Nach heftiger Kritik: Florian Wirtz sendet starkes Signal
"Muss sich anpassen" Liverpool-Coach mit Wirtz-Ansage
Florian Wirtz überzeugt mit seiner Performance in der Champions League. Nun gilt es für den Flügelspieler des FC Liverpool, sich endlich auch in der Premier League zu beweisen.
Es gibt wahrscheinlich nur eine Handvoll Fußballer auf dieser Welt, die in der Lage gewesen wären, einen derart traumhaften Pass zu spielen.
Florian Wirtz schaute sich um und blickte nach rechts. Doch während er dies tat, setzte er bereits zu seinem Kunstschuss in die entgegengesetzte Richtung an. Es war ein sehr, sehr schmaler Korridor. Durch zwei Verteidiger hinweg – und an einem dritten vorbei – spitzelte er den Ball exakt auf den Fuß des hereinlaufenden Bradley Barcola.
Florian Wirtz überzeugt bei 9-Tore-Spektakel
Der Franzose reagierte blitzschnell und veredelte die zauberhafte Vorlage zum zwischenzeitlichen 3:0. Der FC Liverpool sollte die wilde Champions-League-Partie gegen den Linzer ASK mit 6:3 (3:0) gewinnen und Barcola noch zwei weitere Tore erzielen.
Wirtz war am Mittwochabend zwar kein eigener Treffer vergönnt, dennoch konnte er überzeugen. „Wirtz zeigte mit Leichtigkeit seine beste Saisonleistung in einem Wettbewerb, in dem er wohl seine beeindruckendsten Momente als Liverpool-Spieler erlebt hat“, lobte die Zeitung Liverpool Echo überschwänglich.
„Es war ein gutes Spiel von Florian“, sagte LFC-Coach Andoni Iraola und lobte auch Neuzugang Barcola: „Ich freue mich sehr für Bradley. Gestern habt Ihr mich darauf angesprochen, dass die Zahlen bei ihm noch nicht stimmen. Genau wie bei Florian. Ich glaube, die beiden haben heute richtig, richtig gut gespielt und den Unterschied gemacht.“ Sein Fazit: „Ich freue mich für beide.“
Auffällig war, dass Wirtz für seine so kunstvolle Vorlage kaum von seinen Mitspielern abgefeiert wurde. Barcola lief in Richtung Eckfahne, klatschte in der Folge kurz mit Wirtz ab. Lewis Koumas und der ehemalige Bayern-Profi Ryan Gravenberch gesellten sich für einen kleinen Moment dazu – alles sehr nüchtern. Es schien nicht so, dass sie es Wirtz nicht gönnten, sondern dass sie so etwas einfach von ihm erwarten.
Der Linksaußen harmonierte am Mittwochabend wunderbar mit seinen Teamkollegen, war immer wieder um Nähe bemüht, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen. Teamplayer statt One-Man-Show. Wirtz ging über die volle Distanz und kreierte neben seinem Assist drei Chancen (davon eine Großchance). 50 seiner 58 Pässe kamen an.
Vernichtende Kritik an Wirtz aus England
Gute Statistiken für den deutschen Nationalspieler, der zuletzt in England doch so oft heftig kritisiert wurde. „Er ist ein Talent, er ist jung. Man darf solche Leute nicht einfach aufgeben und sagen: ‚Ach, weil er 110 Millionen (britische Pfund – ca. 130 Millionen Euro, Anm. d. Red.) gekostet hat, ist er weg‘ und ihn beiseiteschieben und sich davon emotional beeinflussen lassen. Er braucht Hilfe. Er braucht Unterstützung“, forderte Liverpool-Ikone Steven Gerrard in der Sendung Stick to Football jüngst.
Zwar wird der Auftritt gegen überforderte Linzer nicht reichen, um alle Wirtz-Kritiker verstummen zu lassen, aber es ist ein Anfang. Nun muss der 23-Jährige auch auf der Insel überzeugen, um auch Nörgler wie Jamie Carragher („Er muss aus der Mannschaft genommen werden“) umzustimmen.
Bereits am Samstag bietet sich dazu die nächste Gelegenheit. In der Premier League gastieren die Reds beim Tabellenvierten, dem FC Brentford (ab 16 Uhr im SPORT1-LIVETICKER). Die formstarken Bees stellen ein ganz anderes Kaliber als das Team aus Linz dar.
„Andere Anforderungen“ in der Premier League
„Bei manchen Spielen hat man mehr Zeit zum Nachdenken, bei anderen weniger – wir müssen uns darauf einstellen, Florian und alle anderen. Er muss sich anpassen. Wir wissen, dass Brentford nicht dasselbe sein wird wie der LASK – es sind andere Anforderungen“, sagte Iraola am Donnerstag.
Gewiss wird Wirtz nicht so viele Räume bekommen und wieder den heißen Atem der Gegner spüren. Dabei sind einige seiner Statistiken in der Premier League gar nicht so übel. Schaut man etwa auf die Anzahl herausgespielter Torchancen, zählt der Rechtsfuß sogar zur Spitze.
Anders sieht es bei Scorerpunkten aus. Neben dem Assist in der Champions League steht ein weiterer in der Liga zu Buche. In neun Pflichtspielen blieb Wirtz bislang ohne eigenen Treffer. In der Länderspielpause belohnte sich der Offensivspieler dann endlich und traf für das DFB-Team zum 2:0-Endstand gegen Serbien.
Jürgen Klopp stärkt Wirtz den Rücken
„Seine fußballerischen Fähigkeiten sind über jeden Zweifel erhaben“, sagte der neue Bundestrainer Jürgen Klopp und stichelte in gewohnter Manier gegen englische Medien: Wirtz sei „auf einem guten Weg, aber den Leuten geht es nie schnell genug“.
Aufmerksamen Beobachtern fällt auf, dass Wirtz seit einigen Wochen endlich wieder mehr Spielfreude ausstrahlt. Er ist stets der Erste, der sich anbietet, reißt Räume auf und beschwert sich nicht, wenn er mal einen Ball in aussichtsreicher Position nicht bekommt. Wirtz ist Aktivposten durch und durch. Auch das Selbstbewusstsein scheint zurückzukehren.
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Nun liegt es an Wirtz selbst, unter Beweis zu stellen, dass er eben kein Transferflop ist. Am Samstag in Brentford wird sich zeigen, ob der Auftritt in Linz mehr als nur ein Strohfeuer war.