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München - Die Basketball-Bundesliga hofft, ihre Saison mit einem Turnier im Juni zu Ende zu spielen. Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke erklärt Wertigkeit und Probleme.

Alles ist geplant und vorbereitet. Die Basketball-Bundesliga hofft, ihre Saison mit einem Turnier mit zehn Mannschaften zu Ende zu spielen. Nun fehlt nur noch das Okay aus der Politik.

Wie die Deutsche Fußball-Liga hat auch die BBL ein umfassendes Hygienekonzept erstellt, um die Durchführung des Wettbewerbs trotz aller Widrigkeiten durch das Coronavirus zu gewährleisten.

Mit München steht seit Montag auch der Austragungsort des möglichen Turniers fest. Auch die FRAPORT SKYLINERS hatten sich um die Austragung beworben.

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Im Gespräch mit SPORT1 erklärt deren Geschäftsführer Gunnar Wöbke die Gründe für die Wahl, die Probleme, die noch zu lösen sind und spricht eine Warnung an die Profis aus.

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SPORT1: Sind Sie enttäuscht, dass das BBL-Finalturnier im Münchner Audi Dome stattfindet und nicht in Ihrer Arena?

Wöbke: Ich habe da ein weinendes und ein lachendes Auge. Zum einen weiß ich, dass wir das hervorragend gemacht hätten. Wir hätten zwei Hotels gehabt, die ausgezeichnet geeignet sind, um 25 Tage lang Leute zu beherbergen. Zum anderen haben wir eine gute Zusammenarbeit mit Gesundheitsamt und städtischen Behörden und hätten von Politikern und zuständigen Personen die Unterstützung gehabt. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Münchner das auch sehr gut hinbekommen, sonst hätten sich die BBL-Verantwortlichen nicht für München entschieden. Der FC Bayern München hat auch mit der Power, die Uli Hoeneß und Herbert Hainer reinbringen können, eine nationale und internationale Sportmarke, die Gewicht hat - und mit Marko Pesic einen sehr engagierten Manager. Ich bin mir sicher, dass das in München super laufen wird.

SPORT1: Innerhalb von drei Wochen soll ein Meister ermittelt werden. Die bisherige Saison zählt nichts mehr. Insgesamt werden es weitaus weniger Spiele geben. Wird der Meister trotzdem ein würdiger sein?

Wöbke: Ja, das ist für mich überhaupt keine Frage. Erstens hätte jedes Team teilnehmen können. Diejenige, die nicht teilnehmen, wollten nicht. Deshalb sind sie auch "würdig" raus, so nenne ich das mal. Das ist keine Kritik, das wurde den Teams richtigerweise freigestellt. Zum anderen verhält es sich so: Sollte der FC Bayern Meister werden, wäre er ein würdiger Deutscher Meister. Der Klub war nach dem Abbruch Tabellenführer und hat es auch geschafft, sein Team mehr oder weniger komplett in München zu halten. Sollte ein anderes Team den FC Bayern vom Thron stoßen - oder die Mannschaft besiegen, die den FC Bayern besiegt hat -, hätten sie das beste Team bis zum Abbruch hinter sich gelassen und wären auch ein würdiger Meister.

(SPORT1 zeigt ausgewählte Spiele der BBL LIVE im TV auf SPORT1)

Unter Geschäftsführer Gunnar Wöbke feierten die Skyliners aus Frankfurt 2004 den deutschen Meistertitel
Unter Geschäftsführer Gunnar Wöbke feierten die Skyliners aus Frankfurt 2004 den deutschen Meistertitel © Imago

SPORT1: Entscheidet am Ende einfach, wer sich am besten auf die Situation einstellt und wer die beste Form aufbaut? Oder wird sich auch in diesem kurzen Format der stärkste Kader vermutlich durchsetzen?

Wöbke: Es hängt davon ab, welcher Klub welches Team zusammenbekommt. Dürfen alle Spieler einreisen? Ich hoffe nicht, dass es so unvernünftige Spieler gibt, die nicht erkannt haben, wie wichtig es ist, dass wir spielen. Die Spieler wissen hoffentlich, dass es auch um die Zukunft ihrer Jobs geht und hoffentlich treten alle, die theoretisch können, auch an. Alles andere wäre hirnrissig und nicht nachzuvollziehen, weil das Sicherheits- und Hygienekonzept sehr gut sein wird, das die easyCredit BBL erarbeitet. Es wird natürlich auch davon abhängen, wie fit die Spieler sind. Sie waren ja in Kurzarbeit, das heißt, man durfte ihnen gar keine Anweisungen geben, wie sie zu trainieren haben. Man muss auf die Vernunft der Profis hoffen. Sie wussten, dass der Spielbetrieb wahrscheinlich wieder aufgenommen wird. Natürlich hängt es auch davon ab, wie gut die Leute auf die Gegebenheiten reagieren. Wie geht es den Spielern, wenn sie nach 20 Tagen in Quarantäne in einem Hotel das Finale spielen? Schließlich spielt natürlich auch die Qualität der verfügbaren Spieler eine Rolle.

