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Längste Spiele im Eishockey, Norwegen, Storhamar Dragons, Sparta Warriors
Längste Spiele im Eishockey, Norwegen, Storhamar Dragons, Sparta Warriors © Getty Images
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Zwei Norwegische Teams halten seit 2017 den Rekord für das längste Eishockeyspiel der Geschichte. In den Top drei befindet sich auch eine Partie aus der DEL.

Den 13. März 2017 werden die Protagonisten in der "Nordlyshallen" im norwegischen Hamar mit Sicherheit niemals vergessen.

Denn dort ereignete sich in Norwegen an diesem Tag das längste Eishockeyspiel der Geschichte zwischen dem Gastgeber Storhamar Dragons und den Sparta Warriors. Erst nach 214 Minuten und 14 Sekunden erzielte Joakim Jensen in der achten Verlängerung des fünften Spiels in der Playoff-Viertelfinalserie um die norwegische Meisterschaft den Siegtreffer.

Zwischen dem Anpfiff um 18 Uhr und dem entscheidenden Treffer um 2.33 Uhr in der Nacht lagen somit inklusive aller Pausen mehr als achteinhalb Stunden. Zum Zeitpunkt des Siegtreffers befand sich daher auch nur noch ein Bruchteil der anfangs knapp 5.000 Zuschauer in der Halle.

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2017 Norwegen: Das längste Eishockey-Spiel aller Zeiten

Nach Ende der regulären Spielzeit von 60 Minuten hatte es 1:1-Unentschieden gestanden. Mitte des zweiten Drittels (32.) waren die Dragons erstmals in Führung gegangen, rund eine Viertelstunde später konnten die Gäste ausgleichen und retteten sich so in die Overtime. Wie in den Playoffs üblich, sollte die Entscheidung dort im sogenannten Sudden-Death-Modus fallen.

Das bedeutet, dass die Mannschaft das Spiel gewinnt, welche als erstes ein Tor erzielt. Obwohl die ersten 20 Zusatzminuten ohne Treffer geblieben waren, ging zu diesem Zeitpunkt wohl dennoch noch niemand von einem so geschichtsträchtigen Spiel aus. Doch trotz etlichen Chancen auf beiden Seiten wollte auch in den nachfolgenden sechs Verlängerungs-Dritteln kein Tor fallen.

"Es war grenzwertig und beinahe unverantwortlich. Das Verletzungsrisiko war wirklich hoch", fasste der damalige Warriors-Trainer Lenny Eriksson das Spiel anschließend zusammen. Wie er selbst sagte, empfand er Jensens Tor, der "schon in der zweiten Verlängerung Krämpfe" hatte, daher als "Befreiung".

Denn was die Angelegenheit zusätzlich erschwerte, war die Tatsache, dass die Essenvorräte in der Halle weit nach Mitternacht längst aufgebraucht waren. Während die Heimmannschaft in den späten Abendstunden wenigstens noch von einem nahegelegenen italienischen Restaurant mit Essen versorgt wurde, waren am Hallenkiosk irgendwann selbst die Schokoriegel aufgebraucht.

"Am Ende haben wir alles zu uns genommen, was wir in die Hände kriegen konnten, unter anderem Schokokuchen", erzählte Eriksson anschließend.

Geplagt von Müdigkeit, Hunger und Durst verließen mit zunehmender Spieldauer auch immer mehr Fans die Halle, sodass am Ende gerade einmal noch rund 1.000 von ihnen miterlebten, wie Jensen den insgesamt 189 Torschuss des Spiels zum viel umjubelten Sieg der Storhamar Dragons  nach über dreieinhalb Stunden Spielzeit im Gehäuse der Gastgeber unterbrachte.

Reguläre Spieldauer im Eishockey

Normalerweise erstreckt sich ein Spiel im Eishockey regulär über 60 Minuten reine Spielzeit. Das heißt, dass die Zeit - anders als beispielsweise im Fußball - bei jeder Unterbrechung angehalten wird. Dabei ist das Spiel unterteilt in drei Drittel à 20 Minuten. Nach jedem Drittel wird eine Pause von 15 Minuten eingelegt, in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sogar von 18 Minuten. (SPORT1 erklärt die Eishockey-Regeln)

Steht es nach Ablauf der regulären Spielzeit unentschieden, geht das Spiel in die Overtime - also in die Verlängerung. Während der Hauptrunde erstreckt sich die Overtime in den meisten Ligen über lediglich fünf Minuten. Um für mehr Spannung zu sorgen, wird dabei oftmals die Anzahl der eigentlich fünf Feldspieler reduziert. So wird z.B in der NHL und in der DEL 3-gegen-3 gespielt.

