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München - Zur neuen Saison wird es wieder einige Neuerungen der Regeln geben. Der frühere Torwart Timo Hildebrand analysiert sie bei SPORT1 - und hebt oder senkt den Daumen.

Der Videobeweis war das Gesprächsthema der vergangenen Saison. Die wilden Diskussionen, vor allem beim Handspiel, zogen sich wie Kaugummi durch die komplette Runde.

Grund genug für das IFAB (International Football Association Board), sein Regelwerk ab der kommenden Saison anzupassen. Wie sinnvoll ist das?

Der ehemalige Torwart Timo Hildebrand analysiert bei SPORT1 die neuen Regeln. 

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Die erste Neuerung betrifft die Auswechslung. Fortan muss der ausgewechselte Spieler das Spielfeld immer an der nächstmöglichen Begrenzungslinie verlassen. Einen Handshake an der Mittellinie wird es also in Zukunft seltener geben. So soll Zeitspiel verhindert werden.

Hildebrand begrüßt dies. "Ich finde es gut, dass der Spieler, wo auch immer, den Platz verlassen muss. Es macht das Spiel schneller und die Spieler können keine Zeit mehr schinden." 

Der gebürtige Wormser spielte in seiner Karriere für den VfB Stuttgart, mit dem er 2007 deutscher Meister wurde, den FC Valencia, die TSG Hoffenheim, Sporting Lissabon, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt. Zwischen 2004 und 2007 absolvierte er zudem sieben Länderspiele.

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Strafen nicht nur für Spieler

Für Trainer gravierend neu: In Zukunft können sie und andere Offizielle auch mit der Gelben und Roten Karte bestraft werden. Die Rote Karte ist dann gleichbedeutend mit dem bekannten Tribünenverweis. Kann der Schuldige nicht ausgemacht werden, erhält immer der Trainer stellvertretend die Strafe.

Auch hier ist Hildebrand der gleichen Meinung wie das IFAB. "Die Gelbe und Rote Karte für Trainer finde ich ebenfalls sehr gut. Das sorgt für mehr Disziplin für Trainer und Spieler auf der Bank."

Eine weitere Neuerung betrifft den Münzwurf vor Spielbeginn. Bis jetzt durfte sich dessen Gewinner immer die Seite auswählen, von der aus er spielen wollte. Nun darf der Gewinner zwischen Seitenwahl und Anstoß wählen. Dies spielt für Hildebrand "keine große Rolle".

Auch die Modifizierung des Schiedsrichterballs ist für den früheren Keeper keine revolutionäre Maßnahme. 

Dabei wird zukünftig nur noch ein Spieler eingreifen. Es gibt also keinen Zweikampf mehr um den Ball. Es bekommt immer die Mannschaft den Ball vom Schiedsrichter, die zuletzt in Ballbesitz war. "Das ist gut, wird aber auch schon lange so praktiziert", findet Hildebrand.

Wird der Unparteiische im Spiel angeschossen und ändert damit die Spielrichtung bzw. den Ballbesitz, gibt es zukünftig Schiedsrichterball. Der Referee ist in Zukunft also nicht immer Luft. Für Hildebrand eine Entscheidung, die "sehr gut" ist. Es sei ja durchaus vorgekommen, dass "er so maßgeblich auch mal ein Spiel beeinflussen kann". Natürlich unfreiwillig. Aber selbst dieser Fall ist jetzt ausgeschlossen.

Rückpass-Regeländerung für Hildebrand "sehr sinnvoll"

Eine ganz entscheidende Neuerung gibt es bei der Rückpass-Regel. Wenn ein Torhüter den Rückpass seines Mitspielers nur unkontrolliert klären kann, darf er einen möglichen Querschläger in Zukunft in die Hand nehmen. Bisher wurde immer noch auf Rückpass und somit indirekten Freistoß entschieden.

Hildebrand bewertet dies als "sehr sinnvoll", räumt aber ein: "Dies könnte es aber wieder komplizierter machen, schwierig zu beurteilen."

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Eine der wohl wichtigsten Neuerungen ist die Freistoß-Regel. Wenn eine Mannschaft einen Freistoß schnell ausführen möchte, darf sie das in Zukunft auch dann tun, wenn der Unparteiische noch eine Gelbe oder Rote Karte zeigen will. Diese zeigt er dem Übeltäter in der nächsten Unterbrechung. Hier ist Hildebrand skeptisch.

"Schnelles Ausführen bei Gelber und Roter Karte sorgt für Unmut und Verwirrung. Das ist keine gute Regeländerung. Man muss dem Schiedsrichter Zeit geben, um das Spiel zu regeln."

Eine weitere neue Regel betrifft neben dem Freistoß auch den Abstoß. Bisher musste der Ball immer erst den Strafraum verlassen, ehe er von einem Mitspieler berührt wird. Jetzt dürfen Mitspieler ihn auch im Strafraum annehmen. Gegenspieler der ausführenden Mannschaft dürfen dies allerdings nicht.

"Eine gute Regeländerung", betont Hildebrand, "denn es macht das Spiel schneller und verschafft dem Team, das ausführt, mehr Sicherheit und Möglichkeiten".

Keine große Veränderung bei der Mauer-Regel

Bei der Mauer-Regel verändert sich laut Hildebrand "nicht viel". Bei einer Freistoßausführung dürfen in Zukunft nur noch Spieler der verteidigenden Mannschaft in der Mauer stehen. Es sei denn, es befinden sich mehr als drei Verteidiger in der Mauer. Angreifende Spieler müssen ansonsten mindestens einen Meter Abstand zur Mauer einhalten.

Bei Freistößen, die nahe am Tor sind, stünden ohnehin meist vier oder fünf Spieler in der Mauer, gibt Hildebrand zu bedenken.

Aber: "Eine Option ist, jetzt nur noch drei Spieler in die Mauer zu stellen, um eine bessere Sicht zu haben. Das ist eine sehr interessante Regeländerung. Ich bin gespannt, wie es umgesetzt wird."

Als "Schwachsinn" bezeichnet Hildebrand dagegen die neue Elfmeter-Regel. Während der Torhüter beim Strafstoß bis jetzt mit den Fußspitzen auf der Torlinie stehen musste, muss sich künftig nur noch ein Teil seines Fußes auf oder über der Linie befinden.

Die letzte Neuerung betrifft das Handspiel. Jede Torerzielung, der ein Handspiel vorausgeht - auch ein unbeabsichtigtes - wird in Zukunft annulliert. Außerdem zählt nicht mehr nur Absicht, sondern jetzt auch die unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche.

"Beim Thema Torerzielung ist das sehr gut", glaubt Hildebrand. "Für den Rest bin ich gespannt, ob und wie es durchsichtiger wird."

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