So steht es um die US-Profis

SPORT1: Die US-Spieler Ihres Klubs sind in ihre Heimat zurückgereist und müssten für die Fortführung der Saison wieder nach Deutschland kommen. Ist das möglich und wie planen Sie die Ein- und Ausreise der Spieler?

Wöbke: Wir haben geschaut, ob es Flüge gibt. Wir haben die Spieler darüber informiert, dass die Spiele wieder aufgenommen werden sollen, wenn die Bundesregierung ihr Okay gibt. Wir haben den Spielern auch das geplante Prozedere erklärt. Klar ist, dass die Spieler wieder einreisen dürfen, die eine Aufenthaltsgenehmigung hatten, damit sie ihrer Arbeit wieder nachgehen dürfen. Natürlich müssten sie dann zunächst in Quarantäne.

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SPORT1: Orientiert sich die BBL bezüglich der Hygiene- und Abstandsmaßnahmen an der Fußball-Bundesliga, die ja ein Hygienekonzept entworfen hat oder haben Sie ein eigenes Gesundheitskonzept?

Wöbke: Die BBL hat sich an dem hervorragenden Konzept von Christian Seifert und seinen Kollegen orientiert. Das Konzept der DFL ist in enger Abstimmung mit Landes- und Bundesbehörden entstanden. Wir wählen aber im Gegensatz zum Fußball ein anderes Spielkonzept. In der Bundesliga wird in unterschiedlichen Stadien gespielt, das können wir nicht bewerkstelligen. Wir gehen an einen Standort und spielen dort die Saison zu Ende. Ich persönlich tausche mich regelmäßig mit Christian Seifert aus. Er hat uns seine Hilfe angeboten, wenn bei uns noch Unterstützung nötig wäre.

Mannschaftstraining erst nach 14 Tagen Quarantäne

SPORT1: Sind alle zehn Teams für die gesamte Zeit in einem Hotel untergebracht oder jede Mannschaft in einem einzelnen?

Wöbke: Bedingung der Ausschreibung war, dass alle teilnehmenden Teams in ein Hotel reinpassen müssen. Es muss also ein Hotel sein, das exklusiv nur den zehn Mannschaften zur Verfügung steht und das mindestens 220 Zimmer hat, damit jeder Spieler in einem eigenen Raum untergebracht ist. Dies ist unter anderem deswegen zwingend erforderlich, damit im Falle einer Ansteckung der betreffende Spieler zu möglichst wenigen anderen Leuten Kontakt hatte und weil man den Spielern und Betreuern natürlich bei so einem langen Hotelaufenthalt auch ihre Privatsphäre geben sollte.

SPORT1: Im Fußball finden weitreichende Coronatest statt. Jeder Klub wird mindestens zweimal pro Woche getestet. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Wöbke: In der BBL ist das genauso. Die Spieler kommen zunächst in Quarantäne. Dort wird jeden Morgen Fieber gemessen und zweimal pro Woche ein Coronatest durchgeführt. Erst danach können wir mit Gewissheit sagen, wer gesund ist und wer krank. Und erst dann geht das Mannschaftstraining los. Während des gesamten Prozesses, von der Quarantäne bis zum späteren Turnier, wird jeder Spieler neben der Fiebermessung auch täglich von einem Arzt begutachtet. Auch die Coronatests laufen weiter, damit mögliche Infizierte schnellstmöglich herausgefischt werden können. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist aber relativ gering, wenn sich alle an das halten, was sie als Vorgabe bekommen haben. Das einzige Risiko einer Ansteckung besteht dann also eigentlich nur noch über das Hotelpersonal. Aber auch das wird besonders geregelt. Die Mitarbeiter des Hotels werden speziell geschult.

SPORT1: Ist der Titel in diesem Jahr nur die Hälfte wert oder ist es vielleicht sogar etwas Besonderes, als "Coronameister" in die Geschichte einzugehen?

Wöbke: Es wird keinen "normalen" Meister geben, weil wir nach einem anderen Modus spielen werden. Es wird aber definitiv einen würdigen Deutschen Meister geben. Wir müssen uns aber eines klar machen: Es gab eine Zeit, da konnte Bonn nicht Meister werden, weil die Spieler am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt waren. Dann gab es Jahre, in denen Teams enormes Verletzungspech hatten und ihnen der Titel verwehrt blieb, usw. - wenn man den kommenden Meister nun als "Coronameister" bezeichnet, dann läuft das in die völlig falsche Richtung und wird der Leistung des Teams nicht gerecht.

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