Machtverschiebung beim FC Bayern – zu Eberls Ungunsten

Warum Rummenigge nicht für Eberl stimmte
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Warum Rummenigge nicht für Eberl stimmte

Karl-Heinz Rummenigge hat öffentlich gemacht, was beim FC Bayern intern längst klar ist: Max Eberl verliert einen wichtigen Einflussbereich. Hinter der Neuordnung am Campus steckt eine Gemengelage – mit Gewinnern, Widersprüchen und einem Eberl-Vertrauten, der warten muss.

Eigentlich hat Max Eberl gerade erst einen großen persönlichen Erfolg gefeiert. Ende August verlängerte der Aufsichtsrat des FC Bayern den Vertrag des Sportvorstands vorzeitig bis 2029. Nach monatelangen Diskussionen sollte damit Ruhe einkehren.

Nicht einmal fünf Wochen später ist allerdings deutlicher denn je, dass ein neuer Vertrag beim FC Bayern nicht automatisch auch mehr Macht bedeutet. Karl-Heinz Rummenigge hat das nun für alle Welt sichtbar gemacht.

Max Eberls Vertrag als Sportvorstand des FC Bayern wurde Ende August verlängert
Max Eberls Vertrag als Sportvorstand des FC Bayern wurde Ende August verlängertMax Eberls Vertrag als Sportvorstand des FC Bayern wurde Ende August verlängert© IMAGO/Ulrich Wagner

FC Bayern: Rummenigge verkündet erheblichen Einschnitt für Eberl

„Es ist inzwischen beschlossen, dass Christoph [Freund] und Jochen Sauer künftig die komplette Verantwortung für den Campus haben“, erklärte das mächtige Aufsichtsratsmitglied in der Abendzeitung. Ein bemerkenswerter Satz. Denn formal bleibt Eberl natürlich Sportvorstand und damit der oberste Verantwortliche für den sportlichen Bereich.

In der tatsächlichen Machtarchitektur bedeutet die Entscheidung trotzdem einen erheblichen Einschnitt. Der Campus wird vollständig ein Reich von Christoph Freund und Nachwuchschef Jochen Sauer. Rummenigge lieferte die Begründung gleich mit – und diese macht die Angelegenheit für Eberl erst richtig unangenehm. Bei Joao Palhinha, Sacha Boey, Bryan Zaragoza und Alexander Nübel rechnete der FC Bayern laut dem Aufsichtsratsmitglied mit Einnahmen zwischen 60 und 70 Millionen Euro. Tatsächlich habe dieses Paket lediglich rund 20 Millionen gebracht.

„Gerettet haben uns dann die Verkäufe der jungen Spieler“, erklärte Rummenigge und nannte unter anderem Noel Aseko, Arijon Ibrahimovic und Jonah Kusi-Asare. Dann folgte der entscheidende Satz: „Das war in erster Linie der Verdienst von Jochen und Christoph.“ Die Botschaft an Eberl und die Öffentlichkeit muss man in solchen Aussagen kaum suchen.

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Rummenigge lobt demonstrativ Freund und Sauer

Für die Verkäufe der etablierten Spieler trägt Eberl als Sportvorstand die Verantwortung. Für jene Geschäfte, die am Ende dafür sorgten, dass die Münchner ihre wirtschaftlichen Vorgaben trotzdem erfüllten, lobt Rummenigge demonstrativ Freund und Sauer.

Genau deshalb ist die neue Campus-Regelung mehr als eine organisatorische Feinjustierung. Wer einen Bereich wirtschaftlich erfolgreich führt, bekommt mehr Verantwortung. Wer die ursprünglichen Verkaufsvorgaben nicht erfüllt, verliert Einfluss. So zumindest lässt sich Rummenigges Ansage verstehen.

Dass ausgerechnet der Campus inzwischen einen erheblichen Anteil der Transfererlöse generiert, ist ohnehin eine interessante Entwicklung. Er bringt beträchtliche Einnahmen. „Der Campus liefert“ ist ein beliebter Wahlspruch – heißt: Es finden nicht nur Talente in den Profikader, sondern auch Euros in die Kasse. Und genau diesen Bereich legen die Bayern nun ausdrücklich in die Hände von Freund und Sauer.

Hoeneß‘ Lob für Eberl nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zu Rummenigge

Interessant ist das auch deshalb, weil Uli Hoeneß denselben Transfersommer vor gerade einmal zwei Wochen deutlich freundlicher bewertete. Bei der Jubiläumsfeier der Bayern-Basketballer lobte der Ehrenpräsident Eberl auf SPORT1-Nachfrage ausdrücklich. Die Bayern hätten ursprünglich mit einem Transferminus von bis zu rund 50 Millionen Euro geplant. Tatsächlich seien es wegen der dicken Einnahmen lediglich ungefähr 30 Millionen geworden. „Also da ist gute Arbeit geleistet worden“, sagte Hoeneß.

