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© Getty Images

Lille - Der Ersatz-Ersatzmann für Mats Hummels sammelt im Auftaktspiel gegen die Ukraine Pluspunkte. Das könnte die Pläne von Bundestrainer Joachim Löw mit Mats Hummels ändern.

Mats Hummels war zufrieden mit seinem Stellvertreter. "Musti hat uns heute zum Sieg geköpft und auch sonst hervorragend verteidigt", sagte Hummels nach dem 2:0-Sieg zum EM-Auftakt gegen die Ukraine.

Shkodran Mustafi wäre wohl der Held des Abends gewesen, wenn, ja wenn Bastian Schweinsteiger ihm nicht mit seinem spektakulären Tor in der Nachspielzeit die Show gestohlen hätte.

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Doch der Ruhm des Matchwinners interessierte Mustafi nicht.

"Ich freue mich eigentlich eher über das Ergebnis als über mein Tor, ganz ehrlich", sagte der Abwehrspieler, der ohne die Verletzung von Antonio Rüdiger wohl nicht gespielt hatte.

Mustafi war quasi der Ersatz des Ersatzmanns – und er nutzte seine Chance.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

"Ich freue mich eher, dass ich meinen Defensivpart machen konnte. Das ist der Grund, weshalb mir der Trainer das Vertrauen gegeben hat", erklärte der 24-Jährige, der glücklich war, "dass ich dem Trainer und der Mannschaft das Vertrauen zurückgeben konnte."

Löw weiß, was er an Mustafi hat

In den letzten beiden Tests vor der EM war Mustafi ohne Einsatz geblieben. Doch Joachim Löw weiß, was er an ihm hat.

Nach seinem Tor wollte er "die Konzentration hoch halten und weiter meinen Job machen", erzählte Mustafi.

In der Schwächephase der deutschen Mannschaft vor dem Ende der ersten Halbzeit war allerdings auch er nicht immer nah genug an seinem Gegenspieler, so dass die Ukraine zu mehreren guten Chancen kam.

"Es ist nicht ganz einfach, wenn man nicht spielt und immer auf seine Chance wartet. Dann kommt die Chance und es herrscht ein unglaublicher Druck. Mit dem umzugehen, ist nicht ganz einfach", berichtete Mustafi. "Ich habe das Gefühl, dass ich noch vieles lernen kann. Die Mannschaft hilft mir immer dabei und ich teile den Druck mit der Familie. Sie versucht immer, mich zu beruhigen."

Auch von seinen Teamkollegen bekam Mustafi Zuspruch, nicht zuletzt von Hummels. "Er hat das richtig gut gemacht. Ich habe mich gefreut, dass er die Leistung gebracht hat, die er eh bringen kann, weil er ein herausragender Verteidiger ist", meinte der 27-Jährige und versicherte: "Ich bin keiner, der auf der Bank sitzt und sich ärgert."

Hummels: "Es schaut gut aus"

Grund sich zu ärgern hatte Hummels auch gar nicht. Im Gegenteil: Nach seinem Muskelfaserriss in der Wade macht er sehr gute Fortschritte, trainierte am Samstagabend mit der Mannschaft. Das Spiel gegen die Ukraine kam noch zu früh, doch am Donnerstag gegen Polen könnte er schon wieder dabei sein.

"Wenn ich gesagt hätte, ich spiele zu hundert Prozent gegen Polen, wäre da ein Riesendruck drauf gekommen", erklärte Hummels: "Wenn ich einmal einen kleinen Rückschlag gehabt hätte, der mich zwei Tage zurückgeworfen hätte, dann wäre das Polen-Spiel raus gewesen. Aber der ist bis jetzt zum Glück nicht gekommen. Deswegen schaut es gut aus."

Ob der Bundestrainer aber das Risiko eingeht, Hummels ohne Spielpraxis gleich gegen den stärksten Gruppengegner einzusetzen, ist offen.

Es ist gut möglich, dass Löw gegen Polen (Do., ab 20.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) wieder auf den fitten Mustafi setzt. "Ich mache mir darüber keine Gedanken. Wir werden es sehen", sagte der Spanien-Legionär.

Es könnten auch beide zusammen in der Viererkette spielen, wenn Mustafi wie bei der WM 2014 auf die rechte Außenposition wechselt. Dann müsste wohl Benedikt Höwedes weichen.

Mit Dreierkette gegen Polen?

Auch eine Dreierkette mit Mustafi, Boateng und Hummels wäre möglich, gegen die Polen mit ihren gefährlichen Stürmern wie Robert Lewandowski und Arkadiusz Milik aber wohl eine zu riskante Variante.

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"Es kann viel passieren, in einer Minute wird man zum Held, in der anderen zum Deppen", sagte Mustafi in Anspielung auf seinen Kopfball-Lupfer über Manuel Neuer, der kurz vor Spielende fast den Ausgleich der Ukraine ermöglicht hätte.

Bei der WM musste Mustafi viel Kritik für seine Leistung als Rechtsverteidiger einstecken. Bei seiner EM-Premiere war er mehr als nur ein Hummels-Ersatz. Zur Belohnung für sein Tor bekam er nun sogar einen Sticker im Update des Panini-Albums.

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