Zoff bei Ferrari: Hamilton will „ernste Worte sprechen“
Antonelli neuer Formel-1-Weltmeister
Beim Formel-1-Rennen in Mexiko gerät Lewis Hamilton mit seinem Teamkollegen Charles Leclerc aneinander. Seinen Ärger darüber verbirgt er nicht.
„Wir haben große, große Probleme.“ Dieser Funkspruch von Lewis Hamilton während des Großen Preises von Mexiko macht die aktuelle Lage bei Ferrari deutlich.
Mit tiefer, beinahe bedrohlicher Stimme hatte der Rekord-Weltmeister der Formel 1 dabei seine Worte formuliert. Doch was war zuvor passiert?
Schon in der ersten Runde verhinderte ein Duell der beiden roten Boliden einen möglichen Sieg der Scuderia. Eine Tatsache, die Hamilton überaus ärgerte.
Formel 1: Manöver zwischen Leclerc und Hamilton
Charles Leclerc griff den Briten in Kurve vier an und fuhr infolgedessen durch die Wiese. Die Rennkommissare bestraften den Monegassen mit einer Fünf-Sekunden-Strafe.
Das war Hamilton zu wenig, denn durch die Aktion verlor er Schwung und wurde von Verstappen überholt. In der Folge kam Hamilton an dem Red-Bull-Piloten nicht mehr vorbei.
Hamilton war der Meinung, dass sein Teamkollege ihm die Position zurückgeben sollte, was dieser aber nicht tat. Stattdessen fuhr er mit freier Fahrt davon.
Hamilton will „ernste Worte“ sprechen
Bereits während des Rennens zeigte Hamilton sich wiederholt empört über die Situation. „Er hat freie Fahrt und muss nicht wie die anderen managen. Er hätte die Position zurückgeben sollen“, war zunächst am Funk zu hören. Später wurde er sogar noch deutlicher: „Die Kommissare schenken Charles im Prinzip den Sieg.“
Leclerc hat sein hartes Startduell mit Lewis Hamilton beim Grand Prix von Mexiko-Stadt indes verteidigt und dabei auch seinem Ferrari-Teamkollegen eine Mitschuld gegeben. Ihm zufolge war Hamiltons Fahrweise in Kurve vier ebenfalls „sehr am Limit“.
Hamilton wiederum sah eine Grenze überschritten. „Ich finde, das Interesse des Teams sollte an erster Stelle stehen. Ich habe einen Sieg verloren, und Ferrari strebt den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung an. Das ist respektlos gegenüber all den Menschen, die im Werk arbeiten“, schimpfte der Brite.
Er zeigte unverhohlen mit dem Finger auf seinen Teamkollegen: „Er ist jetzt 29, daher glaube ich nicht, dass es eine Frage des Alters ist, sondern der Mentalität. Entweder gewinne ich oder keiner von uns beiden, und so sollte es nicht sein.“
Er selbst hätte in Silverstone ebenfalls „wie ein Kamikaze“ fahren können, sich aber stattdessen auf den Teamerfolg konzentriert: „Wenn dein Teamkollege gegen dich arbeitet und du so Positionen verlierst, wird es schwierig.“
Hamilton und Leclerc kassieren Anpfiff
Einen ordentlichen Anpfiff gab es auch von Team-Boss Frederic Vasseur: „Ich halte das für einen enormen Mangel an Respekt gegenüber der Marke, gegenüber allen Menschen, die in Maranello arbeiten, und gegenüber den Anstrengungen, die wir unternehmen.“
Es sei schwer zu akzeptieren, dass der Sieg trotz auf diese Weise verschenkt wurde: „Ich zeige mit dem Finger auf niemanden, ich möchte mit beiden sprechen. Wenn man in Mexiko, wo seit 72 Jahren kein Überholmanöver mehr gelungen ist, von Platz eins und drei startet, rechnet man nicht damit, Zweiter und Vierter zu werden.“
Bei Ferrari sollen „ernste Worte“ fallen
Leclerc verteidigte sich derweil so: „Wir kämpfen um den Sieg, da bleibt natürlich von ihm und von mir nur sehr wenig Spielraum“, erklärte der 29-Jährige: „Am Ende haben wir beide beim Anbremsen für Kurve vier einen Fehler gemacht.“
Auch hiermit war Hamilton nicht einverstanden. „In der Fahrerbesprechung haben wir ausgemacht: Sobald man in Kurve eins neben die Strecke fährt, muss man die Position zurückgeben“, sagte er im Interview mit den drei bestplatzierten Fahrern.
„Letztes Jahr habe ich für exakt dasselbe Manöver, das er da gebracht hat, eine 10-Sekunden-Strafe kassiert. Aber letztlich war es genau das, was uns heute den Sieg gekostet hat. Und ich denke schon, dass wir hinter den Kulissen ein paar ernste Worte sprechen müssen, ganz sicher“, so Hamilton weiter.
Hamilton und Leclerc zu schnell unterwegs
Hamilton fand aber zumindest etwas Positives: „Das Gute ist: Das Team arbeitet extrem hart, wir haben unser Auto wirklich spürbar verbessert und es ist toll, hier auf dem Podium zu stehen. Wir waren an diesem Wochenende auch noch mit dem alten Motor unterwegs – insofern ist das ein gutes Ergebnis und wir haben wichtige Punkte geholt.“
Weitere News
Die Kommissare begründeten ihre Entscheidung für eine Fünf- statt einer Zehn-Sekunden-Strafe unter anderem damit, dass beide Ferrari-Boliden „mit überhöhter Geschwindigkeit in Kurve vier eingefahren sind und keiner von beiden in der Lage gewesen wäre, die Kurve auf der Strecke zu nehmen“.