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München - Sportlich war es für den 1. FC Kaiserslautern ein Jahr zum Vergessen. Nun gibt es auch finanzielle Sorgen. Bei SPORT1 spricht eine Klub-Ikone über ein Horrorszenario.

2018 war ein Seuchen-Jahr für den 1. FC Kaiserslautern.

Der Glanz vergangener Tage bröckelt immer weiter. Sportlich liegt der Verein am Boden. Im Mai dieses Jahres stieg man erstmals in der Klubgeschichte in die 3. Liga ab. Im Sommer folgte daraufhin der größte Umbruch in der Historie des FCK. 16 Zugängen standen 25 Abgänge gegenüber. Doch es sollten alle Kräfte gebündelt werden für das große Ziel Zweitliga-Rückkehr. 

Nach 20 Spielen aber belegen die Roten Teufel Platz elf - mit zwölf Punkten Abstand auf Rang drei und nur vier Zähler vor dem ersten Abstiegsplatz. Die zuletzt noch formulierten Aufstiegsambitionen können daher allmählich als Durchhalteparolen abgestempelt werden. Der Abstieg in die Regionalliga droht. Auch, weil die Lage am Betzenberg inzwischen nicht nur sportlich, sondern auch finanziell beängstigend ist.

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Horst Eckel, Weltmeister von 1954 und FCK-Ikone (213 Oberliga-Spiele für Lautern), muss mit ansehen, wie sein Verein dem Abgrund entgegen taumelt.

Eckel würde gerne helfen

"Ich mache mir natürlich Gedanken, was mit meinem Verein passiert. Ich verfolge jedes Spiel, drücke auf der Tribüne oder vor dem Fernseher die Daumen. Und wenn ich könnte, dann würde ich wieder meine Fußballschuhe schnüren und der Mannschaft auf dem Platz helfen", sagt der 86-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Seit dem Tod seines Nationalmannschaftskollegen Hans Schäfer 2017 ist Eckel der letzte noch lebende Spieler des "Wunders von Bern".

Das letzte FCK-Spiel des Jahres bei 1860 München wurde mit 1:2 verloren. Es war die erste Niederlage unter dem neuen Trainer Sascha Hildmann, der zuvor mit einem 0:0 zu Hause gegen die Würzburger Kickers und einem 1:0-Sieg beim SV Meppen einen respektablen Start hinlegte.

"Fußballspiel kann von Fans getragen werden"

Doch nur mit einem neuen Coach sei es nicht getan, betont Eckel. "Die herrschenden Probleme lassen sich nicht nur mit einem Trainerwechsel beheben." Es hänge "am gesamten Umfeld, aber damit meine ich nicht die Fans". Sie seien beim FCK "der zwölfte Mann", weiß der frühere Stürmer und ergänzt: "Ein Fußballspiel kann von den Fans getragen werden."

Und weiter: "Es herrschen sehr große Probleme im Verein. Diese müssen zunächst intern gelöst werden, nicht von außen. Die Fans in Kaiserslautern werden immer zu ihrem Verein stehen."

Tumulte unter eigenen Fans

Die Niederlage bei den Löwen passt ins traurige Bild der Pfälzer. Der Frust bei den FCK-Fans muss schon sehr groß sein, wenn es nun sogar schon Ärger untereinander gibt. Mehrere Chaoten gingen im Grünwalder Stadion aufeinander los. Die Polizei rückte an, drohte erst mit Schlagstöcken, und schließlich musste Tränengas eingesetzt werden.

Der FCK 2018 - ein Bild des Jammers. Nicht nur auf dem Rasen und auf den Rängen. Es droht sogar die Insolvenz.        

"Der Erfolg bleibt momentan aus, die 3. Liga ist nicht einfach. Und abgesehen vom sportlichen Misserfolg gibt es auch noch finanzielle Probleme", so Eckel.

Zahlen machen Angst

Die nackten Zahlen, die den Mitgliedern kürzlich offengelegt wurden, zeigen, wie schlimm es um den Traditionsverein steht. Bis zur Abgabefrist der Lizenz-Unterlagen am 1. März muss der Verein rund zwölf Millionen Euro auftreiben. 6,7 Millionen Euro sind für die Rückzahlung einer Fan-Anleihe. Fünf Millionen Euro fehlen an liquiden Mitteln. Das jährliche Gesamtbudget der Pfälzer liegt bei 15 Millionen Euro. Davon müssen fünf Millionen Euro für die Stadionmiete an die Stadt gezahlt werden. Und genau dieses Geld fehlt in allen anderen Bereichen.

"Ich habe alles mir Mögliche für meinen Verein getan. Sollte es zu einer Insolvenz kommen, dann bedeutet das nicht das Ende. Man muss eben weiter machen und an den Verein glauben", sagt Eckel. Man müsse "alles zum Wohle des Vereins tun, dann gelingt auch das Unmögliche. Persönliche Eitelkeiten sind hier fehl am Platz." Eckel fordert "eine finanzielle Gesundung".

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Der Glaube ist noch da. "Ich glaube immer an meinen Verein", sagt Eckel. "So lange die Verantwortlichen das Wohl des Klubs im Sinn haben, wird der FCK gestärkt aus dieser Krise hervorgehen."

Die Hoffnung stirbt zuletzt - auch nach einem Seuchen-Jahr.

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