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2018 Australian Open - Day 2
Auch Tennis-Star Simona Halep hatte schon mit einem Bänderriss zu kämpfen © Getty Images
Lesedauer: 11 Minuten
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München - Der Bänderriss zählt zu de häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Aber er kann auch im Alltag auftreten. SPORT1 erklärt Ursachen, Symptome und Therapien.

Spricht man von einem Bänderriss, verstehen die meisten Personen darunter eine Ruptur der Außenbänder am Sprunggelenk. Aber ein Bänderriss kann überall dort auftreten, wo sich Gelenke befinden. Er gehört zu den häufigsten Verletzungen im Sport.

SPORT1 erklärt den Bänderriss mit seinen Symptomen und Ursachen. Dazu gibt SPORT1-Experte Dr. med. Florian Dreyer Tipps zur Behandlung und Vermeidung.

Für den schnellen Leser

  • Was steckt hinter dem Bänderriss? (Teil-)Riss eines Bands
  • Was sind die Symptome? stechender Schmerz, Schwellung, Bluterguss, Instabilität
  • Was sind die Ursachen? Überlastung des Bands bis zum Riss durch eine unnatürliche Bewegung oder einen Schlag
  • Wie läuft die Diagnose? funktionelle Tests (variieren je nach betroffenem Gelenk), MRT
  • Wie läuft die Behandlung? konservative Therapie mit Schiene, OP
  • Wer ist der Ansprechpartner? Orthopäde
  • Wie ist die Prognose? Genesungszeit von rund sechs Wochen

Symptome

Beim Bänderriss reißen die Fasern eines Bands ganz oder nur teilweise. Das geschieht meist beim Sport, wenn ein Gelenk stark gedreht oder geknickt wird. Kommt es zusätzlich zu einer Verletzung der Gelenkkapsel, spricht man von einer Kapsel-Band-Verletzung.

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Bänder - in der Fachsprache Ligamente - bestehen aus Bindegewebe und verbinden die Knochen eines Gelenks miteinander. So stellen etwa die Außen- und Kreuzbänder im Knie eine Verbindung zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schien- und Wadenbein her.

Bänder dienen der Stabilisierung des Gelenks und sind an der Bewegungsführung beteiligt. Außerdem schränken sie Bewegungen ein, damit es nicht zu einer Überstreckung des Gelenks kommt. Reißt ein Ligament, kann es diese Funktionen nicht mehr erfüllen.

Wenn das passiert, verspürt der Betroffene meist einen stechenden Schmerz. Meist tritt nach wenigen Minuten eine starke Schwellung der betroffenen Partie auf. Innerhalb der nächsten Stunden entwickelt sich ein Bluterguss unter der Haut. Zudem kommt es durch das Fehlen des Bands als Stabilisierungsfaktor zu einer Instabilität im betroffenen Gelenk. Kann das Gelenk nicht mehr belastet werden, weist das auf einen vollständigen Riss hin.

Eine Ausnahme bildet der Kreuzbandriss. Hier ist es möglich, dass keine starken Schmerzen auftreten. Vor allem wenn es keine Begleitverletzungen gibt. Dadurch wird ein Kreuzbandriss oft nicht sofort erkannt. 

Symptome im Überblick

  • plötzlicher, stechender Schmerz
  • Schwellung
  • Bluterguss 
  • Instabilität des Gelenks

Ursachen

Einem Bänderriss liegt in der Regel eine Bewegung des Gelenks zugrunde, die über das natürliche Maß hinausgeht. Das ist beispielsweise beim Umknicken oder Verdrehen eines Gelenks der Fall. Auch eine äußere Gewalteinwirkung wie ein Schlag kann Ursache für einen Bänderriss sein. In allen Fällen wird das Band überlastet, es überdehnt und reißt teilweise oder ganz.

Ein Außenband-Riss am oberen Sprunggelenk gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Besonders hoch ist die Gefahr dieser Bandverletzung bei Sportarten wie Basketball, Fußball und Handball. Bei Basketballern ist das Risiko für einen Außenband-Riss am Fuß bis zu sechsmal höher als bei anderen Sportlern.

Aber nicht nur während einer sportlichen Aktivität kann es zu einem Bänderriss am Fuß kommen. Auch in alltäglichen Situationen besteht ein Risiko. Beispielsweise wenn man an einem Bordstein abrutscht oder in hohen Schuhen mit dem Fuß umknickt. 

Zum Innenband-Riss am Sprunggelenk kommt es hingegen selten. Das liegt an der höheren Stabilität des Innenbands. Er tritt normalerweise in Kombination mit einem Knochenbruch am Sprunggelenk auf.

Ursachen im Überblick

  • Umknicken oder Verdrehen eines Gelenks
  • Schlag von außen

Diagnose

Schon bei der Anamnese durch einen Arzt kann sich durch die Beschreibung des Unfallhergangs der Verdacht auf einen Bänderriss ergeben. Auch eine Schwellung und ein Bluterguss deuten auf eine Bandverletzung hin.

