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Nur wenige Tage nach Diego Maradonas 60. Geburtstag muss die Fußballwelt die Nachricht von seinem Tod hinnehmen. Der Leichnam des Idols wird aufgebahrt.

Die Fußballwelt in tiefer Trauer: Argentiniens Idol Diego Maradona ist tot.

Der Weltmeister von 1986 starb am Mittwoch keine vier Wochen nach seinem 60. Geburtstag. Das bestätigte sein Sprecher Sebastian Sanchi der AFP

"Der argentinische Fußballverband und sein Präsident Claudio Tapia spüren tiefen Schmerz über den Tod unserer Legende, Diego Armando Maradona. Du wirst immer in unseren Herzen sein", twitterte der Verband.

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Zuvor hatten CNN Brasil und die argentinischen Zeitung Clarin vom Tod Maradonas berichtet. 

Argentinien ruft drei Tage Staatstrauer aus

Der Sarg mit dem Leichnam ist in der Nacht zu Donnerstag bereits im argentinischen Präsidentenpalast eingetroffen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, standen bereits Hunderte Menschen vor der Casa Rosada Schlange, als der Sarg das Gebäude in einem Krankenwagen unter großen Sicherheitsvorkehrungen erreichte.

Die Totenwache für die breite Öffentlichkeit sollte am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr (Ortszeit) beginnen, hieß es in einer Erklärung des argentinischen Präsidenten. Maradonas Leichnam soll dann für drei Tage im Präsidentenpalast aufgebahrt werden. Die Regierung hatte zuvor bereits eine dreitägige Staatstrauer angeordnet und erklärt, Maradona werde ein Staatsbegräbnis erhalten.

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Bereits kurz vor Mitternacht kamen Maradonas Ex-Frau Claudia Villafane und seine Töchter Dalma und Gianinna in den Präsidentenpalast. Es folgten Claudio Tapia, Präsident des argentinischen Fußballverbandes (AFA) sowie eine Reihe von aktuellen und ehemaligen Spielern, darunter Maradonas Mannschaftskameraden aus dem siegreichen argentinischen Team der WM 1986.

Maradona: Gerinnsel entdeckt

Maradona war am 3. November in einer Privatklinik in Buenos Aires wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn operiert worden. Einen Tag zuvor war Maradona in ein Krankenhaus in La Plata eingeliefert worden, weil er sich unwohl gefühlt hatte.

Dort sollte der frühere Ausnahme-Fußballer medikamentös besser eingestellt werden, denn Maradona nahm seit langem Antidepressiva ein.

Bei einem Scan wurde dann das Gerinnsel entdeckt, Maradona daraufhin in die Spezialklinik in der Hauptstadt verlegt.

Acht Tage später durfte er das Krankenhaus verlassen. Sein Leibarzt Leopoldo Luque nannte die Entwicklung seines Zustandes zu diesem Zeitpunkt "zufriedenstellend".  

Maradona war erst am 30. Oktober 60 Jahre alt geworden. Seine Krankenakte gerade in der Zeit nach seiner aktiven Karriere war lang: Er erlitt mindestens zwei Herzinfarkte, erkrankte an Hepatitis und ließ sich wegen Übergewichts einen Magen-Bypass legen.

Zudem war Maradona mehrfach wegen seiner Drogensucht in Behandlung.

Hand Gottes und Maradonas Jahrhundert-Solo

Den Fans rund um den Globus wird der exzentrische Argentinier immer aufgrund seines fußballerischen Genies in Erinnerung bleiben. Unvergessen ist sein elfsekündiger Solo-Lauf quer über fast das komplette Spielfeld, als er bei der Weltmeisterschaft 1986 im Viertelfinale gegen England das 2:0 für die Albiceleste erzielte. Der Treffer wurde später zum FIFA-WM-Tor der Jahrhunderts gewählt.

Bereits für den ersten Treffer der Partie zeichnete er sich verantwortlich - allerdings per Hand. "Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes", gab er nach dem Spiel selbst zu, weswegen das Tor als die "Hand Gottes" in die Fußball-Annalen einging.

Der damalige englische Nationaltorhüter Peter Shilton hat ihm dieses Tor nie verziehen. "Ich sehe nicht, warum ich ihm vergeben sollte. Er hat sich nie entschuldigt, ich würde ihm niemals die Hand reichen", schrieb er 2016 in einer Kolumne in der argentinischen Sport-Tageszeitung Ole.

WM-Finale 1990: Maradona und der Schiedsrichter

Auch die deutsche Nationalmannschaft hat bei Weltmeisterschaften ihre Erfahrung mit Maradonna gemacht. Beim Triumph 1990 in Rom duellierte sich die erstmal für Gesamtdeutschland auflauffende DFB-Elf mit dem Titelverteidiger aus Argentinien. Andreas Brehme erzielte per Elfmeter (85.) das goldene Tor zum 1:0 und sicherte den dritten Titel für Deutschland.

Für Maradona war daher allein Schiedsrichter Edgardo Codesal aus Uruguay für die Niederlage verantwortlich. Der war noch Jahre später von Maradonas Verhalten genervt: "Ich hätte ihn schon vor dem Spiel vom Platz stellen können, weil er während der Nationalhymne heftig geflucht hat", wurde er später in der Marca zitiert.

Versuch als Nationaltrainer

Auch nach seiner Karriere versuchte er als Trainer weiter den Fußball zu prägen. Unter anderem übernahm er 2008 die argentinische Nationalmannschaft. Er schaffte die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, wo er allerdings im Viertelfinale mit 0:4 gegen Deutschland unterging. Zuvor war er bei der Pressekonferenz aufgefallen, weil er den damals jungen Thomas Müller für einen Balljungen hielt und daher nicht an der Medienrunde teilnehmen wollte, bis dieser die Bühne verließ.

Müller "dankte" es ihm mit dem 1:0 für Deutschland in der dritten Minute und Maradona wurde am 27. Juli 2010 vom argentinischen Verband entlassen.

Argentiniens Regierung rief nach dem Tod seines Fußball-Idols eine dreitägige Staatstrauer aus.

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Mit SID-Informationen

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