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München und Stuttgart - Die Profi-Laufbahn von Mario Gómez ist Geschichte - doch eine Zukunft beim VfB nicht ausgeschlossen. Der Stürmer verrät zudem, wofür er Bayern-Coach Heynckes dankt.

Mit solchen Zahlen lässt es sich dann gelassen in den fußballerischen Ruhestand gehen.

Fast 500 Bundesliga-Spiele und 261 Tore, dabei dreimal deutschen Meister und zweimal DFB-Pokalsieger, dazu 78 Auftritte für die deutsche Nationalmannschaft, Vize-Europameister und WM-Dritter 2010: Mario Gómez verabschiedet sich mit einer beeindruckenden Bilanz aus dem Profifußball.

Der 34-Jährige, der mit dem VfB Stuttgart nun den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machte und beim 1:3 gegen Darmstadt 98 noch mal traf, will sich nach dem verkündeten Karriere-Ende zunächst einmal vor allem um seine Familie kümmern - mit Ehefrau Carina Wanzung hat Gómez seit Mai 2018 Sohn Levi.

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Doch so ganz ohne den VfB dürfte es bei dem Stürmer wohl auch in Zukunft nicht gehen - mit Abstand möchte Gómez über eine mögliche Zukunft bei den Schwaben entscheiden.

"Ich habe den Jungs gesagt, dass sie mich jederzeit anrufen können, wenn sie eine Frage haben, aber nicht in den nächsten vier Monaten. Die gehören meiner Familie und mir", sagte er dem SWR.

Beratungen über eine Rolle in anderer Funktion habe es bisher nicht gegeben. Gómez meinte aber auch: "Wenn du als Spieler den Traum hast, bei diesem Verein aufzuhören, dann ist es ja ganz klar, dass dieser Verein auch der erste Ansprechpartner ist."

Im seinem Abschiedsinterview, bei dem auch SPORT1 Fragen stellte, verriet der Routinier zudem, was er Jupp Heynckes zu verdanken hat.

Gómez: Vielleicht bald bei Hitze vor der Tür

Frage: Wie fühlt es sich an, eine solche Karriere zu vollenden?

Mario Gómez: Ich bin sehr stolz, was ich die letzten 16 Jahre erleben durfte. Ich habe viele tolle Menschen und Vorbilder getroffen, bin selbst ein Vorbild geworden. Ich habe Erfolge gefeiert, die ich mit 15, 16 nie für möglich gehalten hätte. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag, auch für die negativen Momente, denn so kann ich heute die positiven besser schätzen. Ich weiß, was es bedeutet, auch mal ein Verlierer zu sein. Ich möchte diese schwierigen Zeiten nicht missen - sie haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Ich habe alle meine Missionen erfüllen können, dazu gehört auch, jetzt mit dem VfB noch mal zurückzukommen in die Bundesliga.

Frage: Was bleibt noch am Ende?

Gómez: Diese Zeit wird natürlich nicht wiederkommen. Es waren so viele schöne Momente. Ich werde diese Momente vermissen, doch das war für mich der perfekte Abschluss. Es hat sich nicht so schlimm angefühlt. Vielleicht sehen das mache Leute anders aufgrund meiner Vergangenheit, aber ich brauche das Rampenlicht nicht. Insofern musste dieses letzte Spiel auch kein Spektakel werden - ich sehe die 16 Jahre als Ganzes. Aber es war natürlich schade für all die Fans, die nun nicht dabei sein durften. Und ich muss zugeben: Ich hatte die ganze Woche über weiche Knie. Ich hatte immer den Traum, dass ich am Ende meiner Fußballertage noch mal beim VfB spielen werde. Um zu zeigen, dass das mein Verein ist.

SPORT1: Ex-Bayern-Coach Jupp Heynckes hat Sie auch noch mal ausgiebig gelobt und Ihre Karriere wertgeschätzt...

Gómez: Ich habe unter Jupp Heynckes wahnsinnig viel gelernt. Er hat mich ein Stück weit zu dem gemacht, was ich heute bin. Er hat mir gezeigt: Jeder Spieler für sich muss Egoist sein, um auf dem Platz zu stehen. Aber er hat mir auch gezeigt, dass eine Mannschaft mehr ist als elf Spieler - nur deswegen konnten wir damals das Triple gewinnen. Und er hat das auf eine charmante und ausgeglichene Weise gemacht. Daran erinnere ich mich immer wieder, wenn es mal schwierig und stressig wird. Wie er uns damals zusammengebracht hat, so habe ich das die letzten zwei Jahre meiner Karriere beim VfB auch versucht, vorzuleben. Den Job, wie ich ihn den in dieser letzten Saison hier gemacht habe, verdanke ich also auch Jupp Heynckes.

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SPORT1: Und wie geht es nun weiter?

Gómez: Das werden wir sehen. Vielleicht stehe ich ja im September schon bei Hitze (VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger, Anm. d. Red.) vor der Tür und frage ihn nach einem Acht-Monatsvertrag (lacht). Man siehe nur Arjen Robben, der jetzt zurückgekommen ist (Profi-Comeback beim FC Groningen, Anm. d. Red.). Aber im Ernst: Es ist gut so, wie es ist. Die Genugtuung, jetzt doch noch aufzusteigen, das war gigantisch, vergleichbar mir einer Meisterschaft. Ich werde jetzt langsam runterkommen, ich habe einen zweijährigen Sohn, der wird den Rhythmus schon vorgeben. Ich werde viel Zeit mit meinen Liebsten verbringen, das werde ich genießen. Aber ich kenne mich trotzdem: Ich werde natürlich trotzdem nicht locker lassen und in Zukunft sicherlich wieder eine spannende Aufgabe annehmen - was das sein wird? Keine Ahnung.

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