Um eine Unterscheidung zwischen einem Bänderriss und einer Bänderdehnung vornehmen zu können, wird der Arzt die Stabilität und Funktionalität des Gelenks überprüfen - diese Untersuchung erfolgt allerdings noch nicht in der akuten Situation.

Bei einer Verletzung am Sprunggelenk kippt der Mediziner zum Beispiel den hinteren Teil des Fußes nach innen. Ist das Aufklappen möglich, deutet das auf einen Außenbandriss hin.

Liegt der Verdacht auf einen Kreuzbandriss nahe, dienen verschiedene Tests wie der Schubladen-Test, der Lachmann-Test und der Pivot-Shift-Test zur Diagnose. Beim Schubladen-Test liegt der Patient mit dem Rücken auf einer Liege, das betroffene Knie wird gebeugt und der Unterschenkel aufgestellt. Wenn der Unterschenkel gegen den Oberschenkel in der jeweiligen Richtung um mehr als fünf Zentimeter verschiebbar ist, gilt der Test als positiv. Bei positiver vorderer Schublade ist das vordere Kreuzband gerissen, bei positiver hinterer Schublade das hintere.

Beim Lachmann-Test wird der Unterschenkel mit beiden Händen umfasst und nach vorne gezogen. Die Verschiebbarkeit des Unterschenkels gibt dem Arzt Aufschluss darüber, ob eine Kreuzbandruptur vorliegt. Beim Pivor-Shift-Test liegt der Patient in Rückenlage. Unter Innenrotation und Druck in Richtung der Hüfte wird das gestreckte Bein langsam in die Beugung gebracht. Kommt es zu einer unvollständigen Ausrenkung des Schienbeins, liegt ein vorderer Kreuzbandriss vor.

Vermutet der Arzt einen Bänderriss im Daumengelenk, wird er den sogenannten Papierstreifenhalte-Test durchführen. Der Patient muss versuchen, ein Blatt Papier zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten. Ist das lediglich mit gebeugtem Daumengelenk möglich, deutet das aufgrund der fehlenden Stabilität auf eine Bänderruptur hin.

Auch bildgebende Verfahren finden zur Diagnose eines gerissenen Bandes Anwendung. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) schafft Klarheit: Der Arzt kann anhand der Bilder einen Bänderriss klar diagnostizieren. Ist aber beispielsweise eine konservative Therapie unabhängig vom Ausmaß der Verletzung ausreichend, wie beim Außenbandriss der Fall, wird auf ein MRT verzichtet. "Ich mache nur einen Kernspin, wenn es eine Therapierelevanz hat. Also wenn ich zusätzliche Verletzungen ausschließen will, die eine operative Therapie erfordern" erklärt Dr. Dreyer.

Auf dem Röntgenbild lassen sich zwar keine Bänder erkennen, allerdings dient es dazu, zusätzliche Verletzungen am Knochen auszuschließen. 

Wie sieht die Behandlung beim Bänderriss aus?

Direkt nach dem Bänderriss sollte das betroffene Gelenk nach der PECH-Regel mit Erste-Hilfe-Maßnahmen behandelt werden.

Die PECH-Regel

Als Gedächtnisstütze für die Erstversorgung bei einem Bänderriss sorgt die PECH-Regel:

P-ause: direkt nach dem Unfall mit dem Sport aufhören und das verletzte Band ruhigstellen
E-is: Die verletzte Stelle kühlen, um ein mögliches Hämatom zu verhindern
C-ompression: Die Blutzufuhr in die betroffene Stelle durch Druck verringern, um eine Schwellung zu verhindern
H-ochlagerung: Die betroffene Stelle hochlagern, um eine Einblutung zu verhindern

Zudem ist es ratsam, entzündungshemmende Medikamente einzunehmen. Danach gibt es, wie bei den meisten Verletzungen, auch beim Bänderriss die Wahl zwischen einer konservativen und operativen Behandlung.

Bei der konservativen Behandlung werden die betroffenen Bänder mit einer Schiene stabilisiert. Diese sollte circa sechs Wochen ohne Unterbrechung getragen werden, also auch beim Schlafen. Erst danach kann das Gelenk wieder voll belastet werden. So eine Orthese kommt vor allem bei einem Außenbandriss im Sprunggelenk zur Anwendung. Operiert wird hierbei nur, wenn zusätzlich eine Verletzung am Knochen vorliegt, das Sprunggelenk ausgerenkt ist oder eine chronische Instabilität vorhanden ist. "Mit einer Bandage oder einem Tapeverband kann eine erneute Verletzung verhindert werden. Gleichzeitig sollte aber ein Stabilisationstraining erfolgen", sagt Dr. Dreyer.