Steht es nach Ablauf der fünf Minuten weiterhin unentschieden, entscheidet das Penalty-Schießen über Sieg oder Niederlage. Dabei laufen abwechselnd drei Spieler jeder Mannschaft frei auf das gegnerische Tor zu und versuchen den Puck in diesem unterzubringen. Wer dabei mehr Treffer erzielt, gewinnt das Spiel. Steht es auch nach diesen drei Schützen weiter remis geht es im Sudden-Death-Modus weiter, bis eine Entscheidung gefallen ist.

Sonderregel Playoffs: Sudden Death

Eine Ausnahme zum Overtime-Modus in der Hauptrunde stellen die Playoffs dar. In diesen gibt es 20-minütige Sudden-Death-Verlängerungen. Es gewinnt also die Mannschaft, die das erste Tor schießt. Dabei wird so lange gespielt, bis einer Mannschaft der entscheidende Treffer gelingt.

Das führt dazu, dass es immer wieder zu solchen "Marathon-Matches" wie 2017 in Norwegen kommt. Dennoch hielt sich der bisherige Rekord für das längste Eishockeyspiel der Geschichte fast 80 Jahre.

1936 NHL: Detroit Red Wings und Montreal Maroons stellen alten Rekord auf

Am 24. März 1936 fiel die Entscheidung im NHL-Playoff-Halbfinale zwischen den Detroit Red Wings und den Montreal Maroons erst in der sechsten Verlängerung nach einer Gesamtspielzeit von 176 Minuten und 30 Sekunden. Um 2.35 Uhr in der Nacht erzielte Modere Fernand Bruneteau das einzige Tor des Tages zum 1:0-Sieg der Red Wings.

Kurios: Passgeber Pete Kelly verriet 2003, dass der Torrichter die sonst übliche rote Lampe nach dem Treffer nicht aufleuchten ließ. Der Legende nach sei er bereits eingeschlafen gewesen. Detroits Goalie Normie Smith erzählte später, er sei nach dem Spiel noch auf einen Drink in eine Bar und dort einfach zusammengeklappt.

"Die Leute dachten, ich sei stockbetrunken. Aber ich war einfach so müde, dass mir die Beine wegknickten", sagte er dem Chronisten Brian McFarlane.

2008: Längstes Spiel der DEL

Auch in Deutschland gingen schon etliche Spiele länger als 100 Minuten. Das bis heute längste Duell lieferten sich die Kölner Haie und Adler Mannheim am 22. März 2008.

Erst nach 168 Minuten und 16 Sekunden traf damals Philip Gogulla (Köln) zum Sieg für die Domstädter. Zwischenzeitlich hatten die Betreuer beider Mannschaften an den umliegenden Tankstellen Schokoriegel und Getränke besorgt, da man auf ein solches "Marathon-Match" nicht vorbereitet war.

DEL, längstes Spiel, Kölner Haie, Adler Mannheim
DEL, längstes Spiel, Kölner Haie, Adler Mannheim © Getty Images

Das Spiel war bis zum Duell zwischen den Storhamar Dragons und den Sparta Warriors auch gleichzeitig das längste in Europa ausgetragene Spiel der Eishockey-Geschichte. 

Zuletzt sorgten erst im April 2019 der EHC Red Bull München und die Augsburger Panther im DEL-Halbfinale mit einer Spieldauer von 103 Minuten und 34 Sekunden für das sechstlängste Spiel der Liga-Historie.

Die zehn längsten Eishockeyspiele der Geschichte in der Übersicht

1. Storhamar Dragons 2:1 Sparta Warriors (Norwegen/GET-ligaen, 13. März 2017) - 214:14 Minuten
2. Detroit Red Wings 1:0 Montreal Maroons (USA/NHL, 24. März 1936) - 176:30 Minuten
3. Kölner Haie 5:4 Adler Mannheim (Deutschland/DEL, 22. März 2008) - 168:16 Minuten 
4. Toronto Maple Leafs 1:0 Boston Bruins (USA/NHL, 3. April 1933) - 164:46 Minuten
5. HK Junost Minsk 2:1 HK Homel (Weißrussland/Extraleague, 7. März 2015) - 165:11 Minuten
6. Philadelphia Flyers 2:1 Pittsburgh Penguins (USA/NHL, 4. Mai 2000) - 152:01 Minuten
7. Quinnipiac University 3:2 Union College (USA/NCAA, 12. März 2010) - 150:22 Minuten
8. Lehigh Valley Phantoms 2:1 Charlotte Checkers (USA/AHL, 9. Mai 2018) - 146:48 Minuten
9. Philadelphia Phantoms 3:2 Albany River Rats (USA/AHL, 24. April 2008) - 142:58 Minuten
10. Jokerit Helsinki 2:1 HK ZSKA Moskau (Russland/KHL, 22. März 2018) - 142:09 Minuten

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