Zugehörigkeit ist eine Aufgabe
Wenn Fuzael Ul-Hassan sagt, der Sport habe lange gut davon gelebt, auch selbst zu glauben, er sei offen für alle, liegt darin kein Vorwurf, sondern der Wunsch nach echter Verbesserung. Der Experte für Zugehörigkeit im Sport erklärt im Podcast "Flutlicht an!", warum Zugehörigkeit hergestellt werden muss, wieso Sport erstmal neutral ist und wer gefragt werden muss, wenn es darum geht, ob Zugehörigkeit gelingt.
Immer wieder ist in Bezug auf Sport und speziell Fußball die Rede davon, der mache alle Menschen gleich, stünde allen gleichermaßen offen oder sei ein Spiegel der Gesellschaft. Das klingt ganz wunderbar, wahr ist es leider nicht, sagt Fuzael Ul-Hassan. Er glaubt aber: „Der organisierte Sport lebt davon“ – also, dieses Bild fast schon zu verkaufen.
Wobei der Experte für Zugehörigkeit das nicht negativ verstanden wissen möchte, wie er erklärt: „Ich glaube, dass der Sport lange davon überzeugt war: ‚Wir sind richtig, richtig gut darin, Menschen zusammenzubringen.‘“ Die Idee an sich sei eine gute, als falsch identifiziert der studierte Sportwissenschaftler aber die Annahme, dies sei ein Selbstläufer.
„Wir müssen sehr viele Bedingungen dafür schaffen, damit Sport positive Effekte auf soziale Teilhabe haben kann. Sport an sich ist erstmal ein relativ neutraler Ort.“ Deswegen steht für ihn fest: „Es muss aufhören, dass wir die Legende vom ‚Sport für alle‘ unhinterfragt erzählen. Denn Zugehörigkeit muss erschaffen werden.“
Dafür gelte es, strukturelle Barrieren abzubauen, um Personen und Gruppen sowohl Zugang als auch Verbleib im Sport zu ermöglichen. Letztlich seien Fragen, die sich Verantwortliche stellen müssten: Wem bieten wir die Chance, uns zu finden, sich bei uns wohlzufühlen, wem ist es mit den bestehenden Strukturen möglich, in einem Verein oder Sport Teil zu werden?
Bei der Frage der Zugehörigkeit werden oft die falschen Leute gefragt
Dafür gebe es viele unterschiedliche Ebenen, wirtschaftliche Fragen ebenso wie persönliche, menschliche, organisatorische, strukturelle: Zugehörigkeit ist vielschichtig. Wer sie ernsthaft möglich machen möchte, muss sich mit all ihren Dimensionen auseinandersetzen.
Ein Punkt ist Ul-Hassan sehr wichtig: In der Überprüfung dessen, ob eben diese Zugehörigkeit in unterschiedlichen Sportarten, Vereinen oder natürlich auch anderen gesellschaftlichen Kontexten geschaffen oder verbessert wird, würden oft die falschen Leute gefragt. In der Regel nämlich solche, die bereits Teil der jeweiligen Gemeinschaft sind.
Bei diesem Thema gibt es keinen Leitfaden
Für eine tatsächliche Überprüfung müssten aber die Personen und Gruppen gehört werden, deren Zugehörigkeit man erreichen wolle. Einen Schritt weiter zurück sind diese dann auch die besten Ansprechpartner*innen, wenn es darum geht, erstmal zu klären: Was fehlt, damit ihr euch genau hier, in diesem Kontext oder Gesellschaftsbereich, zugehörig fühlen könnt?
Ein prinzipieller Faktor dabei sei immer die Möglichkeit, einen Ort mitzugestalten, betont der Sportwissenschaftler. Partizipation und Zugehörigkeit seien eng miteinander verknüpft. Eine wichtige Rolle spielten außerdem Codes, die in Gruppen und an Orten einladend oder eben exkludierend sein könnten. Und Menschen fühlten sich eher nicht zugehörig, wenn sie das Gefühl hätten, sich ganz besonders anstrengen zu müssen, um gemocht zu werden.
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Gleichzeitig gebe es bei diesem Thema keinen Leitfaden, den man einfach befolgen könne. Es braucht die Bereitschaft, sich einzulassen, zuzuhören und Dinge wirklich zu verändern.