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München und Madrid - Atletico nimmt wiederholt Rache für das Drama von Lissabon und demütigt den Rivalen. Real droht eine weitere Titelchance zu verspielen, auch weil Cristiano Ronaldo und zwei Weltmeister schwächeln.

Iker Casillas erlebt auch in seiner 16. Profisaison noch außergewöhnliche Momente. So sangen die Fans von Atletico Madrid dem Real-Torwart ein Ständchen.

Eigentlich schmettern die Anhänger der "Königlichen" den Casillas-Song im Estadio Santiago Bernabeu. Nun gab es ein Cover im Vicente Calderon, dem Feindesland.

Doch dieses war keineswegs eine Huldigung, es war purer Spott. Er passte zur Demütigung, die Real im Stadtderby erlebte. Mit 4:0 (2:0) schoss Atletico den Tabellenführer aus dem Stadion.

Ancelotti ringt um Worte

Carlo Ancelotti rang nach dieser Klatsche um Worte. "Das war unser schlechtestes Spiel, seit ich als Trainer zu Real gekommen bin", sagte der Italiener.

Auch Dani Carvajal war nach der Niederlage peinlich berührt. "Wir müssen uns für diese Leistung bei unseren Fans entschuldigen", sagte der Ex-Leverkusener. So eine Blamage hatte der Rechtsverteidiger noch nicht erlebt.

Im Champions-League-Finale jubelten noch die Real-Profis, obwohl sie bis in die Nachspielzeit wie die Verlierer aussahen.

Serie nach dem Drama von Lissabon

Atletico trauerte nach dieser dramatischen Niederlage. Mittlerweile scheint es so, als hätte das Drama von Lissabon Diego Simeones Team noch stärker gemacht.

In dieser Saison gab es das Duell bereits sechs Mal. Atletico holte vier Siege. Zwei Partien endeten mit einem Remis.  

Atletico zerstörte dabei bereits zwei Titelträume des Rivalen. Im August holte Simeones Team im Stadtduell den Supercup. Im Januar setzte sich Atletico im Achtelfinale der Copa del Rey durch.

Nun wollte Real die Machtverhältnisse in der Stadt wieder gerade rücken. Dafür sollte Cristiano Ronaldo sorgen. Der Weltfußballer hatte nach einer Rotsperre zwei Spiele zugeschaut, im Derby durfte er wieder mitwirken.

Casillas mit Patzer

Doch Ronaldo ging mit unter. Er erlebte, wie Casillas patzte und Tiago zur Führung abstaubte (14.). Ronaldo sah Saul Niguez' Traumtor (18.). Schon danach war der Widerstand gebrochen.

Auch die Weltmeister ergaben sich ihrem Schicksal. Sami Khedira blieb zur Halbzeit in der Kabine. Der 27-Jährige war angeschlagen, aber auch seine Leistung hätte eine Auswechslung gerechtfertigt.

Auch Toni Kroos ist weit von den Leistungen aus dem Spätherbst entfernt. Damals nannte ihn die spanische Presse noch den "besten deutschen Export seit Claudia Schiffer" und verglich ihn mit dem Ballvirtuosen Zinedine Zidane.

Es war die Zeit, in der Real 22 Pflichtspiele in Folge gewann und sich den Nimbus der Unbesiegbarkeit verdiente.

Drei Niederlagen in 2015

Dieser ist 2015 abhanden gekommen. Real verlor in diesem Jahr bereits drei Spiele. Die Krise hat ihre Gründe in den Formschwankungen, die auch bei einem Ronaldo mal vorkommen. Aber auch in den zahlreichen Verletzten, die Ancelotti derzeit zu beklagen hat.

Mit James Rodriguez, Sergio Ramos, Pepe und Luka Modric fallen vier Stammspieler langfristig aus. Und der Real-Luxuskader verliert ab Position 18 seinen Glanz.

So ließ die Aushilfsabwehr um Raphael Varane und Nacho im Derby zwei weitere Gegentore zu. Auch Antoine Griezmann (67.) und Ex-Bayern-Star Mario Mandzukic (89.) durften so noch für Atletico jubeln.

Mario Mandzukic von Atletico Madrid jubelt
Mario Mandzukic erzielte gegen Real sein elftes Saisontor © Getty Images

Dreikampf um den Titel

Nach dieser Vorstellung kann Atletico sich wieder Hoffnung auf die Titelverteidigung machen und damit die nächste Real-Party crashen. Vier Punkte Vorsprung haben die "Königlichen" noch. Doch der Stadtrivale und auch der FC Barcelona pirschen sich heran (TABELLE: Primera Division).

Die Schmach im Vicente Calderon werden sie auch in Gelsenkirchen registriert haben. In eineinhalb Wochen fordert der FC Schalke Real in der Champions League. Aktuell scheint der übermächtige Gegner verwundbar.

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