vergrößernverkleinern
SPORT1-Experte Peter Neururer (r.) ist auf Bochums Geschäftsführer Christian Hochstätter nicht gut zu sprechen
SPORT1-Experte Peter Neururer (r.) ist auf Bochums Geschäftsführer Christian Hochstätter nicht gut zu sprechen © Getty Images

München - Die erneute Trainerentlassung bei seinem Ex-Klub bringt SPORT1-Experte Peter Neururer auf die Palme. An den Verantwortlichen lässt er kein gutes Haar.

Die Entlassung von Trainer Ismail Atalan am Montag hat Fans und Experten des VfL Bochum gleichermaßen irritiert. Immerhin war es die zweite Beurlaubung eines VfL-Coaches innerhalb der vergangenen drei Monate. Erst im Juli war Gertjan Verbeeck der Stuhl vor die Tür gestellt worden.

"Ich habe nur eine Idee für die Lösung der Probleme beim VfL und die ist leider nicht durchführbar, nämlich der Aufsichtsrat und Christian Hochstätter (VfL-Sportvorstand, d. Red.) müssen weg", sagt SPORT1-Experte Peter Neururer, der zum Jahreswechsel 2014/2015 von Verbeek beim VfL abgelöst wurde und bereits von 2001 bis 2005 den VfL trainierte.

Auch für Neururers Entlassung damals war die aktuelle Führungsriege um Hochstätter verantwortlich.

"Diese Herren zeichnen sich nur durch die absolute Inkompetenz aus, das ist nicht mehr nachvollziehbar", schimpft der 62-Jährige.

Neururer: Bochum früher "ein Traumverein"

"Früher war der VfL ein Traumverein, was die Führung unter einem Werner Altegoer (Ex-Präsident, d. Red.) betraf", meint Neururer. "Aber was diese Leute jetzt aus dem Klub machen, ist der Wahnsinn."

Hochstätter ist in Neururers Augen zwar nicht der alleinige Schuldige an der VfL-Misere. "Er ist aber das ausführende Organ. Er trifft fragwürdige Entscheidungen. Im Sommer hat er Ismail Atalan zwei Wochen vor der Saison eingestellt. Und diesen Trainer entlässt er dann nach nur drei Monaten wieder. Das ist grob fahrlässig."

Schon die Umstände bei seiner eigenen Beurlaubung konnte Neururer nicht verstehen: "Erst wird ein Verbeek eingestellt, weil er ein Haus in den Niederlanden bauen kann, vorher wurde ich wegen vereinsschädigenden Verhaltens beurlaubt. Die einzigen Personen, die sich vereinsschädigend verhalten, sind die Herren Engelbracht (VfL-Vorstand, d. Red.), Hochstätter sowie der komplette Aufsichtsrat, der einfach nur zuschaut."

Hochstätter räumte in der Trainer-Entscheidung inzwischen bereits Fehler ein. "In den Tagen nach dem Spiel gegen Holstein Kiel verfestigte sich bei mir zunehmend die Ansicht, dass wir mit Ismail Atalan unsere sportlichen Ziele leider nicht erreichen werden. Ich habe mich in der Einschätzung des Trainers getäuscht. Das ist mein Fehler und dazu stehe ich."

Dass Hochstätter von sich aus gehen werde, glaubt Neururer nicht. "Er hat keinen Charakter und fachlich ist er eine Katastrophe", meint der ehemalige VfL-Coach.

Suspendierung von Bastians "unvorstellbar"

Auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende sei den Leuten eine heile Welt vorgegaukelt worden. "Atalan wurde da begrüßt unter dem Jubel der Mitglieder, dabei war er längst entlassen. Ich kenne den VfL ganz anders. Damals gab es noch Strukturen und eine Art Leitbild, nachdem man gelebt hat. Heute versteht das Leitbild leider keiner mehr."

Er habe immer noch ein sehr gutes Verhätnis zu den meisten Spielern, erklärt Neururer. Einer von ihnen sei Felix Bastians, den er selbst einst zum VfL holte.

"Den Felix Bastians wollte Hochstätter gar nicht haben, und das ist jetzt das Problem", urteilt Neururer. "Der Junge war vor drei Wochen noch der Kultspieler und wurde für seine Eigenschaften gelobt. Und der wird plötzlich suspendiert, das ist unvorstellbar."

Er habe "eine große emotionale Verbindung zum Verein", sagt der Trainer-Routinier. "Aber solange diese Leute da sind, werde ich niemals nur mit einem von ihnen sprechen. Da kann kein Trainer der Welt helfen."

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel