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München - Dank einer festgeschriebenen Ablösesumme kann Neymar den FC Barcelona vor Vertragsende verlassen. Ein Experte erklärt, was es mit solchen Klauseln auf sich hat.

Jetzt ist er perfekt, der teuerste Transfer der Fußballgeschichte: Neymar wechselt für sage und schreibe 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain.

SPORT1+ zeigt die Neymar-Präsentation und den Saisonauftakt zwischen Pairs Saint-Germain und Amiens SC LIVE im Parc de Princes am Samstag um 16:50 Uhr.

Dass der Superstar den spanischen Topklub gegen dessen Willen und trotz laufenden Vertrages verlassen kann, ist einer Ausstiegsklausel geschuldet.

Mithilfe des Rechtsanwalts und Sportrechtsexperten Christian Keidel von der Münchner Kanzlei Martens Rechtsanwälte erklärt SPORT1, was es mit solchen Klauseln auf sich hat.

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- Was ist eine Ausstiegsklausel?

Eine Ausstiegsklausel gibt einem Spieler die Möglichkeit, vor dem Ende seiner vorgesehenen Vertragslaufzeit zu festgelegten Konditionen seinen Verein zu verlassen, ohne dass sich diesem eine rechtliche Möglichkeit bietet, einzuschreiten. 

"Man unterscheidet grundsätzlich zwischen unbefristeten und befristeten Verträgen. Unbefristete können von jeder Seite gekündigt werden. Befristete, wie sie im Fußball unvermeidbar sind, können nur außerordentlich gekündigt werden, zum Beispiel bei nicht bezahltem Gehalt", erklärt Keidel.

Aus diesem Grund bevorzugen es einige Spieler, sich durch eine Ausstiegsklausel ein Schlupfloch zu ermöglichen, wenn sich Klubs mit einer besseren sportlichen und/oder finanziellen Perspektive für sie interessieren.

- Sind Ausstiegsklauseln verpflichtend?

Das Modell gewinnt zwar auch hierzulande an immer größerer Beliebtheit, ist aber in Deutschland nicht verpflichtend. Genauso wie in Italien, Frankreich und England.

Das spanische Arbeitsrecht dagegen besagt, dass ein Arbeitnehmer die Möglichkeit haben muss, einen befristeten Vertrag unter bestimmten Umständen aufzulösen.

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Deshalb besitzt in der Primera Division jeder Spielervertrag eine Ausstiegsklausel. Auch der von Neymar. Der Brasilianer war aber bei weitem nicht der teuerste Kicker auf der iberischen Halbinsel.

- Welche Stars sind am teuersten?

Die Superstars Cristiano Ronaldo und Karim Benzema von Real Madrid wären mit einer Milliarde mehr als vier Mal so teuer.

Auch sein langjähriger Sturmpartner Lionel Messi und Weltmeister Toni Kroos (beide 300 Millionen Euro) würden Neymar übertreffen.

Selbst junge Akteure werden mit Ausstiegsklauseln in Höhe von 50 oder 100 Millionen Euro versehen.

Damit wollen die Klubs potentielle Interessenten abschrecken, um ihre Talente zu halten. Ein prominentes Beispiel ist Javi Martinez.

Der FC Bayern musste 2012 eine klubinterne Rekordsumme für 40 Millionen Euro berappen, um den damals 21 Jahre alten Defensiv-Allrounder von Athletic Bilbao loszueisen - und das, obwohl dieser zu jenem Zeitpunkt keine Champions-League-Erfahrung besaß.

- Müssen sich Spieler selbst frei kaufen? 

Da Bilbao mit den Bayern darüber stritt, welcher Klub die Steuern für den Transfer abführen musste, kaufte sich Martinez letztlich selbst frei.

"In der Regel macht es keinen Unterschied, ob der Spieler die Summe selbst bezahlt oder der aufnehmende Klub. Das kommt auf den Vertrag an. Martinez hat die Summe vorgestreckt, der FC Bayern sie de facto aber bezahlt", erklärt Rechtsanwalt Keidel bei SPORT1.

Auch im Fall Neymar hat der Spieler seine Ausstiegsklausel selbst bezahlt. Damit will PSG die Financial-Fair-Play-Vorschriften der UEFA umgehen.

Der 25-Jährige soll parallel zu seinem PSG-Engagement eine Tätigkeit als Botschafter für die WM-Endrunde 2022 in Katar übernehmen und dafür nicht weniger als 300 Millionen Euro erhalten, heißt es.

Die spanischen Liga-Bosse weigerten sich deshalb zunächst, den Deal abzusegnen. Letztlich ging der Deal doch über die Bühne. Bezahlt ist bezahlt.

- Welche Risiken haben Ausstiegsklauseln? 

Der Neymar-Wechsel zeigt: Das Modell Ausstiegsklausel kann Klubs zwar viel Geld bringen, ihnen aber auch Planungssicherheit nehmen.

Finanzstärkere Vereine mit sportlich aussichtsreicher Perspektive wie der FC Bayern verzichten daher auf Ausstiegsklauseln.

"Man verliert dadurch ein Stück Kontrolle", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon 2014 in einem Interview mit SPORT1.

Spieler mit Ausstiegsklauseln verfügen eindeutig über Verhandlungshoheit.

Die FIFA schreibt zwar vor, dass ein Verein keine Gespräche mit einem Spieler eines anderen Vereins ohne dessen Erlaubnis führen darf, doch nur wenige halten sich daran.

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Man erinnere sich nur an den Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern, der für viel Unmut bei den BVB-Bossen sorgte, da die Münchner zunächst nur mit dem Spieler anstatt dessen Klub verhandelt hatten.

Gleiches gilt auch jetzt für den Neymar-Wechsel. PSG buhlte monatelang um ihn, ohne Barca darüber zu informieren. Nicht grundlos wähnten sich die Vorgesetzten der Katalanen lange in Sicherheit.

"Neymar bleibt zu 200 Prozent", lauteten vor zwei Wochen noch die Worte von Barcas Vizeboss Jordi Mestre.

Wie schnell sich im Fußball das Blatt doch wenden kann.

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