Was anders ist, ist die mediale Aufmerksamkeit. Da zahlt der Fußball auch den Preis seiner exorbitanten Popularität."

Erkenntnisse darüber, dass Sportler stärker ins Ziel von Terroristen gerückt sind, habe er nicht. "Das Gefühl hat man jetzt vielleicht, weil der Sport mehrfach betroffen war. Aber das war auch in der Vergangenheit schon der Fall. Nicht unbedingt in Europa, aber anderswo", sagte Spahn.

Gleichzeitig warnte er vor vorschnellen Schlussfolgerungen. "Wir sollten jetzt erst mal alle Fakten analysieren und nicht über das Ziel hinausschießen. Es ist ja oft so, dass in dem Moment, wenn so etwas passiert, alle möglichen Forderungen gestellt werden."

+++ ÖFB verschärft Sicherheitskonzept +++

Als Konsequenz aus dem Bombenanschlag auf den Bus des deutschen Vizemeisters Borussia Dortmund verschärft der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) die Sicherheitsvorkehrungen für seine Nationalmannschaft.

ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold bestätigte im ORF-Fernsehen entsprechende Maßnahmen. Dazu sollen eine stärkere Panzerung des Mannschaftsbusses sowie eine Intensivierung der Sicherheitschecks bei Fahrten des Teams gehören.

"Die Ereignisse von Dortmund sind Grund genug, die eigenen Sicherheitsmaßnahmen zu durchleuchten, um so bestmöglich vorbereitet in die nächsten Länderspiele gehen zu können", sagte Neuhold: "Man muss sich damit auseinandersetzen, wie man die ständige Kontrolle über die Teambusse behält, sprich: vor und nach jedem Transport entsprechende Rund- und Sicherheitsgänge unterstützt."

Video

+++ CDU-Politiker: Mehr Schutzmaßnahmen bei Fußballspielen +++

Nach dem Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund kommen immer lautere Rufe nach einer Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen insbesondere bei Fußballspielen auf. "Die Sicherheitsbehörden werden ihren Fokus für den Schutz großer Fußballspiele weiter fassen müssen", sagte Bundestags-Innenausschusschef Ansgar Heveling im Interview mit der Rheinischen Post. Der CDU-Politiker sprach außerdem von einer "neuen Qualität des Terrors, weil mit der BVB-Mannschaft eine konkrete Gruppe das Anschlagsziel war".

Aus Hevelings Sicht reicht die Konzentration der Behörden auf den Schutz der Menschenmengen in und unmittelbar an den Stadien nicht mehr aus. Vielmehr müssten in Zukunft auch Anfahrtswege insbesondere von Aktiven und das gesamte Umfeld von Veranstaltungen bei der Planung von Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden.

+++ Tuchel kritisiert UEFA +++

Unmittelbar vor Anpfiff hat sich BVB-Coach Thomas Tuchel über die Emotionen innerhalb der Mannschaft geäußert. "Uns geht es gut, aber manche Spieler sind sehr mitgenommen und nachdenklich, andere stecken es etwas besser weg", sagte der Fußballlehrer bei Sky.

Und ergänzte: "Es ist eine gemischte Gefühlslage. Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, alles zu verarbeiten. Wir haben es als sehr ohnmächtig empfunden, dass sehr schnell in Nyon (von der UEFA, Anm. d. Red.) entschieden wurde (das Spiel nur einen Tag später nachzuholen, Anm. d. Red.), ohne sich über das Ausmaß klar gewesen zu sein. Wir sind auch eben mit einem mulmigen Gefühl in den Bus gestiegen, es fühlt sich nicht wie eine Champions-League-Feiertag an. Aber es ist Sport, und wir versuchen, uns damit ein Stück weit ablenken. Was uns widerfahren ist, ist uns aber als Mensch widerfahren, das steckt uns allen in den Knochen."

Nach dem Spiel legte er nach "Es geht um unseren Traum in der Champions League, dafür hätten wir uns ein paar Tage mehr Zeit gewünscht. Da fühlen wir uns komplett übergangen."

Video

+++ Bartra meldet sich aus Klinik +++

Der beim Bombenangriff am Arm verletzte Marc Bartra kann nach seiner Operation wieder lächeln.

Bei Instagram meldete sich der Spanier bei seinen Followern, schrieb: "Wie ihr sehen könnt, geht es mir schon viel besser."

Er bedankte sich für die Unterstützung und schickt all seine "Stärke den Teamkollegen und den Fans des BVB für das heutige Spiel."

Sein Papa Jose Bartra sagte bereits zuvor im spanischen Fernsehen: "Marc geht es gut. Er hat uns gesagt, dass wir ruhig bleiben sollen, weil alles gut ausgehen wird."

Er hörte demnach einen lauten Knall, hatte erst Kopf-, dann Armschmerzen. Anschließend war dem 26-Jährigen für fünf Minuten schwindelig.

