Lesedauer: 6 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Mit Wolfsburg stellt Koen Casteels die zweitbeste Defensive der Bundesliga. Im SPORT1-Interview spricht er über die Königsklasse, frühere Vorbilder und Transfergerüchte.

"Nach Manuel Neuer gibt es, glaube ich, in der Bundesliga keinen Keeper, der Koen Casteels das Wasser reichen kann", adelte Marcel Schäfer, Sportdirektor des VfL Wolfsburg, bei SPORT1 jüngst seinen Torwart.

Mit 32 Gegentoren nach 31 Spieltagen stellen die Wölfe in der Bundesliga nach RB Leipzig die zweitbeste Defensive im deutschen Oberhaus. Keeper Casteels hat daran wesentlichen Anteil. (Tabelle der Bundesliga

Mit dem VfL Wolfsburg geht es für den 28 Jahre alten Belgier in den letzten drei Bundesliga-Spielen um die Qualifikation für die Champions League. Die Wolfsburger rangieren derzeit auf Platz drei, die Konkurrenz aus Frankfurt und Dortmund befindet sich allerdings in Lauerstellung. (Spielplan/Ergebnisse der Bundesliga)

Anzeige

Im SPORT1-Interview spricht Casteels über die bisherige Spielzeit, Torjäger Wout Weghorst, den Traum von der Königsklasse und Transfergerüchte.

SPORT1: Herr Casteels, der Blick auf die Tabelle ist wahrscheinlich recht angenehm. Trotzdem haben Sie zuletzt auch gegen Dortmund verloren. Spürt man den Druck von hinten, dass der BVB kommt? 

Meistgelesene Artikel

Koen Casteels: Natürlich ist alles ein bisschen enger zusammengerückt. Aber Dortmund muss auch erst noch alle Spiele gewinnen. Ich glaube, wir sind relativ ruhig, weil wir wissen, dass wir alles in der eigenen Hand haben. Wir haben noch zwei Heimspiele, ein Spiel in Leipzig: Es wird an uns liegen.

SPORT1: Sie spielen eine hervorragende Saison. War von vornherein absehbar, dass es so gut läuft und man hinter dem FC Bayern und RB Leipzig die Top-Mannschaft der Liga ist? 

Casteels: Es ist immer schwer zu sagen, wie eine Saison ablaufen wird. Was uns ausgezeichnet hat, war dass wir vor allem die auf dem Papier kleineren Gegner größtenteils geschlagen haben. Dann kann man auch mal gegen Bayern München verlieren, wenn man all die anderen Spiele für sich entscheidet. 

SPORT1: Was macht Wolfsburg dieses Jahr so stark? 

Casteels: Wir haben vielleicht nicht die Sanchos, die Haalands oder die Lewandowskis in unserer Mannschaft. Aber wir sind als Mannschaft sehr stark. Jeder weiß, was von ihm auf seiner Position verlangt wird - egal ob er spielt oder ob er reinkommt. Wir sind als Mannschaft sehr, sehr schwer zu bespielen und geben immer 100 Prozent. Wir spielen Vollgas-Fußball und zwingen die Gegner zu Fehlern.

"Wout ist nicht nur der Torjäger"

SPORT1: Wie wichtig ist Wout Weghorst für die Mannschaft? 

Casteels: Wout ist einer der sehr wichtigen Spieler für diese Mannschaft. Aber wir sind nur erfolgreich als Mannschaft. Und ich denke, er profitiert natürlich auch davon. Er ist nicht nur der Torjäger. Er fängt auch vorne schon mit dem Anlaufen und dem Sprinten an. Er läuft sehr viel. Das ist ein Typ Stürmer, der bei uns in die Mannschaft passt. 

SPORT1: Sie sind seit 2014 im Verein, haben Höhen und Tiefen miterlebt. Ist das im Moment die beste Phase, die Sie mit dem VfL Wolfsburg erlebt haben?

