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München - Das Bezirksamt Hamburg-Mitte prüft, ob HSV-Profi Bakery Jatta bei seiner Einreise als Flüchtling nach Deutschland eine falsche Identität vorgegeben hat. Es drohen Konsequenzen.

Ist Bakery Jatta nun in Wahrheit Bakary Daffeh oder nicht? Der Fall des Mittelfeldspielers vom Hamburger SV hält die 2. Liga in Atem.

Die Sport Bild hatte vor gut drei Wochen berichtet, Jatta habe bei seiner Einreise als Flüchtling im Sommer 2015 falsche Angaben bezüglich seiner Identität gemacht. Jatta sei in Wahrheit der Gambier Daffeh und zwei Jahre älter als angegeben.

Damals war Jatta als minderjähriger Flüchtling in Deutschland geduldet worden. Mit Erreichen der Volljährigkeit erhielt Jatta eine Aufenthaltsgenehmigung, weil er einen Profivertrag beim HSV unterzeichnet hatte und somit in einem gesicherten Arbeitsverhältnis mit entsprechendem Einkommen stand.

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Welche Konsequenzen hätte es nun, wenn sich herausstellte, dass Jatta tatsächlich Daffeh ist? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen:   

Wie ist der Stand?

Der Fall liegt derzeit zur Prüfung beim Bezirksamt Hamburg-Mitte, das sich auch mit den Behörden in Gambia im Austausch befindet.

Am Dienstag hat Jatta dort über seinen Anwalt Thomas Bliwier seine angeforderte Stellungnahme abgegeben. "Wir haben die Vorwürfe zurückgewiesen", erklärte Jattas Rechtsbeistand. Er sei "sehr zuversichtlich", dass das Verfahren eingestellt werde. Die Behörde ließ unterdessen verlauten, dass "auf weitere Informationsquellen zurückgegriffen wird. Es ist völlig offen, was dabei herauskommt."

Wie verhalten sich DFL und DFB?

Die DFL gab am Dienstag ein Statement heraus: "Da es nach Kenntnis der DFL keinen Beweis für eine falsche Identität des Spielers gibt, behält die Spielberechtigung für Bakery Jatta, geboren am 6. Juni 1998, aktuell ihre Gültigkeit."

Die Klärung des Sachverhalts liege bei den staatlichen Behörden, der für die internationale Freigabe eines Spielers zuständigen FIFA, und dem satzungsgemäß für die Entscheidung über Einsprüche gegen die Spielwertung zuständigen DFB-Sportgericht.

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Für den 9. September ist nun eine Verhandlung eben jenes DFB-Sportgerichts angesetzt, in der über den Protest des 1. FC Nürnberg gegen die Wertung des 0:4 gegen den HSV am 2. Spieltag entschieden werden soll.

Jatta hatte dort wie auch in den übrigen drei Saisonspielen der Hamburger mitgewirkt. Entsprechend haben der VfL Bochum und der Karlsruher SC inzwischen mit Protesten gegen die Wertung ihrer Niederlagen gegen den HSV nachgezogen.

Haben die Proteste Aussicht auf Erfolg?

Laut DFB-Reglement ist der Kläger - zunächst also Nürnberg - beweispflichtig. Er muss zum einen nachweisen, dass Jatta nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Zum anderen, dass der HSV ihn "schuldhaft eingesetzt" hat, wie der Sportrechtler Thomas Dehesselles in der Bild erklärt.

"Es müssten also maßgeblich Verantwortliche des Klubs wissen oder aus Unachtsamkeit nicht erkannt haben, dass ein durch Täuschung erschlichener Aufenthaltstitel der Ausländerbehörde besteht."

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Laut einem Bericht der Sport Bild hat der 1.FC Nürnberg in Seydou Sané einen Zeugen aufgetan, der in Frankfurt am Main aussagen soll. Sané ist Präsident des senegalesischen Erstligisten Casa Sports und kann angeblich belegen, dass Jatta dort als Daffeh gespielt hat.

Pikanterweise hat Ibou Diarra, Trainer des Klubs in der fraglichen Zeit, in einer Videobotschaft, die das Hamburger Abendblatt veröffentlichte, seine via Sport Bild transportierte Aussage dementiert, auch er habe Jatta als seinen ehemaligen Schützling erkannt.  

Welche Konsequenzen drohen dem HSV? 

Selbst wenn das Bezirksamt bewiese, dass Jatta und Daffeh identisch sind, muss das bei der DFB-Sportgerichtsverhandlung am 9. September noch keinen Punktabzug für den HSV bedeuten - auch wenn der Klub dann de facto einen Akteur eingesetzt hätte, der keine gültige Spielerlaubnis besessen hat.

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Würden die Hamburger allerdings dessen überführt, dass sie Kenntnis einer Passfälschung hatten oder die Unterlagen Jattas nicht in gebührendem Maße überprüft haben, droht ihnen Ungemach. Dann würden die drei gewonnen Partien gegen Nürnberg, Bochum und Karlsruhe im Nachhinein jeweils als mit 0:2 verloren gewertet.

Was passiert mit Jatta?

Das Verfahren der Behörden kann auf zweierlei Art enden. Lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen, dass Jatta auch Daffeh ist, wird das Verfahren eingestellt. Dann könnte Jatta endlich wieder unbelastet für den HSV aufspielen.

Im anderen Fall droht ihm nach wie vor nicht nur der Verlust der Spielberechtigung, sondern sogar die Abschiebung.

"Die Gründe für die damalige Duldung sind ja dann weggefallen und dann wird auch der Aufenthalt rückwirkend verwirkt", hatte Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, nach Erscheinen des ersten Sport-Bild-Artikels dem NDR gesagt. "Das ist eine sehr harte Möglichkeit. Aber sie würde natürlich in der letzten Konsequenz zu einer Abschiebung führen können."

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