Das Gesicht der deutschen NFL-Konferenz
Drama! Böser Fehler entscheidet NFL-Auftakt
Zur neuen Saison gibt es erstmals überhaupt am Sonntagabend eine moderierte NFL-Konferenz im deutschen Fernsehen. Florian Ambrosius stellt sich der Herausforderung als Host - und verspürt nicht nur große Vorfreude, sondern auch eine gehörige Portion Respekt.
„Seven hours of commercial-free football starts now“: Mit diesen prägnanten Worten leitet Moderator Scott Hanson seit Jahren die NFL-Konferenz „RedZone“ ein – und auch wenn die sieben Stunden Live-Football nicht mehr werbefrei sind, der inzwischen leicht abgewandelte Satz genießt weiter Legenden-Status.
Die Rolle als Moderator einer sonntäglichen American-Football-Konferenz gibt es ab der neuen Saison erstmals auch im deutschen Fernsehen: In der „Sky NFL-Konferenz“ wird Florian Ambrosius als Host und Verbindungsstück zwischen den einzelnen Spielen fungieren.
Der 50-Jährige hat selbst American Football gespielt und begleitet die NFL seit Jahren in verschiedenen Rollen bei RTL und TOGGO. Im SPORT1-Interview spricht er über die speziellen Herausforderungen seines neuen Jobs, die Deutschen in der NFL und wagt die eine oder andere Prognose für die neue Saison.
„Die Vorfreude ist riesig“
SPORT1: Florian Ambrosius, der „deutsche Scott Hanson“. Wie hört sich das an?
Florian Ambrosius: Scott Hanson ist eine absolute Instanz. Der macht das gefühlt seit 150 Jahren und wird auch hoffentlich nichts anderes mehr machen, als die RedZone zu moderieren – und das auf seine Art. Ich versuche, aus der Sky NFL-Konferenz natürlich meins zu machen. Jeder Vergleich, der von außen kommt, ist okay, aber ich muss den ehrlicherweise nicht jeden Tag hören. Dafür habe ich auch viel zu viel Respekt vor dem Kollegen und schätze ihn viel zu sehr. Wenn am Ende irgendjemand sagt: „Ey, der ist schon ein bisschen so wie der Kollege da, und das gefällt mir, dann nehme ich’s.“
SPORT1: Du wirst der erste Moderator einer deutschen NFL-Konferenz sein. Wie viel Vorfreude ist da?
Ambrosius: Als die Kolleginnen und Kollegen mich gefragt haben, ob ich das machen möchte, war das für mich relativ schnell ein absoluter No-Brainer. So ein Format moderieren zu dürfen, ist eine große Ehre. Die Vorfreude ist riesig auf ein Format, das es so noch nicht gab. Wir begleiten jetzt ab 19 Uhr diese großartigen sieben Stunden, das gesamte Spielgeschehen in der NFL.
SPORT1: Was durchaus auch eine Herausforderung ist.
Ambrosius: Natürlich fange ich auch an, darüber nachzudenken: „Ey, was für ein Brett ist das eigentlich?!“ Gerade mit dem späten Slot bis 2 Uhr, 3 Uhr morgens, vielleicht noch mit Overtime. Das wird schon ein Marathon. Aber die NFL-Saison, das ist mein Learning aus den letzten Jahren, ist immer ein Marathon. Sie wird aber ein Marathon sein, der selbst bei Kilometer 30 noch Spaß macht. Das ist eigentlich mein Ziel, dass wir sagen: „Es ist jetzt 1.30 Uhr im späten Slot, aber wir haben trotzdem ganz viel Spaß an der NFL und an dem, was so in der Konferenz passiert.“ Ich finde, die Zutaten dafür sind da, weil wir superdynamisch sein werden. Wir werden immer dort sein, ohne starres Gerüst, wo für uns Sehens- und Zeigenswertes passiert.
Über die Herausforderungen der Übertragungslänge
SPORT1: Bei der Länge der Übertragung stellt sich auch das eine oder andere ganz praktische Problem. Hast du dir schon eine Taktik zurechtgelegt, was Essen, Trinken und vor allem Toilettenpausen angeht?