Casteels: Ja, zusammen mit meiner ersten Saison in Wolfsburg, in der wir auch in der Champions League gespielt haben und erst im Viertelfinale gegen Real Madrid ausgeschieden sind. Da hatten wir auch eine sehr gute Mannschaft. Ich habe natürlich auch zwei Jahre Relegation miterlebt. Jetzt hat sich der Verein und die Mannschaft wieder stabilisiert. Wir spielen jetzt auch schon seit drei Jahren international.

SPORT1: Wo würden Sie den VfL Wolfsburg einsortieren? Ist das schon ein Verein, der Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen im Kampf um die europäischen Plätze dauerhaft Konkurrenz macht? 

Casteels: Nach dieser Saison glaube ich, dass wir das machen können. Nach drei Jahren, in denen wir Sechster und Siebter waren, und nun jetzt auch schon Minimum Sechster sind, kann man sagen, dass wir konstant sind.

"Oliver Glasner wird auch schon mal laut"

SPORT1: Was zeichnet Oliver Glasner als Trainer aus? 

Casteels: Jeder Spieler weiß, was der Trainer auf seiner Position verlangt. Das ist natürlich brutal wichtig. Wenn jeder vom anderen weiß, dass er ihn unterstützt, dann hast du als Mannschaft ein gutes Gefühl.

SPORT1: Was für ein Typ ist er auf dem Trainingsplatz? Ist er eher ruhig? 

Casteels: Ja, er schreit jetzt nicht jeden Tag rum. Aber er verlangt viel, er fordert viel. Wenn etwas nicht gut ist, dann wird er auch mal laut. Das muss auch so sein. 

SPORT1: Sie haben in den vergangenen vier Spielen zehn Gegentore bekommen. Wurmt Sie das als Torwart? 

Casteels: Nein, weil ich weiß, dass man das einzeln betrachten muss. Unsere Gegner waren Bayern, Dortmund und Frankfurt. Das sind mit die besten Offensiven der Liga und wir waren als Mannschaft in diesen Spielen auch nicht bei 100 Prozent. Das liegt nicht immer am Torwart oder an der Verteidigung, sondern auch an der Qualität der anderen Vereine.

SPORT1: Marcel Schäfer hat bei SPORT1 im Interview gesagt, Koen Casteels ist nach Manuel Neuer der beste Torwart in der Bundesliga. Ehrt Sie so etwas? 

Casteels: Ja, natürlich. Ich glaube, das zeigt, dass der VfL Wolfsburg und Marcel viel Vertrauen in mich haben.

Vorbild? "Früher war das Edwin van der Sar"

SPORT1: Haben Sie ein Vorbild auf der Torwart-Position? 

Casteels: Nein, eigentlich nicht. Früher, als ich klein war, war das Edwin van der Sar. Der hat jetzt schon lange aufgehört. Und jetzt habe ich kein Vorbild mehr. 

SPORT1: Sind die Premier League oder die spanische La Liga nochmal Ziele, die Sie reizen würden?

Casteels: Es ist nicht so, dass ich noch das absolute Ziel habe, da hin zu wechseln. Wenn es so sein sollte, dann müsste es eine richtige Verbesserung sein. Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier in Wolfsburg und in der Bundesliga. Das ist absolut nicht notwendig. 

SPORT1: Borussia Dortmund soll ein Auge auf Sie geworfen haben. Wäre das interessant? 

Casteels: Das ist das erste Mal, dass ich davon höre. Wenn ich da mehrere Infos habe, dann können Sie mich das nochmal fragen (lacht). 

SPORT1: Sie haben einen langfristigen Vertrag in Wolfsburg bis 2024. Wenn der Verein den Weg so weitergeht, ist ja auch Wolfsburg eine attraktive Adresse, um den Vertrag zu erfüllen.  

Casteels: Ich fühle mich sehr wohl hier und ich sehe im Moment keinen großen Grund, da was zu ändern.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image