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Konfliktherde auch in der zweiten Saisonhälfte: Max Verstappen, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Bernie Ecclestone
Konfliktherde auch in der zweiten Saisonhälfte: Max Verstappen, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Bernie Ecclestone © SPORT1-Grafik Paul Haenel / Getty Images

München - In Spa startet die F1 in ihre zweite Saisonhälfte: Das Mercedes-Duell, Ferraris Krise, Draufgänger Verstappen, das Regel-Hickhack und der Big Boss bieten viel Zündstoff.

Nach fast vier Wochen Sommerpause startet die Formel 1 mit dem GP von Belgien in Spa (1. Freies Training am Fr., 10 Uhr im LIVETICKER) nach der Sommerpause in ihre zweite Saisonhälfte.

Nicht nur der hitzige Titelkampf zwischen den beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg sowie das anhaltende Regel-Hickhack bürgen für Zündstoff.

SPORT1 blickt auf die fünf Brennpunkte der verbleibenden neun Rennen.

- Silber-Zoff

Seit 2013 sind Hamilton und Rosberg Teamkollegen bei Mercedes. Aus Kindheitsfreunden sind längst erbitterte Gegner geworden - was sich auch nicht mehr umkehren wird. Zu groß ist die Rivalität der beiden Topfahrer, zu unterschiedlich sind sie sich auch in ihrem Wesen. 

Auch in dieser Saison eskalierte der Kampf bereits mehrfach. In Barcelona kam es Mitte Mai zur ersten Kollision, es folgten weitere in Kanada und Österreich.

In Spielberg war Rosberg -den Sieg vor Augen - mit Hamilton aneinandergeraten, als der in der letzten Runde forsch überholte. Der Deutsche kam mit beschädigtem Boliden nur auf Platz vier ins Ziel und gab Sieger Hamilton die Schuld am Crash. Die Rennleitung sah dies wie die Mehrzahl der Experten anders.

Die Scharmützel gingen an Rosberg nicht spurlos vorbei. Beim Benefiz-Fußballspiel Champions for Charity zeigte sich das in seiner Reaktion auf SPORT1-Kommentator Oliver Forster. Als der andeutete, dass Reibereien im Motorsport normal seien, entgegnete Rosberg: "Dass man sich in die Karre fährt? Eher weniger… "

Dass Rosberg nach dem furiosen Saisonstart und zwischenzeitlich 43 Punkten Vorsprung die WM-Führung an Hamilton verloren hat, tut das Übrige.

Auch Mercedes ärgert sich über den Dauer-Zoff: "Für mich ist das inakzeptabel, so kann man nicht fahren", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda nach dem Doppel-Aus beim GP von Spanien.

- Ferrari-Krise

Mit großen Zielen startete die Scuderia in die Saison. Die Italiener wollten den Abstand zu Mercedes verkürzen und ein Wörtchen im Titelkampf mitsprechen. Doch bislang hat Ferrari eher den Rückwartsgang eingelegt.

Nach vielen technischen Problemen zu Saisonbeginn hat Ferrari ab Barcelona das Rennen um den härtesten Mercedes-Verfolger an Red Bull verloren.

Kein Sieg und nur neun Podestpläte stehen bisher für Sebastian Vettel und Kimi Raikkönen zu Buche. Die Krise hat bereits die ersten Köpfe rollen lassen. James Allison, Technischer Direktor des Teams, wurde vor dem Deutschland-GP gefeuert. Teamchef Maurizio Arrivabene sitzt noch fest im Sattel. Aber wie lange, sollte die Krise andauern?

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Vettel ist das Hinterherfahren leid, immer wieder kochen Gerüchte um einen Wechsel des viermaligen Weltmeisters zu Mercedes hoch.

Manches spricht dafür, dass die Scuderia die Saison bereits abgehakt hat - was der Laune des Deutschen nicht zuträglich sein dürfte.

- Draufgänger Verstappen

Nutzt seine Bewährungschance nach der Beförderung von Toro Rosso zu Red Bull, sorgt mit seiner Unbekümmertheit immer wieder für Spektakel - manchmal über die Grenzen hinaus. Feiert in Spanien seinen ersten GP-Sieg in der Formel 1, löst F1-Euphorie in den Niederlanden aus.

Nur fünf Punkte hinter Vettel lauert Super-Teenie Max Verstappen, der im Gegensatz zum Deutschen in dieser Saison bereits ein Rennen gewonnen hat. Der 18-Jährige ist ein ehrgeiziger Draufgänger und eckt mit seiner spektakulären Fahrweise auch mal an.

Vor allem bei Kimi Räikkönen, den er in Ungarn mit Klauen und Zähnen hinter sich hielt. 

"Wenn die Leute über dich reden, dann machst du definitiv einiges richtig", sagte Verstappen bei Autosport.com und kündigte an, sich keinen Deut zu ändern: "Ich fahre immer am Limit, nur so wird man erfolgreich." 

Max Verstappen bewegt sich auch abseits der Strecke immer am Limit
Max Verstappen bewegt sich auch abseits der Strecke immer am Limit © instagram.com/maxverstappen1/

Auch im eigenen Stall löst der von Toro Rosso zu Red Bull beförderte Niederländer Unbehagen aus: "Er ist eine tickende Zeitbombe", sagt sein Teamkollege Daniel Ricciardo. Und Teamchef Christian Horner ahnt, dass es früher oder später zwischen den beiden zu Grabenkämpfen kommt.

- Regel-Hickhack

Der neue Qualifying-Modus, offener Boxenfunk ja oder nein, kommt der Cockpitschutz Halo? Das Hin und Her um Regeldetails hat teilweise den Sport in den Hintergrund gerückt.

Das zu Saisonbeginn eingeführte Eliminationsmodell wurde bereits nach einigen Rennen wieder eingestampft. Nach einem Protestbrief aller elf Teams an die Formel1-Spitze um Bernie Ecclestone wird wieder nach dem bewährten Modus um die besten Startplätze gekämpft.

Die Einschränkung des Boxenfunkverkehrs zwischen den Renningenieuren und den Fahrern wurde ebenso wieder gekippt. Seit Hockenheim ist der Boxenfunk wieder zu jeder Zeit erlaubt.

Auch für die kommende Saison stehen Regeländerungen fest. Diese wirken sich speziell auf die Fahrer aus. Durch breitere Autos und Reifen, mehr Abtrieb und folglich mehr Geschwindigkeit sollen die Rennen spannender werden. Die Fahrer müssen noch mehr an die Grenzen der körperlichen Belastung gehen. 

Und wieder hagelt es Proteste und Bedenken. Doch die Fahrergewerkschaft sitzt am kürzeren Strang.

- F1-Verkauf durch Ecclestone

Ein Verkauf der Formel 1 steht schon lange im Raum.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte die Spekulationen um einen Verkauf der Königsklasse durch den Mehrheitseigner CVC Ende März erneut angeheizt.

"Es gibt Leute, die kaufen wollen. Und zwei dieser Leute haben dem Preis schon zugestimmt. Es ist nur noch eine Frage dessen, ob CVC verkaufen will oder nicht", sagte der 85-Jährige damals. Getan hat sich seitdem nichts mehr.

CVC hält derzeit 35 Prozent der Anteile - in Anbetracht eines kolportierten Gesamtwerts von über 7,5 Milliarden Euro würde dem luxemburgischen Finanzunternehmen damit ein Geldregen winken.

Zuletzt redete der Formel-1-Pate sein Produkt aber oft schlecht: Zu komplexe Regeln, zu große Dominanz der Silberpfeile.

Sei's drum: An Diskussionsstoff mangelt es nicht.

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