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München - Der FC Bayern trifft gegen Dortmund keinen einzigen Elfmeter. Auch zuvor gibt es unerklärliche Fehler. Pep Guardiola zeigt sich als fairer Verlierer.

Schon wieder Elfmeterschießen auf die Südkurve. So wie in jenem verflixten Champions-League-Finale 2012. Und wieder sackte den Stars des FC Bayern das Herz in die Unterhose, ach was, in die Kniekehlen.

Kein einziger von vier Schützen trifft im DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund. Ein bayerischer Super-GAU. Die Münchner sind nach dem 1:3 (1:1) raus aus dem Wettbewerb, der Tripletraum ist zerplatzt an schwarzgelben Stacheln. Doch das Münchner Scheitern lag nicht nur an Philipp Lahm und Xabi Alonso, die bei ihren Schüssen ausrutschten.

Und gewiss auch nicht allein an Keeper Manuel Neuer, der den entscheidenden Versuch an die Latte knallte.

"Haben den BVB dann spielen lassen"

Die Bayern wirkten stattdessen leer und ausgepumpt. Psychisch aufgefressen von einem Spiel, das sie in der zweiten Hälfte fahrlässig aus der Hand gegeben hatten.

"Wir hatten alles unter Kontrolle, aber den BVB dann fünf Minuten spielen lassen", schimpfte Neuer nur wenig später.

Die Nerven waren da in der Mixed Zone nur leicht beruhigt, schließlich feierten die Dortmund ausgiebig den unverhofften Sieg über den Erzrrivalen. Allen voran Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang. Der zog wie ein Teenager mit kräftig aufgedrehtem CD-Player durch den Stadionbauch.

Götze wie abwesend

Die Bayern dagegen schienen in eine Wiederholung jenes Dramas von 2012 gegen Chelsea geraten zu sein. Bestes Beispiel für jenen Bruch im Spiel: Joker Mario Götze.

Der Ex-Dortmunder präsentierte sich wie abwesend, als er in der Verlängerung aus bester Position einen Nachschuss nicht nutzte. Und im Elfmeterschießen beförderte der Weltmeister den Ball in Mitchell Langeraks Arme.

Ein bitterer Moment, der Götze im Stadionbauch verfolgte. Da lief eine Zusammenfassung der Elfmeter. Götze starrte kurz auf seinen Fehlschuss, dann tappte er weiter. Schweigend.

Immerhin fand sein Trainer Worte für das, was ihm gerade wiederfahren war. Pep Guardiola erlebte ja an Ort und Stelle ein ähnliches Debakel, wie es Jupp Heynckes vor drei Jahren gegen Chelsea widerfahren war.

Guardiola beklagt Müdigkeit

"Beim Elfmeterschießen waren die Spieler ein bisschen müde", kleidete er bei Sky seine Enttäuschung in knappe Worte.

Außerdem verblüffte der Spanier mit der Ansicht, sein Team habe das "beste Spiel gegen Dortmund" gemacht "in meinem Projekt hier in Deutschland".

Er übersah dabei geflissentlich, dass die Bayern vor Dortmunds Ausgleich (75.) reihenweise dicke Torchancen liegengelassen und nach dem 1:1 dem Gegner weitere verheißungsvolle Konter gestattet hatten.

Robben im Pech

Obendrein hatte Guardiola Pech mit der Einwechslung des gerade erst nach seinem Bauchmuskelriss genesenen Arjen Robben. Danach dominierte der BVB, traf und erzwang die Verlängerung, in der wiederum Bayern stärker war.

Noch deprimierender für die Bayern: Robben musste nach gerade einmal 15 Minuten auf dem Feld wieder runter. Ein schlimmeres Comeback hätte es für den Niederländer nach seinem Bauchmuskelriss nicht geben können. Am Tag darauf folgte die niederschmetternde Diagnose: Muskelbündelriss, Saisonaus für den Superstar.

Müller-Auswechslung verwundert

Guardiola wird sich wahrscheinlich im nachhinein auch über die Auswechslung von Thomas Müller unmittelbar nach dem Ausgleich ärgern.

Der Wechsel war bereits eingeleitet, als das Tor fiel. Im Idealfall hätten die Bayern das aber noch auf die Schnelle ändern können. So fehlte Müller als sicherer Elfmeterschütze für den späteren Shootout. 

"Die ganze Saison war es so"

Die Bayern gehen gebeutelt aus der Pokalschlacht, vielen wie Philipp Lahm war die Belastung der vergangenen Wochen anzumerken.

Hinzu kommen die Ausfälle von Robert Lewandowski und Robben. Der Abgang des Niederländers: auf Krücken. Lewandowski Abtritt gestützt von seiner Frau und sichtlich benommen im Krankenwagen.

Bei einer überharten Parade von Langerak zog sich Lewandowski einen Oberkiefer- und Nasenbeinbruch zu, dazu eine Gehirnerschütterung.
"Arjen ist verletzt, Lewy ist im Krankenhaus, bei Thiago werden wir sehen", fasste Guardiola resigniert zusammen und fügte an: "Die ganze Saison über war es aber so."

Soll heißen: Irgendwie hoffen seine Bayern, sich aus dieser Situation herauszuwursteln.

Im aus FCB-Sicht bedeutungslosen Bundesligaspiel in Leverkusen muss man nun ebenso bestehen wie im Champions-League-Halbfinalhinspiel beim FC Barcelona. Thiago vermeldete immerhin via Twitter noch in der Nacht, "keine Verletzung" zu haben.

Mut nicht belohnt

Guardiola wird es registrieren, die Analyse der Geschehnisse von Dienstagabend läuft. Für seinen Mut, Jungspund Mitchell Weiser zu bringen und Vizekapitän Bastian Schweinsteiger auf der Bank zu lassen, ist der Trainer nicht belohnt worden.

Beim 6:1-Champions-League-Triumph gegen Porto vor einer Woche war Guardiola in München dagegen noch für seine taktische Raffinesse in den Himmel gehoben worden.

Trotz aller Wut im Bauch gratulierte er nach der Pleite aber noch auf dem Feld BVB-Trainer Jürgen Klopp und zig Dortmunder Spielern.

Rummenigge mit Schiedsrichter-Kritik

Karl-Heinz Rummenigge versuchte ebenfalls nicht allzu wutschnaubend auf die Journalisten einzureden. Doch Bayerns Vorstandsboss klagte schon darüber, dass 75.000 Zuschauer im Stadion - alle eben außer Schiedsrichter Peter Gagelmann - das elfmeterreife Handspiel von Marcel Schmelzer gesehen hätten. Dem Referee empfehle er daher "einen Optiker".

In Richtung Gagelmann, der am Saisonende aus Altersgründen (46) aufhört, ätzte er noch: "Vielleicht ist es auch besser für die Bundesliga, dass das Kapitel erledigt ist."

Es bringe jedoch umgekehrt nichts, jetzt nur auf den Referee einzuschlagen, zumal Gagelmann später sogar noch seinen Fehler zugab.

"Wir müssen die Niederlage akzeptieren", sagte Rummenigge auf SPORT1-Nachfrage. "Wir haben ein paar Torchancen liegengelassen." Das Elfmeterschießen sei letztlich "Glücksache" gewesen.

Allerdings siegten die Münchner vor gut einem Monat im Viertelfinale in Leverkusen im Elfmeterschießen. Die Trefferquote damals 100 Prozent. Nun sackte sie erdrutschartig auf Null ab, das Debakel nahm seinen Lauf.

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