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Das Training mit Faszienrollen soll viele positive Effekte haben. © Christin Klose/dpa-tmn
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Übungen mit der Faszienrolle sollen Verspannungen lösen und das Bindegewebe straffen. Wird dieser Trainingseffekt tatsächlich erzielt?

Rund um Faszienrollen beziehungsweise das sogenannte Foam Rolling gibt es viele Versprechen.

Glaubt man den Herstellern von Faszienrollen - auch Blackroll genannt -, haben die Trainingsgeräte gleich mehrere positive Effekte: So sollen sie zum Beispiel Verspannungen und Blockaden der Faszien lösen, die Beweglichkeit verbessern oder das Bindegewebe stärken. Bei regelmäßiger Verwendung soll zudem die Durchblutung gesteigert werden.

Was ist die Faszienrolle?

Bei der Faszienrolle handelt es sich um eine Rolle aus Hartschaum, die zur Selbstmassage Anwendung findet und in neurologischen, orthopädischen, sportmedizinischen und Fitness-Einrichtungen eingesetzt wird.

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Erfunden wurde die originale Blackroll im Jahr 2007 von Jürgen Dürr, einem Physiotherapeuten aus dem schwäbischen Raum.

Ziel ist es, unelastische, verklebte Faszien zu lockern und nach und nach elastischer zu machen.

Aber was sind Faszien überhaupt?

Faszien sind Bindegewebsschichten, die einzelne Muskeln, Organe, Sehnen und auch Knochen wie eine Schutzschicht umgeben und gleichzeitig die Bestandteile des Körpers miteinander verbinden. Mit einer Dicke von nur wenigen Millimetern ist das Gewebe der Faszien vergleichsweise dünn, kann aber einige Kilogramm des gesamten Körpergewichts ausmachen.

Faszien können verkleben und erhöhen so die Spannung auf unsere Muskeln, was sich in Unbeweglichkeit, Schmerzen und Verspannungen äußern kann. Die Ursachen für verklebte Faszien sind vielfältig: Hohe Belastungen, einseitige Bewegungen, mangelnde Regeneration, Stress, zu wenig Bewegung aber auch Verletzungen oder Operationen können Auslöser sein.

Training mit der Faszienrolle: Was bringt's?

Das Training mit der Faszienrolle - häufig auch bekannt als Blackroll - soll Abhilfe verschaffen.

Durch die gezielte Druckausübung wird die Durchblutung der Faszien angeregt und die Nährstoffversorgung verbessert. So kann der Körper das Bindegewebe mit der Zeit umbauen, es wird elastischer. Möglich ist das bei allen verspannten Körperpartien - vom Rücken bis zur Wade.

Anwendungsfelder des Faszientrainings im Überblick

  • Lösen von Faszien-Verklebungen
  • Linderung von spannungsbedingten Schmerzen
  • Verbesserung der Belastbarkeit von Muskulatur, Bändern und Sehnen
  • Verkürzung der Regenerationszeit der Muskeln
  • Verbesserung der Hautstruktur
  • Förderung der Durchblutung, Anregung des Stoffwechsels
  • Verbesserung des Körpergefühls
  • Vorbeugen von Verletzungen

Welche Faszienrollen gibt es?

Faszienrollen gibt es in den verschiedensten Formen, Größen, Härtegraden und mit unterschiedlichen Oberflächen.

Neben der klassischen Blackroll gibt es beispielsweise den Blackroll DuoBall, der aus zwei Schaumstoffbällen besteht, die mit einem Verbindungsstück in der Mitte zusammengesetzt sind. Der DuoBall eignet sich bestens dafür, die Faszien der am Rücken zu behandeln.

Mit dem Blackroll Massageball können bestimmte Körperregionen punktuell und gezielt angesteuert werden. So ist der Ball etwa optimal geeignet, um die Fußsohle zu behandeln.

Die klassische Blackroll gibt es darüber hinaus in einer kleineren Ausführung, dem Mini Foam Roller. Mit der Mini-Rolle lassen sich Waden, Füße, Arme oder Hände gut massieren.

Aber auch in ihrem Härtegrad unterscheiden sich Blackrolls. Standard ist der mittlere Härtegrad. Bei der Marke Blackroll ist aber bereits die Standard-Rolle sehr hart. Trotzdem wird sie von vielen Einsteigern gewählt.

Gerade für Anfänger ist es jedoch ratsam, eine weichere Rolle für das Faszientraining zu verwenden, um das Gewebe langsam an die neue Belastung zu gewöhnen.

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So funktioniert Faszientraining

Die Anwendung der Massagerolle Blackroll ist denkbar einfach. Man legt sich beispielsweise nach dem Sport mit der gewünschten Muskelpartie auf die Rolle und rollt über den Muskel.

An verhärteten oder schmerzenden Stellen sollte man einige Sekunden anhalten und langsam und gezielt weiter rollen. 

Wie viel Druck von der Rolle auf die Muskulatur wirkt, lässt sich ganz einfach variieren. Durch das Abstützen der Arme oder des nicht aktiven Beins während den Übungen kann die Intensität gesenkt werden.

Intensiver wird das Faszientraining hingegen, wenn beispielsweise das nicht aktive Bein über das aktive gelegt wird. Durch das zusätzliche Gewicht erhöht sich der Druck au die Faszien.

Kaum wissenschaftliche Nachweise

Wissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit von Übungen mit der Massagerolle existieren aber kaum, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

Freizeitsportler brauchen daher keine Rolle, um zum Beispiel ihre Muskulatur zu lockern - herkömmliche Dehnübungen reichen dafür aus. Glaubt man den Herstellern von Faszienrollen, haben die Trainingsgeräte gleich mehrere positive Effekte: So sollen sie zum Beispiel Verspannungen lösen, die Beweglichkeit verbessern oder das Bindegewebe stärken.

Faszienrollen: Risiken nicht erforscht

Forscher der Universität Wuppertal fanden in Experimenten aber keine Beweise für die Wirksamkeit der Übungen mit der Massagerolle. So konnten die Teilnehmer nach einer kurzen Übung mit den Rollen zum Beispiel nicht höher springen - nach zehn Minuten auf dem Fahrradergometer aber schon.

Auch mögliche Risiken des Faszientrainings seien bisher kaum erforscht, warnt Studienleiter Christian Baumgart. Langfristig könnte das Training mit der Massagerolle zum Beispiel Schäden an den Venenlappen verursachen. Und auch andere negative Effekte seien denkbar, zum Beispiel auf die Haut, die Knochen und die Muskulatur.

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