Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Kosice - Die deutsche Mannschaft zeigt bei der Eishockey-WM gegen die USA eine Trotzreaktion auf die Pleite gegen Kanada. Für Finnland fühlt sich das DEB-Team gerüstet.

Die deutschen NHL-Stars waren erleichtert, diesmal hatten sie keinen Grund, sich zu schämen.

"Über 60 Minuten war es unsere beste Turnierleistung", bilanzierte Korbinian Holzer bei SPORT1 – Zählbares sprang beim achtbaren 1:3 (1:1, 0:0, 0:2) gegen die USA allerdings nicht heraus. (Die Eishockey-WM LIVE im TV auf SPORT1 und im YouTube-Stream)

Holzer: "Runterspülen und Positives mitnehmen"

"Es ist natürlich bitter, dass wir jetzt ohne Punkte dastehen. Wir müssen das schnell runterspülen und das Positive mitnehmen. Und da war einiges dabei", ergänzte Holzer. "Wir haben gezeigt, dass wir mit den Großen mitspielen können." Und Dominik Kahun fügte hinzu: "Wir haben Charakter gezeigt und zurückgeschlagen." (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Anzeige

Dass es letztlich nicht zur Überraschung reichte, lag an der individuellen Klasse der Amerikaner, die auch das deutsche NHL-Trio Leon Draisaitl, Kahun und Holzer nicht stoppen konnte. (Statistiken zum Spiel)

Dennoch gab die Leistung im sechsten WM-Spiel der deutschen Mannschaft Selbstvertrauen - für das letzte Gruppenspiel am Dienstag (12.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im YouTube-Stream) gegen Finnland, dem nächsten scheinbar übermächtigen Kontrahenten. (Spielplan und Ergebnisse)

"Wenn jeder seine Arbeit macht, können wir auch gegen Finnland drei Punkte holen", gab Marco Nowak bei SPORT1 die Marschrichtung vor.

"Wir müssen immer härter arbeiten als der Gegner", formulierte Kahun das Rezept, das gegen den zweimaligen Weltmeister zum Erfolg führen soll. (Alle Infos zur Eishockey-WM)

Duell mit Topfavorit Russland droht

Deutschland braucht die Punkte: Bei einer weiteren Niederlage droht ein Viertelfinalduell gegen Rekordweltmeister und Olympiasieger Russland um den NHL-Superstar Alexander Ovechkin.

Meistgelesene Artikel

Beinahe hätte sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) bereits gegen die USA belohnt, doch das zweite Turniertor des Kölners Frederik Tiffels (12.) reichte vor 6293 Zuschauern in der Steel Aréna in Kosice nicht zum Sieg.

Die Mannschaft von Bundestrainer Toni Söderholm rutschte nach Gegentreffern von James van Riemsdyk (14.), Dylan Larkin (51.) und Jack Eichel (57.) in der Gruppe A auf den vierten Tabellenplatz ab.

"Mir war sehr wichtig, dass wir heute eine sehr hohe Arbeitsmoral auf dem Eis sehen. Wir haben von Anfang an ein ganz anderes Gesicht als noch im letzten Spiel gezeigt. Alle Spieler haben sich gesteigert", sagte der Bundestrainer.

Unterstützung der slowakischen Fans

Kapitän Moritz Müller hatte nach der Kanada-Pleite auf einen Weckruf gehofft - und Draisaitl und Co. reagierten eindrucksvoll. Sie begannen deutlich aggressiver und zweikampfstärker. Die slowakischen Fans feuerten sie mit "Deutschland, Deutschland"-Rufen an und jubelten beim Führungstor durch Tiffels. Nur bei einem deutschen Sieg hätte der Gastgeber noch eine Chance auf die K.o.-Runde gehabt.

Jetzt aktuelle Eishockey-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Beim Ausgleich war der starke Düsseldorfer Mathias Niederberger, der ins Tor zurückgekehrt war, machtlos. Erneut fehlten NHL-Goalie Philipp Grubauer (muskuläre Probleme) und Youngster Moritz Seider (Gehirnerschütterung).

Plachta im Pech

Pech hatte der Mannheimer Matthias Plachta mit einem Lattenschuss (22.). Der US-Collegespieler Marc Michaelis scheiterte mit einem Alleingang (34.). Auch im Schlussdrittel hielt das deutsche Team das Spiel lange offen. (Statistiken zum Spiel)

Tags zuvor waren Draisaitl und Co. nach dem Höhenflug der ersten Woche böse abgestürzt. Ohne Kampfgeist, ohne taktische Disziplin, ohne Zug zum Tor ergaben sie sich in ihr Schicksal. Von den Tugenden aus den ersten Spielen war nichts mehr zu sehen. "Wir müssen ehrlich zueinander sein", mahnte Müller, "wir haben nicht genug investiert."

"Alles" muss sich ändern

Söderholm hatte sich schützend vor seine Mannschaft gestellt und die Schuld auf sich genommen. Er habe sie "schlecht vorbereitet", sagte der Nachfolger von Marco Sturm. Auf die Frage, was sich ändern müsse, antwortete der Finne kurz und knapp: "Alles."

Mit der vorzeitigen Viertelfinalteilnahme hatte die DEB-Auswahl, die erstmals seit 1930 mit vier Siegen in die WM gestartet war, auch die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2022 perfekt gemacht. "Das ist ein riesiger Meilenstein", sagte DEB-Präsident Franz Reindl, "und bringt Planungssicherheit".

Nächste Artikel
previous article imagenext article image