+++ Auswirkungen auf Finale +++

Der Sprengstoffanschlag hat auch Auswirkungen auf das Sicherheitskonzept des diesjährigen Champions-League-Finals am 3. Juni im walisischen Cardiff.

So sollen die Zufahrten für Fahrzeuge innerhalb Cardiffs am Tag des Endspiels begrenzt werden, teilte die Polizei von Süd-Wales am Mittwoch mit.

Video

+++ Bartra geht es besser +++

Dortmund hat sich aktuell zu Marc Bartra geäußert. "Marc Bartra geht es den Umständen entsprechend gut. Er wird das Spiel heute vom TV aus verfolgen und drückt seinen Teamkollegen die Daumen", schrieb der BVB bei Twitter.

Der Spanier war nach seinem erlittenen Bruch der Speiche im rechten Handgelenk infolge eines Sprengstoffattentats erfolgreich operiert worden. Sportdirektor Michael Zorc stattete Bartra einen Besuch im Krankenhaus ab.

+++ Keine zusätzlichen Vorkehrungen bei Schalke +++

Schalke 04 hat sich nach dem Anschlag von Dortmund am Mittwochmittag ohne zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen auf den Weg zum UEFA-Europa-League-Spiel bei Ajax Amsterdam gemacht. "Nach Auswertung aller Hinweise gibt es keine Erkenntnisse, die auf eine Gefährdung bei der Anreise der Schalker Fußballer nach Amsterdam hindeuten", sagte Torsten Sziesze, Sprecher der Gelsenkirchener Polizei.

Nach dem Sprengstoffanschlag am Dienstagabend auf den Mannschaftsbus des BVB habe man "die Lage in enger Abstimmung mit dem Verein analysiert". Die Königsblauen reisten im Mannschaftsbus ins 200 Kilometer entfernte Amsterdam. Dort treffen sie am Donnerstag (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) im Viertelfinalhinspiel auf den niederländischen Rekordmeister.

Auch in der Amsterdam Arena werden die Sicherheitsmaßnahmen nicht verschärft. "Es wird nichts geändert", sagte ein Ajax-Sprecher am Mittwoch. Der Ex-Gladbacher Amin Younes nannte die Attacke in Dortmund "einfach schrecklich". Der Offensivspieler von Ajax betonte aber: "Ich fühle mich sicher, ich habe kein mulmiges Gefühl."

+++ Minister schließt weiteren Anschlag nicht aus +++

NRW-Innenminister Ralf Jäger schließt einen weiteren Anschlag nicht aus.

"Es gibt einen Gefahrenüberhang. Da die Täter nicht gefasst sind, müssen wir davon ausgehen, dass sie weitere Taten ankündigen oder sogar ausführen", sagte Jäger auf einer PK.

"Wir werden uns in NRW dem Hass und dem Terror nicht beugen", so Jäger: "Die Fans können sicher sein, dass die Polizei in Dortmund alles Menschenmögliche tut, dass alles sicher ist. Wir tun alles dafür, dass die Hintergründe des Anschlags möglichst schnell aufgeklärt werden."

Er spricht auch über die Motivlage. Die Täter wollten wohl eine "größtmögliche Öffentlichkeit".

Jäger stellte aber auch klar, dass wir "sensible Sicherheitsmaßnahme haben, die sehr hoch ist." Zudem gebe es am Mittwoch zusätzliche Maßnahmen für den BVB im Stadion und für die Fans.

Zu den Bekennerschreiben sagte Jäger, sie können "Fake sein oder echt". Man ermittle in alle Richtungen.

+++ Zweites Bekennerschreiben nicht mehr online +++

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge prüften die Ermittler auch das zweite, inzwischen nicht mehr online geschaltete Internet-Bekennerschreiben aus der linksextremistischen Szene.

Das Schreiben war am Dienstagabend im Netz aufgetaucht und nennt als Motiv für den Anschlag den angeblich unzureichenden Kampf des BVB gegen rechtsradikale Gruppierungen in Dortmunds Anhängerschaft. Zur Echtheit beider Bekennerschreiben äußerten sich die Behörden bis Mittwochmittag nicht.

Die Wortmeldung der linksradikalen Gruppierung beklagt als Motiv angeblich zu wenig Engagement des BVB bei der Bekämpfung der rechtsradikalen Szene in Dortmunds Fan-Klubs.

Die Politik des BVB setze sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten ein, und seit Jahren würde der Klub zudem Fans mit menschenverachtender Einstellung ins Stadion lassen, hieß es in dem via Twitter verbreiteten, noch einsehbaren Pamphlet. "Der Bus war nur ein Symbol. Keinesfalls waren die Spieler Ziel dieser symbolischen Tat", stand darin weiter geschrieben.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel