Der Fall ManCity: Bekommt Klopp nachträglich Meistertitel dazu?
City-Fans wütend: "Sie werden uns auseinandernehmen"
Manchester City wird schuldig gesprochen. Unter den "Opfern" des offenbar betrügerisch vorgegangenen Topklubs befindet sich auch Jürgen Klopp - bekommt dieser nun weitere Titel zugesprochen?
Im Jahr 2020 hat Jürgen Klopp den FC Liverpool erlöst. Nach jahrzehntelangem Warten führte der heutige Bundestrainer die Reds zum ersehnten Meistertitel. Es sollte sein einziger Triumph in der Premier League bleiben. So dachte man zumindest bisher.
Denn der Schuldspruch gegen Liverpools Liga-Rivalen Manchester City wegen diverser Verstöße gegen die finanziellen Spielregeln könnte die Tabellen von einst nachträglich durcheinanderwirbeln.
Das Szenario gilt als äußerst unwahrscheinlich, aber: Werden den Skyblues diverse Ligatitel aus dem betroffenen Zeitraum aberkannt, könnte auch Liverpool profitieren. Ganze dreimal wurden die Reds in den vergangenen Jahren Zweiter, zweimal davon unter Klopp (2019, 2022) im Duell mit Citys Pep Guardiola. Die Verstöße stammen derweil aus dem Zeitraum 2009 bis 2018.
Premier League bestätigt: Manchester City schuldig gesprochen
Zum Hintergrund: City wurde von einer unabhängigen Kommission in allen wesentlichen Anklagepunkten für schuldig erklärt, wie die Premier League am Dienstagabend offiziell bestätigte.
Am Freitag waren die Vorwürfe erstmals an die Öffentlichkeit gelangt. The Athletic schrieb von 114 von 115 Anklagepunkten, in denen die Engländer schuldig seien.
Erste Forderungen nach nachträglichen Titeln gibt es derweil übrigens bereits. Noch eher im Scherz verlangte der Ex-Profi Rio Ferdinand, dass ihm sein ehemaliger City-Konkurrent Joleon Lescott doch gefälligst dessen Siegermedaille überlassen solle. Ferdinand war einst mit Manchester United Zweiter geworden.
„Wenn du für schuldig befunden wirst, dann finde ich, dass du die Medaillen zurückgeben musst“, sagte er in seinem eigenen Podcast.
Prominente Stimmen fordern aberkannte Titel
Mögliche Strafen für die Verstöße, von denen der Großteil in die Kategorie „falsche Finanzangaben“ fällt, beinhalten Berichten zufolge Geldstrafen und Punktabzüge. Ob es tatsächlich auch um Titel gehen könnte, lässt sich noch nicht sagen. Gerade wie mögliche Schadensersatzforderungen anderer Klubs aussehen könnten, ist derzeit noch völlig offen.
Mit Klarheit ist vorerst auch nicht zu rechnen. In einer Stellungnahme vom Dienstag kündigte ManCity an, die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel auszuschöpfen. Der Klub sei „sowohl enttäuscht als auch überrascht“ und erklärte, „unschuldig hinsichtlich der von der Premier League erhobenen Vorwürfe“ zu sein.
Die BBC stellte zuletzt bereits in den Raum, dass die nun erfolgte Schuldigsprechung nicht das Ende des seit Jahren schwelenden Falls bedeuten könnte, sondern vielmehr das Ende von dessen Anfang. „Das Chaos wird wohl weitergehen“, titelte das Medienunternehmen.
Vergleichbare Fälle gibt es kaum, zumindest nicht in der Größenordnung. Der FC Chelsea hatte zuletzt Verstöße selbst zugegeben und war mit einem Bußgeld davongekommen. Randnotiz: Mauricio Pochettino hatte schon da den Titel für seinen Ex-Klub Tottenham Hotspur gefordert.
Tony Pulis, 2011 Trainer von Stoke City bei der Finalniederlage gegen Manchester im FA Cup (0:1), betonte, dass er sich um den Titel „betrogen“ fühle. Roy Keane, Ikone des Stadtrivalen Manchester United, schlug in die gleiche Kerbe. Es sei die Entscheidung des Vereins gewesen, „sie haben sich für Betrug entschieden, und was auch immer sie in den letzten Jahren gewonnen haben, sie verdienen die Strafe“, sagte Keane bei ITV.
Dem FC Everton wurde nach einem deutlich weniger schwerwiegenden Vorfall sechs Punkte abgezogen, bei Nottingham Forest waren es vier Zähler.