Silva bei Real Madrid: Vom Wunsch-Kandidaten ins Aus?
Völlig bizarres Wort-Duell auf Mourinho-PK
Nur acht Minuten sind es, die Bernardo Silva seit Mitte September für Real Madrid auf dem Platz steht. Dabei soll er als Wunschspieler von Trainer José Mourinho den Königlichen eigentlich zum Titel verhelfen.
Die Verpflichtung versprach viel. Ein fester Bestandteil sollte er werden, eine Lösung für langjährige Baustellen. Ein tiefstehender Spielmotor, der Geschwindigkeit garantiert. Zwei Monate nach Saisonbeginn scheint Bernardo Silva jedoch aus den Plänen von José Mourinho verschwunden zu sein. Dabei war er als Wunschspieler des Real-Trainers nach Spanien gewechselt.
Acht Minuten stand er seit dem 15. September in der La Liga auf dem Rasen. Inmitten einer Flut an Neuverpflichtungen und eines Star-Aufgebots merkt nun auch der 32 Jahre alte Portugiese, wie hart der Kampf um einen Stammplatz sein kann. Vor allem, wenn man kaum kämpfen darf.
Ein Transfer mit großem Versprechen
Nach neun Jahren bei Manchester City war Silva im Sommer ablösefrei zu haben. Und Real Madrid griff zu: In einem 36-Stunden-Blitzdeal kamen sie den Erzrivalen FC Barcelona und Atlético Madrid zuvor. Ein großer Anreiz dürfte auch die Trainer-Verpflichtung von Landsmann José Mourinho gewesen sein.
Und der hatte ziemlich viel Arbeit vor sich: Nach zwei Spielzeiten ohne großen Meisterschaftserfolg mussten personelle Lösungen her, vor allem für die große Strukturlosigkeit in der Zentrale. Nach dem Karriereende von Toni Kroos suchen sie in Madrid noch immer nach einem Strategen im Mittelfeld. Hierfür plante man mit dem Spanier Rodri, der als Sechser agieren sollte – Silva sollte ihn ergänzen.
Doch zu einem Vertrag mit Rodri kam es nicht: Er entschied sich für einen Wechsel ins 500 Kilometer entfernte Barcelona. Das sollte den Transfer von Silva in ein neues Licht stellen – und Hoffnungen eines Vereins projizieren, der seit zwei Jahren mit großen Baustellen im Mittelfeld zu kämpfen hat.
Von Silva versprachen sich die Spanier einen Partner für Federico Valverde. Jemanden für die Doppelsechs oder die Doppelacht. Jemanden, der ein Gespür für das richtige Tempo hat, die richtigen Räume erkennen und die richtigen Pässe in die Abwehrschnittstellen spielen kann.
Dass Silva das kann, hatte er in 471 Spielen für Manchester City längst unter Beweis gestellt.
Silva bleiben nur wenige Minuten, um sich zu zeigen
In Madrid konnte der 32-Jährige das bisher nicht zeigen. Das liegt auch an den wenigen Minuten, die dem 32-Jährigen dafür zuletzt zur Verfügung standen.
„Er kam mit deutlich schlechterer körperlicher Verfassung zur Saisonvorbereitung, und da muss er sich verbessern“, erklärte Trainer Mourinho zu Saisonbeginn. Er sei „ein Typ von Junge, dem es guttut, im Urlaub einfach nichts zu tun“, scherzte der 63-Jährige.
Dennoch ließ er Silva in den ersten zwei Ligaspielen in der Doppelsechs mit Frederico Valverde starten, gegen Malaga und Sevilla kam er von der Bank. In der Partie gegen Rayo Vallecano stand Silva erneut in der Startelf – dann folgte der deutliche Bruch.
Beim FC Elche blieb Silva erstmals ohne Spielminuten, im traditionsreichen Spiel gegen den Stadtrivalen Athletico wurde er erst in der 82. Minute eingewechselt. Die wenige Zeit, die ihm blieb, um für sich zu werben, nutzte er: Direkt nach seiner Einwechslung bereitete er den Siegtreffer durch Antonio Rüdiger vor.
Doch das sollte keine Startgarantie sein. Gegen Villarreal blieb ihm erneut nur der Platz auf der Bank. Auch im zweiten Champions-League-Gruppenspiel gegen die AS Rom kam er erst in der 70. Minute ins Spiel. Laut dem spanischen Sportreporter Ramón Álvarez de Mon sollen die limitierten Einsatzminuten von Silva mit anhaltenden physischen Problemen zusammenhängen. In Madrid glaube man weiter an Silvas Qualitäten.
Doch womöglich mangelt es auch an einem Platz in Mourinhos System.
Kein Platz in Mourinhos System
Den schrumpfenden Einsatzzeiten von Silva steht das Wiedererstarken von Aurélien Tchouaméni entgegen. Der Franzose, der 2022 von der AS Monaco kam, hat den Portugiesen zunehmend aus der Startelf verdrängt. Mourinho vertraute verstärkt auf das Duo Valverde und Tchouaméni. Ausgerechnet jene Konstellation, die im letzten Jahr vor allem durch eine Kabinen-Eskalation und ein Schädel-Hirn-Trauma auf sich aufmerksam machte.
Das bevorzugte 4-3-2-1-System von Mourinho lässt zudem ziemlich wenig Platz für einen Spieler, der auf der Sechser oder Achter-Position nicht dem klassischen, physisch wuchtigen Abräumer-Typ entspricht. Und vor allem lässt es wenig Platz für jemanden, der sich erst an gesetzten Star-Spielern vorbeiquetschen müsste. Als Zehner ist Jude Bellingham fest eingeplant, dahinter drängt Arda Güler auf Einsatzzeiten. Auf dem Flügel setzt Mourinho auf Spieler wie Yan Diomande, sodass Silva dort ebenfalls schwer vorbeikommt.