Hoeneß enthüllt internen Ärger nach Eberl-Aussage
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Hoeneß enthüllt internen Ärger nach Eberl-Aussage

Auf den ersten Blick widersprechen sich die beiden Klub-Patriarchen damit. Bei genauerem Hinsehen bewerten sie allerdings unterschiedliche Dinge. Hoeneß betrachtet das Endergebnis: Rund 100 Millionen Euro ausgegeben, knapp 70 Millionen eingenommen, Vorgabe erfüllt. Rummenigge interessiert stärker, woher das ganze Geld kam.

Beides kann gleichzeitig stimmen: Eberl hat die finanzielle Gesamtvorgabe erfüllt – aber nicht auf dem Weg, den sich Teile des Aufsichtsrats ursprünglich vorgestellt hatten. Das ist für die Machtfrage entscheidend. Denn die unerwartet wichtigen Erlöse kamen ausgerechnet aus jenem Bereich, den Eberl nun nicht mehr verantwortet.

Ganz widerspruchsfrei ist die Kritik an Eberl trotzdem nicht. Denn wer ihm vorhält, dass sich ausgerechnet Boey und Zaragoza nicht gewinnbringend verkaufen ließen, muss auch erwähnen, wie diese Spieler überhaupt nach München kamen.

Mehr Einfluss für Freund beim FC Bayern

Beide wurden im Winter 2023/24 verpflichtet, als der Sportvorstand noch gar nicht beim FC Bayern arbeitete und Freund die sportliche Transferarbeit maßgeblich verantwortete. Natürlich gehört es zum Job eines Sportvorstands, auch Spieler zu verkaufen, die er nicht selbst verpflichtet hat. Eberl kann sich nicht darauf zurückziehen, Problem-Profis quasi „geerbt“ zu haben. Umgekehrt wäre es aber ebenfalls zu einfach, die enttäuschenden Verkaufserlöse ausschließlich ihm anzulasten.

Freund hat seinen Vertrag gerade erst bis 2029 verlängert. Die neue Campus-Verantwortung vergrößert seinen Einfluss nun noch einmal. Er kann jetzt ohne Probleme Personalpolitik betreiben.

Nach Max Eberl (l.) verlängerte auch Christoph Freund seinen Vertrag beim FC Bayern
Nach Max Eberl (l.) verlängerte auch Christoph Freund seinen Vertrag beim FC BayernNach Max Eberl (l.) verlängerte auch Christoph Freund seinen Vertrag beim FC Bayern© IMAGO/Revierfoto

Kurz nach seiner Vertragsverlängerung wurde der Sportdirektor von SPORT1 auf das Scouting angesprochen. Er zeigte sich mit der Arbeit grundsätzlich zufrieden, machte aber gleichzeitig deutlich, dass noch einiges zu tun sei. Das ist kein Misstrauensvotum. Bedingungsloses Vertrauen in den Status quo klingt allerdings auch anders. Damit führt die Spur zwangsläufig zu Nils Schmadtke.

Offene Zukunft des Eberl-Vertrauten Schmadtke

Der Chefscout gilt als Eberl-Vertrauter. Intern gab es bereits im Frühjahr Kritik an seiner Abteilung. Schmadtke besitzt lediglich noch einen Vertrag bis zum kommenden Sommer. Bemerkenswert: SPORT1-Infos zufolge hat mit ihm noch niemand über seine weitere Zukunft gesprochen. Er hängt quasi in der Luft.

Auch das gehört zum Gesamtbild. Eberls Situation beim FC Bayern ist deshalb komplizierter, als es sein Vertrag bis 2029 vermuten lässt. Der Sportvorstand hat den Machtkampf um seine eigene Zukunft zunächst gewonnen. Nun hat Rummenigge aber öffentlich gemacht, dass ein strategisch immer wichtigerer Bereich dem direktem Einfluss Eberls entzogen und zwei anderen Führungskräften übertragen wurde.

Freund und Sauer gehen also gestärkt hervor. Schmadtke wartet auf ein Gespräch. Und Eberl bleibt zwar sportlicher Entscheider, muss aber erleben, dass innerhalb seines Bereichs Zuständigkeiten zunehmend klar abgegrenzt werden. Das ist die eigentliche Botschaft hinter Rummenigges Aussagen. Beim FC Bayern wurde Max Eberls Vertrag verlängert. Seine Macht wurde aber nicht größer.

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