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München - Fortuna Düsseldorf steht vor einer großen Herausforderung nach dem sechsten Abstieg aus der Bundesliga. Auf und neben dem Platz gibt es einige Baustellen. SPORT1 erklärt.

Fortuna Düsseldorf steht vor einer gewaltigen Zäsur!

Nach dem sechsten Bundesliga-Abstieg der Klubgeschichte liefen sage und schreibe 17 (!) Verträge aus. Neuverpflichtungen? Bislang steht lediglich Mittelfeldspieler Jakub Piotrowski vom KRC Genk als echter Neuzugang fest. 

Mit Linksverteidiger Florian Hartherz von Arminia Bielefeld steht, laut Rheinischer Post, zwar der nächste Transfer unmittelbar bevor. Doch es bleiben noch viele Baustellen für den neuen Manager Uwe Klein, der unlängst das Amt von Lutz Pfannenstiel übernahm.

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Im Gespräch mit der WZ erklärte Klein sein Vorgehen auf dem Transfermarkt: "Der aktuelle Transfersommer ist durch die Corona-Krise sehr speziell. Für uns ist es wichtig, eine gute Struktur in die Mannschaft zu bekommen. Wir werden Geduld brauchen, denn die Transferperiode läuft bis zum 5. Oktober."

Immerhin: Mit Kaan Ayhan, Andre Hoffmann, Adam Bodzek und Top-Torjäger Rouwen Hennings haben die Rheinländer ein Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Ayhan verfügt jedoch über eine Ausstiegsklausel und könnte mit seinem Abgang für zusätzliches Transferbudget sorgen.

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Und doch ist beim Bundesliga-Absteiger zum Trainingsauftakt am Mittwoch noch kein klares Ziel benannt worden. Klein erklärt: "Es ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt schwer, ein klares Saisonziel festzulegen. Natürlich sind wir sportlich ambitioniert, aber wir müssen auch realistisch sein und unsere Möglichkeiten richtig einschätzen."

Zielsetzung bei Fortuna wäre "unseriös"

Für den Fortuna-Manager wäre eine Zielsetzung zum jetzigen Zeitpunkt "unseriös". Aufbruchstimmung nach einem Abstieg sieht anders aus.

Dass diese (noch) nicht so richtig entstehen mag, hängt wohl auch mit dem Festhalten an Coach Uwe Rösler zusammen, der in 17 Spielen auf der Fortuna-Bank 1,06 Punkte im Schnitt holte. Oftmals gab sein Team in den Schlussminuten eine Führung noch aus der Hand, was den Düsseldorfern schlussendlich den Klassenerhalt kostete.

Ohne größere Analyse des Geschehenen sprachen die Fortuna-Verantwortlichen dem 51-Jährigen auch das Vertrauen für die kommende Saison aus. Rösler hatte bereits unmittelbar nach dem feststehenden Abstieg am 34. Spieltag nach vorne geblickt.

"Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Ich freue mich auf die Aufgabe, es wiedergutmachen zu können. Wir müssen eine neue Mannschaft aufbauen", sagte der frühere ManCity-Profi nach der Niederlage bei Union Berlin, die Fortunas vorläufiges Ende im Fußball-Oberhaus besiegelte.

Düsseldorfs Bosse erfüllten Röslers Wunsch auf die Chance zur Wiedergutmachung, doch bei einem Fehlstart oder stetig ausbleibenden Ergebnissen werden die Diskussionen am Rhein erneut aufflammen. Eine andere Lösung hätte beim proklamierten Neustart wohl mehr Kredit gebracht.

Funkel gibt Ratschläge von außen

Aber nicht nur sportlich hat der Absteiger einiges aufzuholen, auch neben dem Platz bot die Fortuna in der abgelaufenen Saison phasenweise beste Unterhaltung – zu Ungunsten der Ruhe im Verein.

So gab der im Winter entlassene Friedhelm Funkel bereitwillig und beinahe im Wochen-Rhythmus Auskunft über seine Sicht der aktuellen sportlichen Entwicklungen bei der Fortuna. Nach dem Abstieg meinte Funkel, dass der Klub mit ihm bessere Chancen auf den Klassenerhalt gehabt hätte.

"Dazu muss man die letzten vier Jahre einbeziehen. Dann wird man schnell verstehen, warum ich das glaube. Wir haben uns in der Rückrunde immer verbessert, und vor allem haben wir die wichtigen Spiele gewonnen", schilderte Funkel in der Rheinischen Post. Dort schloss er auch eine Rückkehr zur Fortuna nicht aus.

Es kam zum Gespräch zwischen Klub und Ex-Coach. Aufsichtsrats-Boss Björn Borgerding meinte anschließend zu Funkels Rückkehr: "Er wird keine Rolle bei Fortuna spielen, er hat die Tür selbst zugemacht. Er steht nicht zur Verfügung." Funkel sagte jedoch in der Bild: "Ich habe nochmals gesagt, im Moment nicht für irgendeine Aufgabe bei Fortuna zur Verfügung zu stehen. Das wurde mir vom Verein schon im Januar angeboten. Aber ich kann mir eine Aufgabe bei Fortuna irgendwann definitiv vorstellen. Nur nicht in der jetzigen Situation."

Es scheint, als wäre in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen, auch wenn die Klub-Verantwortlichen dies augenscheinlich so sehen.

Leihstürmer stänkert gegen Rösler

Für zusätzlichen Ärger sorgten zuletzt die Äußerungen von Leihstürmer Bernard Tekpetey, der in der Bild verbal gegen Rösler stänkerte.  "Ich werde auf keinen Fall bei Fortuna bleiben und nicht mehr unter diesem Trainer spielen", sagte der 22- Jährige.

Tekpeteys Berater Jerry Brempong meinte: "Das Vertrauen, das das Trainerteam in Bernard hat, ist bei Null. Das Gleiche gilt umgekehrt." Ein Festhalten am von Schalke ausgeliehenen Tekpetey, der bei Paderborn bereits sein Potenzial in der zweiten Liga gezeigt hatte, dürfte nach diesen Aussagen für den Teamgeist nicht wirklich förderlich sein.

Die App-Affäre um Vorstandsboss Thomas Röttgermann und die Loslösung von Rechtevermarkter Infront nach dem Abstieg bieten zusätzliche Angriffsfläche für die Kritiker des Klubs.

Röttgermann hatte an der Entwicklung einer kommerziellen Fußballapp mitgewirkt, während er bereits im Fortuna-Vorstand tätig war und hatte diese Tätigkeit nicht beim Aufsichtsrat gemeldet. Nach fünfwöchiger Beratungszeit entschied der Klub aber im Oktober des vergangenen Jahres an Röttgermann festzuhalten, doch das Vertrauen der Fans in seine Person war geschwunden.

Viel Arbeit für Fortunas Verantwortliche

In den vergangenen Wochen jedoch versuchte sich der Vorstandschef als "Robin Hood" des Fußballs, indem er für eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder und eine Deckelung der Gehälter von Spitzenspielern warb. Ob diese Aussagen reichen, um ihn wieder zu alter Popularität zu verhelfen, ist fraglich.

Momentan ist nur eines sicher: Fortuna Düsseldorf hat auf und neben dem Platz eine Menge Arbeit vor sich und machte zuletzt seinem Ruf als "Diva vom Rhein" alle Ehre.

Und doch bleibt den Verantwortlichen noch genug Zeit, um zumindest sportlich wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren.

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