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"MoAuba" triumphiert beim FIFA eWorld Cup in London und verblüfft damit vor allem sich selbst. Sein Gewinn ist offenbar bereits innerhalb der Familie verplant.

Mohammed Harkous hielt sich mit beiden Händen die Stirn und rang um Fassung, ehe er seine Freundin mit Tränen in den Augen umarmte.

Weltmeister in der Fußball-Simulation FIFA 19, als erster Deutscher überhaupt. "Das ist nicht normal, unglaublich", sagte der 22-Jährige von Werder Bremen nach seinem überraschenden Triumph beim FIFA eWorld Cup in London: "Das habe ich nicht erwartet. Ich wollte eigentlich nur weit kommen und ein bisschen Geld einsacken." 

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Es wurde mehr als nur ein bisschen. Der Nationalspieler, der sich im Spiel "MoAuba" nennt, erhielt ein Preisgeld in Höhe von 250.000 Dollar (rund 225.000 Euro) und ein neues Auto. Was mit dem Geld passieren wird? "Meine Familie hat das schon verplant. Meine Mutter und meine Schwestern haben schon alle Online-Shops leer gekauft, da wird für mich nichts übrig bleiben", sagte Harkous lächelnd. 

"MoAuba" behält im Finale die Nerven

Zuletzt hatte sich der 16-jährige Amerikaner Kyle Giersdorf bei der Fortnite-WM zum Multimillionär gezockt, der große Preisgeld-Unterschied machte Harkous aber nichts aus: "Das reicht mir komplett. Wenn es um drei Millionen gehen würde, dann würde mein ganzer Körper zittern." 

Der Weltranglistenfünfte der PS4 bewies bei seinem Erfolgslauf starke Nerven, das Halbfinale auf der PlayStation und das konsolenübergreifende Endspiel waren regelrechte Krimis. Der favorisierte Titelverteidiger Mosaad "Msdossary" Aldossary (19) konnte im Final-Hinspiel auf der Xbox seinen Heimvorteil nicht nutzen. Harkous erkämpfte sich ein 1:1 und besiegelte mit einem knappen 2:1 im Rückspiel auf der PS4 den größten Erfolg seiner Karriere. 

Zuvor hatte Harkous in einem dramatischen Halbfinale seinen Angstgegner Nicolas "nicolas99fc" Villalba vom FC Basel aus dem Turnier geworfen. Gegen den Weltranglistenersten aus Argentinien führte "MoAuba" nach dem Hinspiel bereits komfortabel mit 4:1, gab den Vorsprung in der Nachspielzeit des Rückspiels allerdings noch aus der Hand. Beim 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen blieb Harkous cool, obwohl beide Profis ihre ersten drei Versuche vergaben. 

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ließ es sich nicht nehmen, dem neuen Weltmeister zu gratulieren.

"Wir sind sehr stolz auf Ihre herausragende Leistung! Gleichzeitig freuen wir uns auch für Ihren Verein Werder Bremen und dessen eSports-Abteilung, für die Sie bereits zahlreiche Erfolge gefeiert haben, aus denen dieser Gewinn aber sicherlich herausragt", schrieben die DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball in einem gemeinsamen Gratulationsschreiben mit DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. Der DFB lud Harkous zum EM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande am 6. September nach Hamburg ein.

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Bei den anwesenden Fans in London sorgte das historische Duell für Euphorie und Beifall. Publikumsliebling Harkous erfreut sich in der eSport-Szene aufgrund seiner positiven Art großer Beliebtheit. Das zeigte sich auch in der für die WM umgebauten O2-Arena, wo sich unter anderem Tennisprofi Alexander Zverev im vergangenen November zum ATP-Champion gekrönt hatte. 

Mehrere Millionen Fans fieberten mit

Am Sonntag feierten knapp 1700 Zuschauer den Triumph des Außenseiters. Die Begegnungen am Freitag und Samstag hatten noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. "Dass so viele gekommen sind, ist relativ gut. Die Preise waren mit 20 Euro echt teuer. Wenn man das in Zukunft ein bisschen günstiger macht, kann man die fünffache Menge erwarten", sagte Harkous. 

Der geringe Zuschauerzuspruch im Vergleich zu anderen Spieletiteln ist seit jeher das große Problem der Fußball-Simulation. Auch in London gab es keine Fangesänge, einzig Tore und vergebene Chancen lösten Reaktionen aus. Die Profis zockten in ihren Spielerboxen auf einer futuristisch eingerichteten Bühne, die Blicke der Fans waren aber hauptsächlich auf die große LED-Leinwand mit der TV-Übertragung gerichtet. 

Allerdings wurde die WM in sechs Sprachen übertragen, weltweit sahen wieder mehrere Millionen Fans zu. Auch in Deutschland sind die Leistungen von Weltmeister Harkous nicht unbemerkt geblieben. 

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