Das System spielt Zverev in die Karten
Hier bekommt Zverevs großes Ziel einen Dämpfer
Das Viertelfinal-Aus in Peking ist für Alexander Zverev im Rennen um die Nummer 1 nur ein kleiner Rückschlag. Im Duell mit Jannik Sinner liegt der Deutsche aktuell klar im Vorteil. SPORT1 zeigt, wie und wann Zverev den Tennis-Thron übernehmen könnte.
Die Niederlage von Alexander Zverev gegen Novak Djokovic im Viertelfinale von Peking ist auch ein Rückschlag im Kampf um die Nummer 1 – aber nur ein kleiner. So kann der Hamburger nun nicht mehr bereits nach dem nächsten Turnier in Shanghai den Platz an der Spitze übernehmen. Da der Weltranglistenerste Jannik Sinner jedoch auch für dieses Masters absagen musste, sind Zverevs Chancen auf die Nummer 1 bis zum Jahresende weiterhin groß.
Der Grund dafür liegt im Punktesystem der ATP, das auf einer 52-Wochen-Wertung basiert. Alle Punkte, die ein Profi vor einem Jahr eingespielt hat, verfallen exakt zwölf Monate später ersatzlos. Das hat zur Folge, dass der nach Peking immer noch mit 1.280 Punkten führende Sinner bis Jahresende enorm unter Zugzwang steht.
So müsste Zverev bis Jahresende kein Match mehr gewinnen und wäre dennoch die neue Nummer 1, falls Sinner nicht selbst noch viele Punkte holt.
Kampf um Nummer 1: Darum ist Alexander Zverev im Vorteil
Das liegt daran, dass Sinner aufgrund seines starken Saisonendspurts 2025 bis Jahresende noch 3.050 Punkte zu verteidigen hat – und damit mehr als dreimal so viele wie Zverev. Daher führt der Deutsche im Jahresranking 2026 aktuell auch mit 810 Punkten vor Sinner. Diese Differenz muss Sinner also mindestens bis Saisonende auf Zverev gutmachen, um sein Nummer-1-Ranking zu verteidigen.
Ein Blick auf die Einzelturniere verdeutlicht die Ausgangslage. Sinner legte Ende 2025 eine phänomenale Siegesserie hin, gewann unter anderem in Wien, beim Paris Masters und krönte sich dann auch noch ungeschlagen zum Champion der ATP Finals in Turin, was ihm alleine 1.500 Punkte einbrachte. Zverev hingegen holte im selben Zeitraum insgesamt lediglich 980 Punkte.
Sinners Erfolgsserie im vergangenen Jahr hat auch zur Folge, dass Zverev rein rechnerisch bereits nach dem Turnier in Wien die neue Nummer 1 werden könnte, falls er in Shanghai und Wien den Titel holt. Sollte Sinner auch in Wien nicht antreten oder schlecht abschneiden, muss Zverev sogar nicht einmal zwingend beide Titel gewinnen, um den Tennis-Thron zu besteigen.
So viele Punkte müssen Zverev und Sinner noch verteidigen:
| Turnier | Jannik Sinner (2025) | Alexander Zverev (2025) | Zverevs Chance |
| Masters Shanghai | 50 Pkt. | 50 Pkt. | Beide schieden 2025 in R3 aus – Zugewinn von 950 Punkten möglich |
| ATP 500 Wien | 500 Pkt. | 330 Pkt. | Sinner muss den Turniersieg in Wien verteidigen, Zverev seine Finalpunkte |
| Masters Paris | 1.000 Pkt. | 400 Pkt. | Sinner gewann Paris und besiegte dabei Zverev im Halbfinale glatt (6:0, 6:1) |
| ATP Finals Turin | 1.500 Pkt. | 200 Pkt. | Sinner siegte in Turin, Zverev schied in der Vorrunde aus |
| Gesamt | 3.050 Pkt. | 980 Pkt. | Sinner muss mehr als 2000 Punkte mehr verteidigen |
Boris Becker legt sich fest: Zverev wird Nummer 1
Die bisher einzige männliche deutsche Nummer 1, Boris Becker, legte sich bereits nach Zverevs US-Open-Triumph bei sporteurope.tv fest: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Zverev die Nummer eins wird.“ Ganz so sicher ist es jedoch nicht, denn ein sich in Form befindender Sinner war auf Indoor-Plätzen der klar beste Spieler der vergangenen Jahre. Daher ist dem 25-Jährigen auch zuzutrauen, dass er nach seiner Rückkehr all seine Titel verteidigt.
Das würde auch den Druck auf Zverev erhöhen, der aber dennoch die Nummer 1 werden könnte, wenn er bei den Turnieren ebenfalls sehr weit kommt und in Shanghai in Sinners Abwesenheit sehr viele Punkte einfährt. Zverev hat es also in der eigenen Hand und muss selbst bei Sinners Rückkehr diesen – nach dem aktuellen Stand – nicht zwingend schlagen, um am Saisonende Weltranglistenerster zu werden.
Der 29-Jährige könnte zudem außerplanmäßig in der Woche vor den Finals zum Beispiel auch noch ein ATP-250er spielen. Es ist aber äußerst unwahrscheinlich, dass er dies in die Tat umsetzt, schließlich werden die folgenden ATP-Finals für den Kampf um die Nummer 1 für ihn viel wichtiger, da in Turin um ein Vielfaches mehr Punkte zu gewinnen sind.
Alexander Zverev winkt deutsche Tennis-Geschichte
Die wohl wichtigste offene Frage im Rennen um die Spitze lautet jedoch: Wann ist Sinner wieder einsatzbereit und wie spielfit kehrt er zurück – oder merkt man den fehlenden Matchrhythmus? Schließlich hat Sinner aufgrund anhaltender Knieprobleme seit seinem Triumph in Wimbledon im Juli kein Match mehr bestritten.
Die Shanghai-Absage schmerzt den Italiener zumindest in dem Sinne nicht zu sehr, dass er dort nur 50 Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen hatte. Doch auch Zverev schied vergangenes Jahr bereits in Runde 3 aus und kann sich daher mit einem starken Turnier eine exzellente Ausgangslage verschaffen – und so den Druck auf Sinner für dessen mögliche Rückkehr noch weiter erhöhen.
Gelingt Zverev der Sprung an die Spitze zum Saisonende, wäre er sogar der erste männliche deutsche Tennisspieler, dem das je gelungen ist. Becker belegte zwar 1991 in zwei verschiedenen Zeiträumen insgesamt zwölf Wochen Platz 1 der Weltrangliste, aber nie zum Saisonabschluss.
Zverev winkt perfekter Abschluss seiner Tennis-Saison
Für Zverev wäre es der perfekte Abschluss eines historischen Jahres, in dem er seine ersten beiden Grand-Slam-Titel mit den Triumphen bei den French Open und US Open holte.
Dass es am Ende des Jahres sogar mit der Nummer 1 klappen könnte, hätte nach den Australian Open wohl noch kaum jemand gedacht. Damals lag Zverev noch über 9.000 Punkte hinter dem damaligen Führenden Carlos Alcaraz, der wie Sinner aber ebenfalls ein von Verletzungen geprägtes Jahr hinter sich hat.
Zverev kam dagegen gut durch die Saison und spielte sein bisher mit Abstand bestes Tennisjahr. Als Belohnung winkt nun der erstmalige Sprung an die Spitze der Weltrangliste.