Klopps XXL-Kader hat einen hohen Preis
"Nagelsmann wären die Aussagen um die Ohren geflogen"
Jürgen Klopp hat mit seinem XXL-Kader zahlreichen Spielern die Tür zur Nationalmannschaft geöffnet. Doch schon im November muss der Bundestrainer seinen Kader drastisch verkleinern. Für einige könnte das bedeuten: Das Abenteuer DFB-Team ist schon wieder vorbei – vielleicht für immer.
Jürgen Klopp wollte sehen, testen, kennenlernen. Deshalb hat der Bundestrainer in seinen ersten Monaten einen ungewöhnlich großen Kreis an Spielern zur Nationalmannschaft geholt und damit einigen Profis eine Chance gegeben, die unter normalen Umständen womöglich nie oder zumindest nicht so schnell bekommen hätten. Doch diese Strategie hat eine Kehrseite.
Denn im November wird aus dem XXL-Kader wieder ein deutlich kleinerer Kreis. Klopp dürfte dann nur noch ungefähr die Hälfte der zuletzt verfügbaren Kaderplätze vergeben können. Und damit muss er Entscheidungen treffen, die für einige Spieler weit mehr bedeuten als nur eine Nichtnominierung.
„Jürgen Klopp hat da große Verantwortung und hat die Karriere einzelner Spieler quasi mit in der Hand“, sagt SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger in der neuen Folge des Podcasts „Die Bayern-Woche“.
Klopp „hat sich viel Verantwortung auf die Schultern geladen“
Ein Beispiel dafür ist Vitaly Janelt. Der Mittelfeldspieler reiste voller Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft und machte in Herzogenaurach keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Am Ende standen für ihn jedoch lediglich zwei Einsatzminuten. Der 28-Jährige ist längst nicht der einzige Spieler, der sich nun fragen muss, welchen Stellenwert seine Nominierung tatsächlich hatte.
Denn eine Einladung zur Nationalmannschaft verändert die Wahrnehmung eines Spielers. Erwartungen steigen, im Verein ebenso wie beim Spieler selbst. Wer einmal im DFB-Kreis angekommen ist, möchte dort bleiben. Wer anschließend wieder herausfällt, erlebt das zwangsläufig als Rückschlag.
Klopp hat mit seinem großen Auswahlverfahren deshalb nicht nur Möglichkeiten geschaffen, sondern auch Hoffnungen geweckt, die er bald zerstören wird müssen. „Klopp hat sich da viel Verantwortung auf die Schultern geladen. Er wird für viel Enttäuschung sorgen“, heißt es im Podcast.
Klopp legt großen Wert auf persönliche Gespräche
Spätestens bei der nächsten Nominierung beginnt damit der unangenehme Teil seines Plans. Der Bundestrainer muss Spielern erklären, warum sie plötzlich nicht mehr dazugehören. Und gerade dabei könnte ihm eine seiner großen Stärken helfen: sein Umgang mit Menschen.
Klopp gilt nicht als Trainer, der schwierige Entscheidungen nebenbei kommuniziert. Schon bei seinen ersten Nominierungen nahm er sich viel Zeit für persönliche Gespräche. „Er ist niemand, der einfach auf die Schnelle WhatsApp-Sprachnachrichten an die Spieler schickt. Er nimmt sich Zeit“, sagt Kumberger und ergänzt: „Der Bundestrainer hat den richtigen Riecher, denke ich, wie er da vorgehen muss.“
Die ganze Diskussion sowie alles zu den anderen aktuellen Brennpunkt-Themen rund um den FC Bayern und seine Nationalspieler hören Sie in der neuen Ausgabe des SPORT1-Podcasts „Die Bayern-Woche“ mit Moderatorin Madeleine Etti und Chefreporter Stefan Kumberger.
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