Ambrosius: Ich bin, Gott sei Dank, seit ein paar Monaten ein bisschen in diesem Fitness-Game und bin gut im Meal Prepping. Da werde ich mir die Sonntage hoffentlich gut vorbereiten. Ich bin auch nicht die ganze Zeit im On zu sehen, obgleich ich natürlich sieben Stunden durch die Sendung führen darf. Aber ich bin hoffentlich so vorbereitet, dass ich nicht hungrig durch das dritte Viertel im späten Fenster gehe.
SPORT1: Und die Sache mit dem Toilettengang? Da ist Scott Hanson ja schon fast zum Mythos geworden, weil er offenbar nie verschwindet.
Ambrosius: Nochmal zurück zum Marathon: Ich habe mir sagen lassen, dass es ja diese Hydration Gels gibt. Da muss ich dann nicht viel trinken, aber bin trotzdem hydriert. Vielleicht ist das eine Maßnahme. Ich kenne das große Geheimnis von Scott Hanson nicht, aber ich sage mal so: Nichts zu trinken, ist auch keine Option.
Wie RTL die Off-Season-Lücke schließt
SPORT1: Du warst über den Sommer viel in den USA unterwegs und bei mehreren NFL-Teams zu Gast. Was war der Gedanke hinter der Reise?
Ambrosius: Mit der NFL-Berichterstattung unter der Saison mit unter anderem über 200 Live-Partien sind wir ja jetzt gut aufgestellt. Aber mir fehlte noch, diese Lücke in der sogenannten Saure-Gurken-Zeit zu füllen.
SPORT1: Und dann hast du gemeinsam mit deinem Sohn Mads einige Teams in der Vorbereitung auf die neue Saison besucht.
Ambrosius: Genau – und das dann ein bisschen aus der „socialigen“ Perspektive erzählt. Wie erleben wir vor Ort die Training Camps oder die Zeit kurz davor? Und die Teams haben uns da wirklich unterstützt, haben uns die Türen geöffnet.
SPORT1: Gab es etwas, das dich vor Ort bei den Teams besonders überrascht hat?
Ambrosius: Wir waren kurz vor Start des Training Camps bei den Indianapolis Colts in der Training Facility, um festzustellen: Da ist nichts. Warum war da nichts? Die machen ihr Training Camp ein paar Meilen außerhalb. Da gehst du in ein riesiges Gym, das so groß ist wie der größte Supermarkt, den du in deinem Leben gesehen hast. Aber dieser Raum ist leer. Die nehmen selbst fürs Training Camp jedes einzelne Fitnessgerät mit, packen die auf einen LKW und fahren das raus zum Training Camp.
SPORT1: Klingt kurios. Gab es auch besonders beeindruckende Momente?
Ambrosius: Bei den Green Bay Packers gibt es jedes Jahr den „Dream Drive“, wo Kids mit ihrem Fahrrad draußen vor der Facility auf ihre Stars warten. Die kommen raus, suchen sich alle ein Kind und setzen sich auf diese kleinen Fahrräder, auch die 150-Kilo-Linemen. Und die Kinder dürfen die Helme der Spieler tragen, durch ein Riesenspalier von hunderten Fans bis rüber zum Trainingsplatz.
Über die NFL in Deutschland und die internationale Expansion
SPORT1: Du begleitest die Entwicklung der NFL in Deutschland seit Jahren in verschiedenen Funktionen und Positionen. Was hat sich aus deiner Sicht in den letzten Jahren am stärksten verändert hierzulande?
Ambrosius: Ich finde, dass wir im deutschsprachigen Raum von Jahr zu Jahr merken, wie wir es schaffen und wie die NFL es vor allem schafft, die Community weiter wachsen zu lassen und der Community auch unsere Begeisterung für den Sport noch mal näher zu bringen. Auch das neue Programm mit unter anderem der Sky NFL-Konferenz ist da ein logischer nächster Schritt mit Blick auf die internationale Entwicklung und das Interesse von NFL-Commissioner Roger Goodell, den Sport auch in anderen Ländern weiter wachsen zu lassen.
SPORT1: Es gibt in diesem Jahr ja auch so viele International Games wie noch nie.
Ambrosius: Neun Spiele außerhalb der USA – und in München ein aus meiner Sicht fantastisches Matchup mit den New England Patriots und den Detroit Lions.
SPORT1: Wo spürst du ganz persönlich diese positive Entwicklung des American Football in Deutschland?
