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München - Florian Hempel hat mit dem Gewinn der Tour Card der PDC einen Durchbruch geschafft. Bei SPORT1 erklärt er, wie seine Handball-Vergangenheit dabei half.

Einst war er Zweitliga-Handballer beim Dessau-Roßlauer HV, nun ist ihm ein Durchbruch im Darts gelungen: Florian Hempel hat sich mit seinem Triumph bei einem Tagesturnier in der Qualifying School die Tour Card der PDC verdient.

Wie geht es nun weiter für den 30 Jahre alten Ex-Torwart, der 2017 die Sportart gewechselt hat?

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Im SPORT1-Interview spricht er über seine Pläne und Ziele - und erklärt, warum seine Erfahrungen im Handball ihm auch beim Darts eine Hilfe waren.

SPORT1: Herr Hempel, Sie haben letzte Woche die Tour Card der PDC gelöst. Haben Sie das bereits verarbeitet?

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Hempel: Es wird langsam realer. Der Tag des Sieges und der Tag danach waren nicht wirklich real. Jetzt merke ich aber langsam, dass das Sportliche wieder im Vordergrund steht. Man freut sich auf die Spiele und beschäftigt sich mit der Thematik, dass man bald im Flieger sitzt.

SPORT1: Haben Sie damit gerechnet, die Tour Card holen zu können?

Hempel: Meine Vorbereitung war sehr konzentriert, hart und zeitintensiv. Ich habe sehr viel investiert und ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich dort hingefahren bin, mit dem Ziel, es nicht zu schaffen. Dass es am Ende geklappt hat, zeigt, dass es sich gelohnt hat. Aber damit man es schafft, muss auch viel zusammenkommen.

SPORT1: Sie haben einen guten Average gespielt und mit starken Checkouts abgeschlossen. Waren Sie bereits vorher derart gut in Form, oder kann man nie wissen, ob man diese Leistungen am Ende auch abrufen kann?

Hempel: Mein Selbstbewusstsein ist von Tag zu Tag gestiegen. Mein Spiel mit jedem Tag souveräner und selbstverständlicher geworden. Das Gefühl für den Dart war an diesem Tag zu 100 Prozent da. Ich hatte das Gefühl, egal was der Gegner spielt, ich kann es toppen und mitspielen. Ich werde besser sein und eigene Fehler überleben. Das Gesamtgefühl hat sich im Laufe des Tages gesteigert und spätestens im Halbfinale war mir klar, dass das definitiv ein Sieg wird.

Hempel betreibt YouTube-Channel

SPORT1: Konzentrieren Sie sich aktuell komplett auf den Sport?

Hempel: Seit 2018 konzentriere ich mich voll und ganz auf Darts. Ich mache auch selbst viel im Darts-Umfeld, unter anderem einen YouTube-Channel mit einem Freund zusammen. In Köln organisiere ich Turniere und Veranstaltungen. Jetzt rückt natürlich das Sportliche noch mehr in den Vordergrund. Aufgrund von Corona war in den letzten Monaten ja ohnehin nicht viel an offenen und Hobby-Turnieren möglich.

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SPORT1: Hat die Tour Card ihre Jahresplanung über den Haufen geworfen?

Hempel: Man muss sehen, was passiert. Wann machen Veranstaltungsorte wieder auf, wann finden Turniere statt? Im Grunde gab es deshalb nicht viel über den Haufen zu werfen, weil aufgrund von Corona die Planungen ohnehin nur sehr kurzfristig sind.

SPORT1: Was wird Ihre erste Station auf der PDC-Tour sein?

Hempel: Am kommenden Mittwoch geht es nach Bolton/England. Dort finden vier Players Championship Turniere, die Super Series statt. Eine Woche später spiele ich dann bei den UK Open.

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Hempel trainiert mit Clemens

SPORT1: Können Sie an jedem Turnier der PDC-Tour teilnehmen? Ist die Teilnahme vielleicht manchmal auch eine finanzielle Frage?

Hempel: Der Plan ist, so viel wie möglich zu spielen. Nur wenn man viel spielt, kann man viel an Preisgeldern einspielen. Was wichtig ist, um in zwei Jahren die Tour-Card zu behalten. Ich will aber auch erstmal dort ankommen. Natürlich versuche ich alles mitzunehmen, was geht, finanziell ist es aber eine aufregende Sache. Man muss spontan Flüge buchen, das Hotel nicht nur für zwei, drei Nächte, sondern für eineinhalb Wochen buchen.

