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München - Bei den deutschen Meisterschaften schnappte sich das Duo Ittlinger/Laboureur überraschend den Titel. Für Laboureur wendete sich eine Schock-Nachricht zum Guten.

Chantal Laboureur hatte eigentlich ganz andere Pläne.

2017 gewann sie an der Seite von Julia Sude den Titel bei den Deutschen Meisterschaften. Ein Jahr später wurde die heute 30-Jährige sogar zur deutschen Beachvolleyballerin des Jahres gewählt.

Die beiden Athletinnen schienen immer besser zu harmonieren. Doch dann setzte Kira Walkenhorst im Januar 2019 mit ihrem vorübergehenden Rücktritt eine Kettenreaktion in Gang.

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Sude schloss sich Karla Borger an - und Laboureur stand ein Jahr vor Olympia plötzlich ohne Partnerin dar. Ein großer Schock.

"Das war, als ob man kurz vor seiner Hochzeit steht, einen Tag vorher sitzen gelassen wird und der Partner eine Neue hat", erklärte Laboureur damals.

Der Traum von Tokio schien ausgeträumt. Doch so schnell wollte Laboureur nicht aufgeben. Sie machte sich auf die Suche nach einem Sude-Ersatz, letztlich fiel ihre Wahl auf Sandra Ittlinger. Mit der Münchenerin soll der Traum von Olympia doch noch Realität werden - und mit dem DM-Titel 2020 feierte das Duo nun den vorläufigen Höhepunkt.

Corona-Pause hilft Laboureur

Dabei startete die erste gemeinsame Saison schwierig, auf der World Tour gelangen lediglich durchwachsene Platzierungen. Nach und nach fand sich das Duo jedoch. Ihre Klasse ließen die beiden Athletinnen erstmals bei der EM 2019 in Moskau aufblitzen, als sie den fünften Platz belegten.

Im Dezember folgte dann der Rückschlag. Laboureur musste sich einer Schulter-OP unterziehen, die anstehende Saison schien ernsthaft in Gefahr.

Da kam der deutschen Nummer zwei die Corona bedingte Pause gerade recht. "Gerade im Hinblick auf meine Schulter wäre das schon eine Turbo-Reha gewesen, die wir da hätten hinlegen müssen. Ich konnte dann ein bisschen Gas rausnehmen und die Schulter ordentlich wiederaufbauen", sagte Laboureur bei SPORT1.

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Die Wettkampfpause gab Laboureur nicht nur genügend Zeit, um ihre Verletzung vollständig auszukurieren, sondern die Gelegenheit, mehr mit Ittlinger zu trainieren. Dafür nahmen die deutschen Nationalspielerinnen Tausende Kilometer auf sich. "Als es wieder erlaubt war, zusammen zu trainieren, bin ich mal nach Berlin gekommen, Sandra mal nach Stuttgart", verriet Laboreur.

Dabei trotzte das Duo gerade zu Beginn der Pandemie den suboptimalen Trainingsbedingungen. "Wir konnten in Deutschland nicht am OSP trainieren und mussten dann zuhause ein bisschen improvisieren und haben individuell trainiert", sagte die Beach-Queen.

Folgt auf den DM-Titel der EM-Titel?

Auf der Road to Timmendorfer Strand wurde schnell klar, dass sich die Extra-Einheiten ausgezahlt hatten.

In ihrer zweiten gemeinsamen Saison war für das Duo dreimal erst im Halbfinale Schluss. Für den großen Wurf reichte es aber nie, doch Laboureur wusste, was möglich ist. Angesprochen auf die Favoriten bei den DM, sagte sie: "Ich würde uns selber schon auch in den Kreis mitaufnehmen. Wir waren bei jedem Turnier im Halbfinale und nächstes Mal wollen wir noch einen Schritt weiter gehen."

Gesagt getan. Wenige Wochen später gelang erst gegen Bieneck/Schneider der Schritt ins Finale. Dort gelang dank taktischer Umstellungen nach Satzrückstand der Sieg gegen das favorisierte Duo Ludwig/Kozuch. 

Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beachvolleyball des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), verneigte sich vor den Siegerinnen: "Sandra und Chantal haben sich den Titel wirklich verdient. Chantal ist eine sehr erfahrene Spielerin, die Sandra gut führen kann."

So richtig fassen konnten Chantal Laboreur und Sandra Ittlinger ihren Triumph unmittelbar nach Spielende nicht. Nach dem verwandelten Matchpunkt ballten beide Athletinnen zunächst die Fäuste, stützten ihren Kopf auf diese und blickten auf den Timmendorfer Sand herab. Erst dann ging der Blick zum Partner, was folgte, war eine innige Umarmung.

Für Ittlinger war es der erste Erfolg, eine ungewohnte Situation: "Ich weiß noch gar nicht, was man machen soll, wenn man in Timmendorf fertig ist und nicht verloren hat", sagte die 26-Jährige bei SPORT1.

Bei den in einer Woche anstehenden Europameisterschaften in Lettland kann das Duo seine Erfolgsstory fortsetzen. Nach den Top-Leistungen in Timmendorf scheint am Strand von Riga alles möglich. 

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