Ambrosius: Da gibt es vor allem eine Veränderung, die für mich eine große Herzensangelegenheit ist: Ich merke es über ganz viele Eltern, aber vor allem über ihre Kids, dass wir es unter anderem mit „Toggo Touchdown“ geschafft haben, eine Fanbase in der jungen Zielgruppe zu entwickeln. Da kommen Kinder auf der Straße auf mich zu und sagen: „Mein Lieblingsteam sind jetzt die Dolphins – danke, dass du mir erklärt hast, wer die Dolphins sind!“ Und die Eltern freuen sich, dass sie am Sonntagabend in Ruhe Football gucken können, weil die Kinder jetzt mitgucken. (lacht)
Die deutschen Spieler in der NFL
SPORT1: In der aktuellen Saison haben es auch wieder drei deutsche Spieler in die finalen 53er-Kader der NFL-Teams geschafft. Fangen wir mal mit Amon-Ra St. Brown an.
Ambrosius: Die Lions und Amon-Ra müssen nach der enttäuschenden letzten Saison in diesem Jahr zurückschlagen. Sie haben in der NFC North immer hohe Ambitionen – und denen müssen sie wieder gerecht werden.
SPORT1: Brandon Coleman hat sich bei den Washington Commanders etabliert.
Ambrosius: Er bekommt jetzt wahrscheinlich sogar die Chance auf eine prominentere Rolle. Ich durfte ihn mal kennenlernen und es ist schön zu sehen, dass er sich bei den schweren Jungs in der Offensive Line in Washington seinen Platz erarbeitet hat und dass Dan Quinn offensichtlich auf ihn zählt.
SPORT1: Und was erwartest du von Marlin Klein, der es als Rookie aus dem Draft in den Kader der Houston Texans geschafft hat?
Ambrosius: Das ist natürlich eine echt coole Geschichte, dass der Junge in Runde zwei so früh gepickt wurde! Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Er muss sich noch beweisen, aber er hat einen tollen Weg genommen und bringt auf dieser immer wichtigeren Position des Tight Ends sowohl als Receiver als auch als Blocker die Fähigkeiten mit, schon in diesem Jahr eine entscheidende Rolle bei den Texans zu spielen.
Players to watch und Super-Bowl-Favoriten
SPORT1: Dann wollen wir noch ein paar schnelle Prognosen von dir zur neuen Saison hören. Wer wird denn MVP?
Ambrosius: Dak Prescott.
SPORT1: Das klingt nach einem Hot Take.
Ambrosius: Sage ich auch nur, weil sich das ein Freund von mir wünscht. (lacht)
SPORT1: Wer sind sonst für dich noch Players to watch?
Ambrosius: Makai Lemon, Nummer-20-Pick der Philadelphia Eagles. Und Carnell Tate von den Tennessee Titans. Null Catches in der Preseason, aber der Typ ist ein Athlet, den sollte man im Auge behalten.
SPORT1: Wer sind deine Super-Bowl-Favoriten?
Ambrosius: Den Denver Broncos traue ich in der AFC einen tiefen Run zu. Und in der NFC geht an den Rams eigentlich kein Weg vorbei.
SPORT1: Welches Team kann davon abgesehen vielleicht für eine Überraschung sorgen?
Ambrosius: Da nehme ich mal die New Orleans Saints. Wir reden jetzt nicht vom Super Bowl oder sowas, aber mit Tyler Shough als Quarterback, mit dem Coaching und in der Division weiß man nicht, was vielleicht möglich ist. Ich traue ihnen mal einen größeren Schritt zu.
SPORT1: Würdest du dich zu einer gewagten Prognose hinreißen lassen, was für eine auch immer, für die wir dich nach der Saison entweder abfeiern oder dich teeren und federn können?
Ambrosius: (überlegt kurz) Die Dynasty der Kansas City Chiefs ist vorbei.
SPORT1: Und zu guter Letzt nochmal zurück zum Kollegen Scott Hanson. Dessen legendärer wöchentlicher Spruch „Seven hours of commercial-free football starts now!“ bzw. „Seven hours of red zone football starts now“ genießt längst Kultstatus. Dürfen wir uns auch auf eine Catch Phrase von dir freuen?
Ambrosius: (lacht) Sagen wir mal so: Ich arbeite dran – und ihr werdet es dann am Sonntagabend sehen.