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München - Vor zwei Jahren werden Laura Ludwig und Kira Walkenhorst in Wien Weltmeister. Während Walkenhorst ihre Karriere beendet hat, greift Ludwig mit neuer Partnerin an.

In Hamburg starten am Freitag die Beachvolleyball Weltmeisterschaften. Mittendrin ist dann auch wieder die große Strahlefrau des deutschen Beachvolleyballs: Laura Ludwig.

Doch die Zeiten von souveränen Olympiasiegen und lang ersehnten Weltmeisterehren sind für die 33-Jährige scheinbar vorbei. Kira Walkenhorst, ihre kongeniale Partnerin seit 2013, musste ihre Karriere nach einer langen Leidensgeschichte verletzungsbedingt beenden.

Doch für Laura Ludwig geht es weiter. Ihre achte WM-Teilnahme in Hamburg erfolgt an der Seite einer der besten Deutschen Volleyballerinnen ihrer Zeit: Margareta, genannt "Maggie" Kozuch. Der Clou: bis 2016 spielte die in Hamburg geborene Kozuch noch in der Halle und ist beinahe noch frisch im Kreise der Beachvolleyball-Weltelite.

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Ein solcher Wechsel ist nicht nur ungewöhnlich, sondern bisher auch selten erfolgreich. Und trotzdem: Das Team hat großes Potential, auch wenn es dieses noch zu selten zeigt.

Die Spielerinnen

Laura Ludwig ist die wohl beste deutsche Beachvolleyballerin aller Zeiten – garantiert aber die erfolgreichste. Schon früh sammelte sie Titel wie andere Handtaschen. Schon im Juniorenalter wurde sie Weltmeisterin (U18) und Europameisterin (U18, U23), auch im "Konzert der Großen" brauchte sie keine lange Anlaufzeit.

Sieben Deutsche-, vier Europa- und einen Weltmeistertitel kann die extrovertierte Abwehrspezialistin ihr Eigen nennen. Zur Krönung nach Platz neun (2008) und Platz fünf (2012) gesellt sich auch die Goldmedaille bei Olympia in Rio de Janeiro (2016) in eine große Titelsammlung. Die 33-Jährige gilt im Weltvolleyball als eine der besten Abwehrspielerinnen, gefürchtet sind ihre direkten Abwehrpunkte, wenn sie den Ball mit der ersten Berührung im Feld der Gegner unterbringt.

Ludwig ist eine Powerfrau, die viel Energie in ihren Sport steckt. Mit 18 erlitt sie einen Schlaganfall, kämpfte sich danach zurück in den Sport und schließlich auf den Olymp. Erst in ihrer Babypause merkte Ludwig, wie gut ihr auch eine Auszeit tut. Jetzt will sie als Mutter auf der Tour erfolgreich werden. 

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Margareta Kozuch ist nun neu an Ludwigs Seite. Die 32-Jährige Hamburgerin machte sich in der Halle einen Namen, stand 336 Mal für die Nationalmannschaft auf dem Feld und errang unter anderem zwei Vize-Europameistertitel. Auf Vereinsebene drückte sie den stärksten Ligen der Welt in Italien, Polen oder Russland ihren Stempel auf und gewann zum krönenden Abschluss nicht nur die Champions League 2016, sondern wurde auch zur besten Spielerin des Finales gewählt. 

Dann kam der überraschende Wechsel in den Sand. Der Gefühlsmensch Kozuch hörte auf seinen Bauch und suchte an der Seite der ehemaligen Vize-Weltmeisterin Karla Borger eine neue Herausforderung. Die Umstellung gelang der 1,88m großen Blockspielerin gut, doch ihr Name eilte ihr voraus. Kozuch steht für absolute Spitzenklasse, in der Halle zählte sie zu den besten ihrer Zunft. Nach zwei wechselhaften Jahren folgte dann der Wechsel an die Seite von Laura Ludwig.

Um in kurzer Zeit erfolgreich zu werden, arbeitet die sympathische Blockspielerin hart, laut eigener Aussage sogar härter als Weltmeisterin Ludwig. Außerdem ernährt sie sich vegetarisch, zeitweise gar vegan. Für sie gehöre das zu ihrem Erfolgsrezept und sei die Grundlage für ihren Erfolg.

