Unvollendeter Coe wird 70

von SID
Unvollendeter Coe wird 70

Der Brite machte sich als Widersacher von Thomas Bach einen Namen. Die Krönung als IOC-Präsident blieb ihm allerdings verwehrt.

Er war Olympiasieger, Strippenzieher im Weltsport, räumte in der Leichtathletik als Reformer auf – doch die Krönung als IOC-Präsident blieb Sebastian Coe verwehrt. Nun feiert der einstige große Widersacher von Thomas Bach seinen 70. Geburtstag (29. September). Und geht nach getaner Arbeit bald zufrieden in Rente.

Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics sei „mit deutlichem Abstand der am besten geführte Sportverband der olympischen Bewegung“, sagte Coe zuletzt über seine Präsidentschaft: „Gemessen an einer ganzen Reihe von Kriterien sind wir heute deutlich besser aufgestellt als zu dem Zeitpunkt, als ich das Amt übernommen habe.“

Coe wurde als „Trümmerfrau“ gebraucht

Damals, 2015, wurde Coe vor allem als „Trümmerfrau“ gebraucht. „Der Verband war dabei einzustürzen“, sagte der Olympiasieger über 1500 m von 1980 und 1984 einmal. Korruptionsvorwürfe gegen seinen Vorgänger Lamine Diack, die jahrelange Debatte um Caster Semenya, dazu der unendlich scheinende russische Dopingskandal – Coe musste in seiner Amtszeit eine Menge Scherben zusammenkehren. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte sich der Brite auf der sportpolitischen Bühne vor allem als Gegenpart zu Bach profilieren.

Coe ist smart und charmant. Aber vor allem ist Baron Coe of Ranmore ein Machtpolitiker erster Güte, für die Wahl zu Bachs Nachfolger an der Spitze reichte es jedoch nicht.

Nach dann zwölf Jahren an der Spitze des Leichtathletik-Weltverbandes macht Coe nächsten Sommer Schluss, der frühere Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 2012 in London brachte in seiner Zeit zahlreiche Reformen auf den Weg. „Wir haben viel geschafft, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Einiges, weil ich Veränderungen wollte. Und einiges, das gebe ich offen zu, weil wir dazu gezwungen wurden“, sagte Coe einmal. Vor allem seine harte Haltung gegenüber Russland brachte ihm Respekt ein.

Zuletzt konzentrierte sich Coe darauf, die Leichtathletik moderner und attraktiver für ein junges Publikum zu präsentieren. Dazu gehört auch die Einführung neuer Wettbewerbsformate wie der World Athletics Ultimate Championship.