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Die U19 des FC Schalke 04 konnte zum sechsten Mal den Titel in der Bundesliga West holen und steht im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen den BVB.

"Ein weiteres Wunder aus der Knappenschmiede!"

Der zweite Bundesliga-Treffer von Ahmed Kutucu im Spiel gegen den FC Bayern veranlasste Norbert Elgert zu dieser Huldigung des Schalker Nachwuchs.

Elgert ist als Trainer der U19, für die Kutucu in 15 Spielen 15 Tore erzielt hat, das Aushängeschild der Knappenschmiede - und hat schon den nächsten Erfolg in Aussicht.

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Schalke kämpft um U19-Titel

Durch den 4:1-Sieg bei den Junioren des VfL Bochum sicherte sich die U19 des FC Schalke 04 den Titel in der Weststaffel und den Einzug in die Meisterrunde der A-Jugend-Bundesliga.

Dort kommt es am Mittwoch im Halbfinale zum kleinen Revierderby gegen Ligakonkurrent Borussia Dortmund. (U19 Bundesliga: Schalke - Dortmund, ab 18.30 LIVE bei SPORT1)

Für die Schalker Junioren ist es der sechste Titel in der A-Junioren Bundesliga West, sollte es zum großen Wurf reichen, wäre es die vierte deutsche Meisterschaft der Gelsenkirchener in dieser Altersklasse.

Den meisten Fußballfans dürften die Namen der aktuellen Generation um Kapitän Görkem Can erstmal nichts sagen. Einzig Torjäger Kutucu (15 Tore in 15 Spielen) hat mit seinen beiden Bundesliga-Toren auch schon bei den Profis aufhorchen lassen.

Weltmeister-Entdecker Elgert

Wer einen Blick auf die lange Liste der Absolventen der Knappenschmiede wirft, dürfte aber durchaus den einen oder anderen Namen wiedererkennen.

Mit Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Mesut Özil und Julian Draxler waren gleich vier Spieler aus dem Nachwuchs der Schalker im Weltmeister-Kader 2014. Max Meyer, Sead Kolasinac, Leroy Sané und Joel Matip sind mittlerweile in der Premier League gesetzt, Letzterer hat am 1. Juli noch die Chance, mit dem FC Liverpool die Champions League zu gewinnen.

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Eng verknüpft sind alle diese Spieler und Erfolge mit eben jenem Norbert Elgert. "Elgert war der absolute Schlüsseltrainer meiner Karriere", adelte etwa Mesut Özil seinen Entdecker in seinem Buch "Die Magie des Spiels". Auch Leroy Sané spricht in den höchsten Tönen vom geborenen Gelsenkirchner: "Er hat mich als Spieler vorangebracht. Ich habe daraufhin viel an mir gearbeitet. Und es hat sich ausgezahlt, weil ich da bin, wo ich jetzt bin."

Elgert lief selbst insgesamt 83-mal für den FC Schalke 04 als Spieler auf. Sein Debüt feierte er mit 18-Jahren unter Max Merkel, kurz bevor ihm ein angeborener Nierenschaden diagnostiziert wurde. Trotzdem kämpfte sich Elgert zurück, erzielte danach noch insgesamt 18 Tore in Königsblau. "Ich war nie so gesund wie andere, aber durch Einstellung und viel Willen kann man vieles schaffen", sagte er. Diese Mentalität ist es auch, die er seit 1996 als Trainer der A-Junioren an die jüngere Generation weitergeben will.

Der Nachwuchsarbeit verschrieben

Unterbrochen wurde sein Einsatz im Jugendbereich nur von einem kurzen Intermezzo als Co-Trainer der Profis in der Saison 2002/03.

Sämtliche Versuche, Elgert von einem Engagement als Cheftrainer der Profis zu überzeugen, scheiterten, wie sich Klubboss Clemens Tönnies erinnert.

"Zweimal haben wir darüber nachgedacht, Norbert Elgert zum Cheftrainer auf Schalke zu machen. Nach dem Aus von Mirko Slomka (2008) und nach der Trennung von Roberto Di Matteo (2015)", sagte Tönnies. "Beide Male gab es nicht die geringste Chance, ihn von dieser Idee zu überzeugen. Er hatte sich viel zu sehr seiner Nachwuchs-Mission verschrieben."

Tönnies verhindert Wechsel zum FC Bayern

Tönnies war es auch, der einen Wechsel des Talent-Gurus zum FC Bayern unbedingt verhindern wollte. "Ich habe mich in meinem Leben nie so hitzig gestritten, selbst mit Uli Hoeneß nicht, als es um Manuel Neuer ging", sagte Tönnies. "Wäre es aber in Sachen Elgert ernst geworden, hätte Bayern wirklich mit Vollgas um ihn gebuhlt, dann hätte meine Freundschaft zu Uli Hoeneß zumindest kurzzeitig mal ruhen müssen."

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Wie Elgert in seinem Buch verrät, wäre das Interesse der Münchner durchaus da gewesen. "Das einzige Mal, in dem ich anfällig für einen Wechsel gewesen bin, war Anfang 2016. Mich nervte damals extrem, dass wieder einmal ein neuer Manager nach Gelsenkirchen kommen sollte, also äußerte ich öffentlich indirekt meinen Unmut", wird Elgert zitiert.

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Kurz darauf habe sich der damalige technische Direktor des FC Bayern Michael Reschke bei ihm gemeldet und erklärt, Präsident Uli Hoeneß wolle ihn kennenlernen. Laut Elgert hörte sich das seitens des Rekordmeisters "nach starkem Interesse an."

Doch zum Glück der Knappen blieb ihnen und ihrem Nachwuchs der "Parade-Schalker" (Tönnies) erhalten.  

Seiner Nachwuchs-Mission konnte er dieses Jahr ein weiteres erfolgreiches Kapitel hinzufügen, der Last-Minute-Titel in der A-Jugend Bundesliga West könnte mit der deutschen Meisterschaft gekrönt werden. Und wer weiß, wer als nächster großer Star aus der Knappenschmiede hervorgeht? Norbert Elgert hat vermutlich zumindest schon eine Idee.

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