Das Team 

Beachvolleyball funktioniert dann besonders gut, wenn man den Partner gut kennt. Stärken, Schwächen, Persönlichkeit, einfach alles. In diesem Punkt sind Ludwig und Kozuch bereits weltklasse. Beide kennen sich seit sie 14 sind, spielten schon in der Halle gemeinsam. Während die Partnerschaft mit Kira Walkenhorst eine gute und überaus erfolgreiche Zeit für Ludwig war, so hat sie mit Maggie Kozuch nicht nur eine Partnerin im Sand, sondern auch eine Freundin abseits des Platzes an ihrer Seite.

Diese freundschaftliche Bindung kann dem Team helfen, sich schneller von Rückschlägen zu erholen. Sie birgt aber auch Gefahren, denn: Die offene, ehrliche und im Sport eminent wichtige kritische Kommunikation fällt in einer professionellen Partnerschaft oft leichter. Besteht ein Freundschaftsverhältnis, kann dieses schnell belastet werden. Doch für die erfahrenen Laura Ludwig und Maggie Kozuch ist die Freundschaft eine große Chance!

Für Professionalität sorgt übrigens das Team, welches auch Ludwig/Kozuch zum Erfolg verhalf. Besonders Trainerlegende Jürgen Wagner, der als Mann der unkonventionellen Wege gilt, wird ein Auge darauf haben, dass der Sport die Freundschaft nicht gefährdet - und umgekehrt.

Die Baustellen

Die Voraussetzungen für die Partnerschaft Ludwig/Kozuch sind wahrlich nicht optimal. Maggie Kozuch war zwar in der Halle eine der Besten ihrer Zunft, im Sand hat sie aber nach wie vor zu kämpfen. Die Umstellung ist nicht leicht, besonders nicht für eine Diagonalspielerin, die in der Halle nur eines tut: Angreifen.

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Im Sand hingegen muss Kozuch annehmen, zuspielen und sich an jedem Ballwechsel beteiligen. Eine enorme Umstellung. Auch technische Feinheiten ändern sich im Sand. Seit ihrem Wechsel 2016 hat Kozuch sich gut entwickelt, ihr großer Feind ist die Erwartungshaltung. An der Seite der vielfachen Beachvolleyballerin des Jahres Laura Ludwig zählen in der öffentlichen Wahrnehmung nur Podestplatzierungen und Siege.

Laura Ludwig verpasste die gesamte Saison 2018 – wobei man bei der Geburt ihres ersten Sohnes Teo wohl kaum von einem "Verpassen" sprechen kann. Und auch wenn Laura Ludwig wieder Leistungssport macht, hat sie ihre optimale körperliche Leistungsfähigkeit noch nicht erreicht. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil, es ist natürlich.

Und dennoch wird das alles für das Team zum Problem, die Olympiaqualifikation läuft bereits. Zurzeit hinkt das Duo nicht nur den eigenen Ansprüchen hinterher, sondern auch der Konkurrenz um das Olympiaticket. Es ist wenig Zeit, vielleicht zu wenig Zeit, an den Problemen zu arbeiten. Der Druck auf das Team wird immer größer, Ergebnisse müssen her.

Die Chancen

Die Weltmeisterschaft bietet trotz des Drucks auf das Dou eine große Chance in gleich mehrfacher Hinsicht. Der Sieger in Hamburg erringt nicht nur den Weltmeistertitel, sondern qualifiziert sich direkt und ohne Umwege für Olympia 2020 in Tokio. Doppelte Motivation also für ein Team, welches an der Qualifikation sonst hart zu knabbern haben wird.

Interessant: Es hat fast Tradition, dass ein deutsches Team sich weit durchs Turnier spielt, ohne dass dies erwartet wird. 2013 standen Karla Borger und Britta Büthe völlig überraschend im Finale, welches sie nur knapp und dramatisch verloren.

Und selbst im (zugegebenermaßen) wahrscheinlicheren Fall, dass kein Titel in Hamburg rausspringt, kann das Turnier eine große Bedeutung haben. Nach dem neunten Platz in Warschau könnte eine gute Weltmeisterschaft zu einer Schubumkehr für das Team führen. Bei keinem anderen Turnier können so viele Ranglistenpunkte gesammelt werden wie in Hamburg.

So könnten sich Ludwig/Kozuch sich auf einen Schlag wieder ganz dick ins Geschäft bringen. Es ist die erste Reifeprüfung für das Duo aus Hamburg.

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