SPORT1: Wie sieht Ihre Vorbereitung aus? Trainieren Sie gemeinsam mit anderen Deutschen?

Hempel: Ich habe erst einmal einen Tag ausgespannt, jetzt bin ich aber wieder am Board. Es stehen Online-Darts-Turniere an. Ich trainiere auch mit anderen deutschen Topspielern zusammen. Online natürlich, mit dem nötigen Abstand. Von zuhause aus ist das sogar relativ bequem. Man macht die Webcam an und trainiert, kein Reisestress.

SPORT1: Mit welchen Deutschen trainieren Sie?

Hempel: Ich trainiere unter anderem mit Gabriel Clemens. Bei den Turnieren am Wochenende kommt es natürlich darauf an, wer sich anmeldet.

SPORT1: In der Vergangenheit haben Sie ja bereits gegen Topstar Simon Whitlock gespielt. Wie wird es für Sie sein, wenn Sie auf der Tour gegen große Namen spielen? Sind Sie aufgeregt? Oder doch gelöst, weil die Erwartungen von außen geringer sind?

Hempel: Als ich damals das Spiel gegen Simon Whitlock hatte, früh in die Halle kam und wusste, dass ich gegen die aktuelle Nummer elf der Welt spiele, da kam doch ein anderes Gefühl von Nervosität in mir hoch. Das konnte ich aber relativ schnell wieder ablegen. Wie es nächste Woche (Super Series von 25.-28. Februar, Anm. d. Red.) wird, wenn man in die Halle kommt und nicht mehr auf die altbekannten deutschen Spieler trifft, sondern dort unter anderem die besten zehn Spieler der Welt sitzen, weiß ich nicht. Das wird dann sicherlich aufregend und in mir etwas hervorrufen, das ich bisher noch nicht hatte. Ich hoffe aber natürlich, dass es sich nicht negativ auf mein Spiel auswirkt. Aber auch darauf werde ich mich mental bestmöglich vorbereiten.

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Hempel: So half mir Handball beim Darts

SPORT1: Was haben Sie sich für die PDC-Tour vorgenommen? Wollen Sie so gut spielen, dass Sie die Tour Card behalten können, oder haben Sie noch größere Ambitionen?

Hempel: Ich habe mir noch keine Ziele gesetzt. Überhaupt zum Turnier hinfliegen zu dürfen, ist absolut ein Privileg für mich. Dass ich mich in den nächsten zwei Jahren überhaupt mit diesen Spielern messen darf, ist für mich eine wirklich große Ehre. Jetzt heißt es erstmal ankommen, Luft schnuppern und mich so gut wie möglich sportlich etablieren. Natürlich möchte man die Karte, wenn man sie denn endlich einmal hat, nicht wieder hergeben. Ich habe jetzt zwei Jahre dafür Zeit, alles zu tun, um die Karte behalten zu können und das ist am Ende das Ziel.

SPORT1: Haben Sie einen Darts-Spieler als Vorbild?

Hempel: Natürlich ist Phil Taylor der Größte und Michael van Gerwen der Beste, ich schaue aber zu keinem Spieler als Vorbild auf.

SPORT1: Sie haben früher Handball gespielt und sind dann zum Darts gewechselt. War Darts immer schon Ihre heimliche Leidenschaft oder wie kam es, dass Sie die Sportart gewechselt haben?

Hempel: Das war tatsächlich Zufall. Als ich bereits kein Handball mehr gespielt habe, habe ich in Köln in einer WG gelebt. Dort hatten wir eine Dartsscheibe hängen und haben alle drei Wochen - samstags vorm Feiern gehen - ein bisschen gespielt. Und irgendwann hatte ich eine Woche Urlaub und habe mehr gespielt, dann habe ich mir ein richtiges Board und richtige Pfeile gekauft. So ist es gewachsen. Ich war am Anfang relativ schnell relativ gut. Ein gewisses Talent war da, die Fortschritte kamen meiner Meinung nach aber auch durch die Auge-Hand-Koordination vom Handball. Dann kam eins zum anderen.

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