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Jürgen Klopp gegen Louis van Gaal. © Getty Images/SPORT1-Grafik: Raphael Fehlandt

Liverpool - Vor dem Spiel Manchester United gegen Liverpool in der Europa League (ab 19 Uhr LIVE im TV) vergleicht SPORT1 die Trainer Louis van Gaal und Jürgen Klopp.

Seit 122 Jahren spielen der FC Liverpool und Manchester United gegeneinander. Die Duelle zwischen den beiden nordenglischen Klubs sind ähnlich brisant wie in Deutschland das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke.

Doch es mussten erst Jürgen Klopp und Louis van Gaal die beiden Premier-League-Mannschaften trainieren, dass es auch einmal zu einem Europapokalspiel zwischen den Reds und den Red Devils kommt. Kaum zu glauben, aber das Achtelfinal-Hinspiel in der UEFA Europa League am Donnerstag (Die UEFA Europa League, Do. ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER, HIGHLIGHTS ab 23 Uhr auf SPORT1) ist tatsächlich das erste internationale Aufeinandertreffen der beiden Klubs.

"Manche Leute denken, dass Liverpool der Feind ist. Ich denke nicht so. Ich sehe sie als Gegner - und wir wollen jeden Gegner schlagen", sagte van Gaal.

Und Klopp? "Spiele wie diese sind die Mutter aller Fußballspiele", sagte Klopp, "darum liebe ich Fußball."

Liverpool gegen United ist natürlich das Duell zwischen dem ehemaligen und amtierenden englischen Rekordmeister. Und natürlich auch der Kampf der Trainertitanen:

Ihr Unterhaltungsfaktor:

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Hier der Ich-spreche-Englisch-als-wäre-es-Deutsch-Kloppo, da van Gaal, der den Diver spielt und die überzeugendste schauspielerische Leistung seit Leonardo di Caprio in The Revenant hinlegt.  

Hier der herrlich schlagfertige und immer authentische Klopp, der wegen einer Niederlage des FC Bayern gegen Mainz vor laufender Kamera in schallendes Gelächter ausbricht, dort der schrullige van Gaal, der seinen Kritikern mit beißender Ironie sagt: "Ich mache nichts bei Manchester United, ich verdiene nur viel Geld".

In Sachen Unterhaltung nehmen sich die beiden nicht viel, doch solange Klopp nicht auch offenbart, dass er mit seiner Ulla "Löffel an Löffel" schläft, kommt er an den Niederländer nicht vorbei. Wo van Gaal regiert, ist Spektakel garantiert. In jeder Beziehung.

Vorteil van Gaal, 1:0 für den Niederländer. 

Ihr Kult- und Legendenfaktor:

Die Kloppmania ist in Liverpool zuletzt zwar etwas abgeebbt, aber glücklich mit Klopp sind die Anhänger noch immer total. Die Fanartikel mit Klopps Konterfei verkaufen sich nachwievor bestens. Er hat noch ein paar Jahre, um zur Klublegende zu werden.

Van Gaal lebt eigentlich fast nur noch von seiner Geschichte – und seinem Händchen für Talente. Dass er United Marcus Rashford geschenkt hat, wird von ihm bleiben, ansonsten werden von seiner zu Ende gehenden Manchester-Periode wohl vor allem bittere Pleiten übrigbleiben. Außer natürlich, United schlägt Liverpool und gewinnt später auch noch die Europa League.

Vorteil Klopp, Ausgleich zum 1:1.

Ihr Nervfaktor:

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Klopps superenthusiastische Art an der Seitenlinie gefällt nicht jedem. In England fand er in Sunderland-Trainer Sam Allardyce schnell einen Erzfeind. Klopp hatte es gewagt, beim Schiedsrichter einen Platzverweis für einen Sunderland-Spieler zu fordern. Ein No-Go in England.

Aber im Vergleich zu van Gaal ist Klopps Nervfaktor fast schon lächerlich gering. Der Tulpen-General hat noch jeden seiner Bosse zur Verzweiflung gebracht. Seine Dispute mit Uli Hoeneß beim FC Bayern sind schon Legende, doch auch in England ist er mit seiner gewohnt selbstherrlichen und arroganten Art angeeckt. Mit der englischen Presse steht er ohnehin auf Kriegsfuß.

Van Gaal kann mehr nerven, also: Vorteil Klopp, der Deutsche geht in Führung.

Ihr Revolutionsfaktor:  

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Klopp hat erst Deutschland und jetzt England den radikalen Gegenpressing-Fußball geschenkt und gezeigt, dass Fußballtrainer auch ähnlich agieren können wie Sektenführer. Van Gaal dagegen hat der Welt den modernen Fußball geschenkt. Ok, das ist gemein, das würde nicht einmal van Gaal behaupten. Aber er würde der These auch nicht vehement widersprechen.

Fakt ist: Van Gaal hat den niederländischen Totaalvoetbal in die Moderne geführt. Erst modernisierte er Ajax Amsterdam und Barcelona, dann führte er sein Mantra von Ballbesitz und Pressing in der Hälfte der Gegner auch beim FC Bayern ein – und ebnete so Pep Guardiola den Weg.

Zwar scheiterte van Gaal bei seinen großen Klubs am Ende sportlich regelmäßig daran, dass seine Mannschaften vor lauter Kurzpässen irgendwann das Tor nicht mehr trafen, doch seine Verdienste um den Spielstil seiner Mannschaften stellt niemand in Frage. Außerdem dürfte es keinen Trainer geben, der ähnlich viele Talente zum Superstar gemacht hat.

Vorteil van Gaal, Endstand 2:2. Über das Weiterkommen in der UEFA Europa League entscheiden tatsächlich die Spieler.  

 

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