Der SPORT1-Experte rät dringend dazu, nach einer Bandverletzung am Sprunggelenk sechs bis acht Wochen Pause zu machen. "Wenn man eine Bandverletzung nicht adäquat behandelt und zu früh wieder mit Sport einsteigt, besteht immer das Risiko, dass die Bänder ausleiern." Das könne dazu führe, dass man immer wieder umknicke und "dass die Muskulatur an den Sehnen mit der Zeit kaputt geht."

Bei einem Bänderriss am Daumengelenk folgt in der Regel eine Operation. Dabei wird das Band genäht und falls notwendig wieder am Knochen befestigt. Nach der OP muss der Patient bis zu sechs Wochen einen Gips tragen.

Beim Kreuzbandriss wird besonders bei jungen und sportlich aktiven Patienten ein operativer Eingriff bevorzugt. Das Kreuzband wird durch eine körpereigene Sehne ersetzt. Die Genesungszeit beträgt mindestens ein halbes Jahr.  Eine konservative Therapie mit Schiene und anschließender Krankengymnastik kommt zum Einsatz, wenn der Betroffene keine hohe Beanspruchung des Knies vorweist und keine sportlichen Aktivitäten mehr ausübt. 

Egal für welche Therapie man sich entscheidet, wichtig ist, dass eine Behandlung erfolgt. Ist das nicht der Fall, kann es zu einem Gelenkverschleiß, einer sogenannten Arthrose kommen. Sowohl bei konservativer als auch operativer Behandlung sollte anschließend eine physiotherapeutische Behandlung und Krankengymnastik erfolgen.

Prävention im Sport

Einem Bänderriss kann man mit Koordinations- und Stabilisationsübungen vorbeugen. Mit solchen Übungen kann gezielt die Fähigkeit der Muskeln, die Gelenke in ihrer Instabilität zu unterstützen, gefördert werden. Gleichgewichtstraining beispielsweise auf einem Wackelbrett trainiert die Beinmuskulatur und kann sowohl das Sprunggelenk als auch das Knie vor Verletzungen schützen, indem die kräftigen Muskeln unnatürlichen Gelenkbewegungen entgegen wirken.

"Bänder arbeiten zwar nicht selbst, da es sich nur um eine Struktur handelt, die zwischen zwei Knochen fixiert ist. Aber es sind Nervenrezeptoren vorhanden, die mit propriozeptivem Training – also Stabilisationstraining - angesteuert werden können", erklärt Dr. Dreyer die Hintergründe.

Schienen können nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Prävention von Bänderrissen dienen. Eine Studie der Universität Münster hat gezeigt, dass die Häufigkeit von Sprungelenksverletzungen durch die Anwendung von Fuß-Orthesen und Stabilisationstraining um 40 Prozent vermindert werden kann. Als Alternative für eine Schiene kann auch ein Tapeverband zur Stabilisation des Knöchels bzw. des verletzten Gelenks dienen.

Sportarten wie Basketball, Handball oder Fußball weisen ein hohes Risiko für Verletzungen am Sprunggelenk auf. In der Basketball-Bundesliga handelt es sich mit 20 Prozent aller Verletzungen um die am häufigsten beobachtete Diagnose. Daher lohnt sich ein Blick auf das passende Schuhwerk. Viele Basketballer machen es vor und tragen spezielle Schuhe, die am Schaft über die Knöchel hinweg erhöht sind.

Schuhe mit einem höheren Schaft können Sprunggelenksverletzungen vorbeugen © Getty Images

Meistens ziehen sich Basketballer einen Bänderriss am Sprunggelenk zu, wenn sie nach dem Sprung auf dem Fuß eines Gegenspielers landen. Kontaktverletzungen sind hingegen selten.

Beim Fußball ist die Gefahr eines Kreuzbandrisses höher. Hier empfiehlt es sich, Fußballschuhe mit geringerer Stollenbreite und -tiefe zu tragen. Denn: Eine geringere Griffigkeit des Schuhs senkt das Risiko eines Kreuzbandrisses, da das Bein plötzliche Bewegungsänderungen des Körpers einfacher mitmachen kann.

Dr. med. Florian Dreyer ist Facharzt für Orthopädie und leitender Oberarzt im Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Schön Klinik München Harlaching. Neben der Durchführung von über 3500 Operationen an Fuß und Sprunggelenk werden hier in einem der weltweit größten Schwerpunktzentren internationale Sportler aus Breiten-, Leistungs- und Spitzensport mit medizinischen Fragestellungen zu Fuß und Sprunggelenk betreut und versorgt. Seit 2007 betreut er die Bob- und Skeleton-Nationalmannschaft des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland. Dr. Dreyer war 2018 als Olympiaarzt bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang tätig. Seit einigen Jahren leitet er zudem das medizinische Team der Beachhandball-Nationalmannschaften des Deutschen Handballbundes. Neben der Versorgung von internationalen Leistungssportlern fungiert er zudem als Ansprechpartner für leistungsorientierte Mannschaften diverser Sportarten im Großraum München.

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