Vor möglichem DFB-Debüt: Lisa Baum mit emotionalen Worten

Vor möglichem DFB-Debüt: Lisa Baum mit emotionalen Worten

Mit einer Bolzplatz-Spielweise im bestmöglichen Sinne empfiehlt sich Lisa Baum für ein DFB-Debüt. Nach einem tragischen Schicksalsschlag hofft die 19-Jährige, dass eine ganz besondere Person dabei zusieht.

„Dribbling, Tempo und Leichtigkeit“, antwortete Lisa Baum im Interview mit der Welt auf die Frage, was ihre Stärken seien. Dabei weiß man gar nicht so genau, welche ihrer Eigenschaften nun am bemerkenswertesten ist: Das feine Gefühl im linken Fuß, der blitzschnelle Antritt oder dann doch diese auffällige Leichtigkeit, die angesichts eines schweren Schicksalsschlags keine Selbstverständlichkeit ist.

Die 19-Jährige vom FC Arsenal könnte am Freitag (20.30 Uhr im LIVETICKER) gegen Australien oder am Dienstag (17.45 Uhr im LIVETICKER) gegen Japan erstmals für die A-Nationalmannschaft auf dem Rasen stehen. Für die WM-Testspiele wurde sie von Bundestrainer Christian Wück in den DFB-Kader berufen. „Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, schwärmte Baum über ihre Nominierung.

Ihr Debüt könnte der nächste große Höhepunkt einer Erfolgskurve sein, die steil nach oben geht – trotz eines gravierenden Einschnitts in ihrem noch jungen Leben.

Lisa Baum steht vor ihrem Debüt für die DFB-Frauen
Lisa Baum steht vor ihrem Debüt für die DFB-FrauenLisa Baum steht vor ihrem Debüt für die DFB-Frauen© IMAGO/HMB-Media

Lisa Baum: Ein Talent mischt die Premier League auf

Schon lange sprach man bei Baum von einem Top-Talent – im Sommer 2026 materialisierte sich das ziemlich deutlich. Für eine damalige Rekord-Summe wechselte sie zum Top-Klub FC Arsenal. 600.000 Euro zahlten die Briten an RB Leipzig, wo die deutsch-tansanische Flügelspielerin für eine Saison gespielt hatte.

„Ich habe nicht darüber nachgedacht, wie viel ich koste. Aber natürlich ist es schön zu sehen, dass immer mehr Geld in den Frauenfußball investiert wird“, sagte Baum am Mittwoch bei einer DFB-Medienrunde.

Die Teenagerin gehörte zu den wenigen Gewinnerinnen beim holprigen Saisonstart ihres Teams. Fast 7.500 Kilometer von ihrem Geburtsort Daressalam in Tansania entfernt avanciert das junge Talent zu einer Leistungsträgerin: In allen fünf Liga-Spielen stand Baum in der Startelf und erzielte dabei zwei Tore – und das inmitten eines Star-Aufgebots rund um die englischen Europameisterinnen Georgia Stanway und Alessia Russo sowie der spanischen Weltmeisterin Mariona Caldentey.

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Kein Wunder also, dass auch Bundestrainer Wück auf Baums Schnelligkeit, den starken linken Fuß und ihre Zweikampfstärke nicht verzichten möchte.

Ein kleines Tape mit großer Bedeutung

Debütiert die 19-Jährige in den DFB-Testspielen gegen Australien oder Japan, wird sie wieder ein kleines Tape am linken Handgelenk tragen – und Schuhe mit eingeprägten Initialen. Zunächst unscheinbar, aber mit einer tragischen Bedeutung aufgeladen.

Auf dem weißen Band stehen der Name ihres Bruders und ein Spruch geschrieben. Auch die Anfangsbuchstaben auf ihren Schuhen erinnern an ihn. 2022 war er mit gerade einmal 17 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. „So ist er immer bei mir“, erklärte Baum schon zu Jahresbeginn im Interview mit der Welt. „Ich wünschte mir, er wäre da und könnte alles sehen, was ich schaffe.“

„Er war mein Alles. Ihn zu verlieren war das Schlimmste, was mir passiert ist“, so Baum über den tragischen Verlust. „Ich habe ihn auf dem Handy als Hintergrundbild, damit ich mich jeden Tag an ihn erinnere – manchmal mit einem Lächeln, manchmal mit Trauer.“

Lisa Baum wurde vom Bolzplatz geformt

Ihr Bruder war es auch, der sie als Kind für den Fußball begeisterte: „Ich wollte so sein wie er und bin dann mit ihm zum Fußball gegangen.“ Das frühe Kicken mit den Jungs habe ihre Spielweise entscheidend geprägt, den Bolzplatz hat sie quasi verinnerlicht.

„Meine Art, Fußball zu spielen, hat sich dort entwickelt. Einfach frei zu spielen, ohne sich Gedanken zu machen. Über die Jahre habe ich mich dann technisch weiterentwickelt“, erklärte Baum.

Ihre Mutter stammt aus Ostafrika; geboren wurde die Offensivspielerin in Tansanias größter Stadt Daressalam. Mit fünf Jahren zog sie nach Ahrensbök in Schleswig-Holstein und trat dort in den lokalen Fußballverein ein. Später schaffte sie über den TSV Pansdorf den Sprung in den starken Nachwuchs des HSV und durchlief seit der U16 alle DFB-Auswahlteams.

Und nun soll der erste Auftritt für den A-Kader folgen. Eine klare Debüt-Garantie sprach Trainer Wück bisher noch nicht aus, äußerte in der vergangenen Woche jedoch außerordentliches Lob für das junge Talent: „Lisa Baum bestätigt nach ihrem Wechsel, dass sie eine junge Spielerin ist, die unbekümmert an die Sache rangeht, die zweifelsohne Qualität hat, sich auch in England durchsetzen kann. Und wir hoffen, dass sie diese Leistung auch bei uns zeigen kann.“

An eine Person wird Baum bei einem möglichen Debüt ganz gewiss denken: „Ich werde den Moment genießen und hoffe, dass mein Bruder das auch sieht.“

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