An Joshua Kimmich beim DFB-Team scheiden sich die Geister

Kimmich reagiert auf Schweinsteiger
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Kimmich reagiert auf Schweinsteiger

Der erste Kader von Jürgen Klopp bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Euphorie des Neuanfangs bekommt einen herben Dämpfer. Auch an Joshua Kimmich scheiden sich die Geister.

Für Joshua Kimmich dürfte es ein bekanntes Déjà-vu gewesen sein. Aufbruchstimmung, Neuanfang – und dann der bittere Realitätscheck. Euphorie? Erst einmal verflogen. Die Ratlosigkeit darüber war Kimmich nach der 0:1-Niederlage gegen Griechenland anzumerken. Ein neues Gefühl ist das für den Mittelfeldstrategen nicht.

Am liebsten würde Kimmich wohl direkt wieder auf den Rasen und es besser machen. „Ich hatte bis zuletzt gehofft, zu bleiben und wäre natürlich gerne geblieben. Aber ich verstehe, dass der Trainer einfach auch andere Jungs kennenlernen möchte“, erklärte der Münchner mit verschnupfter Nase im Anschluss an die Partie. Denn der Großteil von Kader eins reist ab, der zweite Kader übernimmt. Die Chance, es direkt besser zu machen, gibt es für Kimmich und Co. nicht. Erst im November geht es weiter – und dann wohl nur noch für etwa die Hälfte der Spieler.
Und bei Kimmich stellt sich einmal mehr die Frage: Wie wichtig ist der Kapitän für diese Mannschaft wirklich?

An Joshua Kimmich scheiden sich die Geister
An Joshua Kimmich scheiden sich die GeisterAn Joshua Kimmich scheiden sich die Geister© IMAGO/Kirchner-Media

Hat Schweinsteiger bei Kimmich Recht?

Bastian Schweinsteiger ging mit der DFB-Elf hart ins Gericht. Ausgerechnet Kimmich hob der Weltmeister von 2014 dabei als einzigen Unterschiedsspieler im deutschen Team hervor. Und tatsächlich: Kimmich riss das Spiel an sich. Oder versuchte es zumindest. Er wollte seine Mitspieler in Szene setzen, war um Kontrolle bemüht und forderte in gewohnter Manier immer wieder den Ball. Auch die Zahlen gegen Griechenland sprechen zunächst für den DFB-Kapitän: Kimmich hatte die meisten Ballkontakte (152), 92 Prozent seiner Pässe kamen an. In beiden Partien spulte er jeweils mehr als zwölf Kilometer ab.

Fakt ist: Im zentralen Mittelfeld ist Kimmich für die DFB-Elf deutlich bedeutsamer als auf der rechten Abwehrseite. Doch auch bei ihm war längst nicht alles Gold, was glänzt. Am Sonntagabend landete schon sein erster Diagonalpass im Aus. Dazu leistete er sich mehrere leichtsinnige Abspielfehler – inklusive eines kapitalen Patzers, den die Griechen wenige Minuten vor ihrem Siegtor noch ungenutzt ließen. Immer wieder fehlte es auch Kimmich an der letzten Präzision und dem entscheidenden Geistesblitz. Den Ball zum 0:1 fälschte er letztlich entscheidend und unhaltbar ins Tor – Pech. Und trotzdem stellte Schweinsteiger mit Blick auf die fehlende Kreativität klar: „Wenn er nicht da ist, wird es schwierig.“ Doch hat der Weltmeister damit recht?

Kimmichs traurige DFB-Bilanz

Beim FC Bayern ist Kimmich seit Jahren einer der prägenden Spieler. Seine internationale Klasse steht außer Frage. Doch im DFB-Team hakt es seit Jahren. Und Kimmich gehört längst zu jener Generation, die mit den sportlichen Rückschlägen der Nationalmannschaft untrennbar verbunden ist. 2018 und 2022 scheiterte Deutschland bereits in der WM-Vorrunde, bei der diesjährigen WM war im Sechzehntelfinale Schluss. Kimmich war bei allen drei Turnieren dabei.

Eine Bilanz, die den ehrgeizigen 31-Jährigen beschäftigt. Der Bayern-Star widersprach Schweinsteigers Kritik am Zustand der Nationalmannschaft nicht. Es sei eine „Momentaufnahme, dass wir kein Top-Team sind. Trotzdem ist das jetzt nicht entscheidend. Wichtig ist, dass wir uns wieder dahinentwickeln.“

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Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Seit Kimmich für die DFB-Elf spielt, ging die Entwicklung über weite Strecken eher in die andere Richtung. Dass er dafür nicht der Hauptverantwortliche ist, dürfte ebenso klar sein. Aber als Kapitän und mittlerweile 116-maliger Nationalspieler ist Kimmich eben auch längst mehr als nur ein Teil dieser Mannschaft.

Kimmich sieht selbst „Luft nach oben“

Und auch gegen Griechenland zeigte sich das Dilemma. Kimmich wollte Verantwortung übernehmen, forderte die Bälle, lief voran. Gleichzeitig wirkte er in manchen Situationen nicht ganz so agil und gedankenschnell wie gewohnt. Auch er erreichte nicht sein Top-Niveau. Das sah offenbar auch der Kapitän selbst so. Kimmich attestierte seiner eigenen Leistung „Luft nach oben“.

Und weiter: „Ich habe versucht, mich zu zeigen, nicht zu verstecken, viele Bälle abzuholen, auch um den Jungs um mich herum Vertrauen zu geben, sie auch zu entlasten.“ Natürlich kann diese deutsche Mannschaft noch nicht richtig eingespielt sein. Abläufe und Automatismen greifen nach dem Neustart unter Klopp, der vor einer Woche erst so richtig gestartet hat, noch lange nicht.

Und womöglich liegt ein Teil von Kimmichs DFB-Problem auch an seinen Mitspielern. Die individuelle Qualität beim FC Bayern ist noch einmal deutlich höher. Dort muss Kimmich nicht zwangsläufig der Mann für den entscheidenden Moment sein. Im DFB-Team dagegen macht diesen Unterschied zu oft niemand.

Der Widerspruch bei Kimmich

Genau hier liegt der Widerspruch: Kimmich ist womöglich derjenige, ohne den es noch schwieriger wird. Gleichzeitig ist aber auch er zu selten derjenige, der eine schwierige Partie tatsächlich entscheidet. An ihm scheiden sich deshalb die Geister. Klar ist: Jürgen Klopp setzt auf seinen Kapitän und will um ihn herum eine stabile Achse aufbauen. „Ich erwarte, dass er sein Potenzial bei uns jedes Mal voll einbringt“, formulierte Klopp bereits bei der Kadernominierung seinen Anspruch. Sein Stellenwert ist hoch, seine Rolle klar.

Umso ungewohnter dürfte es für Kimmich sein, wenn am Donnerstag Kader zwei übernimmt und er selbst nur zuschauen kann. Ob er zumindest im Stadion in München dabei sein wird? „Ich weiß es noch nicht so genau.“

Kimmich bleibt auf jeden Fall eine Schlüsselfigur des Neustarts. Und zugleich Sinnbild für die Frage, ob unter Klopp wirklich alles anders wird.

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