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München - Der 1. FC Kaiserslautern ist in finanziell prekärer Lage. Wie soll die Insolvenz verhindert werden? Bei SPORT1 erklärt Klubboss Michael Klatt seinen Plan.

Galgenhumor haben sie noch beim 1. FC Kaiserslautern.

Mit den Abba-Songzeilen "I have a dream...I believe in angels" begann am vergangenen Sonntag die Jahreshauptversammlung des Klubs. Die Roten Teufel hoffen auf rettende Engel.

Nicht nur aus sportlichen Gründen ist das angebracht - nach 19 Spielen belegt der pfälzische Traditionsverein Platz zehn in der 3. Liga, das ursprüngliche Saisonziel Aufstieg dürfte sich erledigt haben (Tabelle der 3. Liga).

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Viel dramatischer als der Blick auf die aktuelle Tabelle ist die finanzielle Situation. Immer öfter sind in diesen Tagen rund um den Betzenberg beunruhigende Sätze zu hören. Sätze wie "Jetzt geht es ans Eingemachte" oder "Bald gehen in Lautern die Lichter aus".

Ergeht es dem FCK wie 1860?

Der FCK muss das Schlimmste befürchten, es droht die Insolvenz. Die nackten Zahlen, die den Mitgliedern offengelegt wurden, zeigen, wie schlimm es um den Traditionsverein bestellt ist.

Bis zur Abgabefrist der Lizenz-Unterlagen am 1. März muss der Verein rund zwölf Millionen Euro auftreiben. 6,7 Millionen Euro sind für die Rückzahlung einer Fan-Anleihe. Fünf Millionen Euro fehlen an liquiden Mitteln. Das jährliches Gesamtbudget der Pfälzer liegt bei 15 Millionen Euro. Davon müssen fünf Millionen Euro für die Stadionmiete an die Stadt gezahlt werden. Und genau dieses Geld fehlt in allen anderen Bereichen. 

Die Zahlen sind die Bestätigung dessen, was Ex-Coach Michael Frontzeck zuletzt im SPORT1-Interview drastisch ausdrückte: "Die wenigsten Menschen wollen wahrhaben, was in den zurückliegenden 20 Jahren passiert ist. Und zwar nichts Positives. Der FCK ist wirklich ausgeweidet worden."

Michael Frontzeck wurde am 1. Dezember vom FCK entlassen
Michael Frontzeck wurde am 1. Dezember vom FCK entlassen © Getty Images

Droht dem FCK das gleiche Schicksal wie 1860 München nach der Saison 2016/17, als die mit dem FCK in einer Fan-Freundschaft verbundenen Löwen von der 2. Liga in die Regionalliga durchgereicht wurden? Die Löwen haben damals rund zehn Millionen Euro zahlen müssen, um dem Zwangsabstieg zu entkommen. Und das mit Investor Hasan Ismaik im Rücken. Der Rest ist bekannt.

Boss Michael Klatt "vorsichtig optimistisch"

"Der sportliche Abstieg hat die Herausforderungen natürlich nochmals vergrößert", sagt FCK-Boss Michael Klatt SPORT1: "Es ist sicherlich keine einfache Situation, aber ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir eine Lösung finden. Aufgeben ist für uns keine Option."

Der 50 Jahre alte Finanzexperte versichert: "Wir haben einen klaren Plan und gehen die anstehenden Herausforderung mit Nachdruck an. Ich kann nur sagen, dass wir jeden Tag hart an einer positiven Zukunft des FCK arbeiten. Und dafür brauchen wir die Unterstützung aller, die den FCK im Herzen tragen."

Da wird es Klatt sicherlich gern hören, dass auch eine Identifikationsfigur wie Gerry Ehrmann zur Ruhe mahnt. "Wir sollten erstmal die nächsten Wochen abwarten, was da rauskommt", sagt Ehrmann SPORT1: "Natürlich wäre ein Zwangsabstieg für den Verein katastrophal, aber daran denke ich noch nicht." Noch habe er "keine Angst".

Gerald Ehrmann (r.) bei einem Treffen mit dem einstigen FCK-Stürmer Horst Eckel 2017
Gerald Ehrmann (r.) bei einem Treffen mit dem einstigen FCK-Stürmer Horst Eckel 2017 © Getty Images

Spezialisten von der Bank sollen helfen

Der Plan, mit dem die FCK-Führung den Super-GAU verhindern will: Die Fan-Anleihe soll mit einem Kredit gedeckt werden, da stehen die Verantwortlichen um Klatt und Aufsichtsratschef Patrick Banf in Kontakt mit der Bodenseebank. Ein Geldinstitut, das sich auf klamme Fußballklubs spezialisiert hat.

"Ich halte es für realistisch, dass uns eine Bank Kapital zur Zwischenfinanzierung gewährt. Damit würden wir Zeit gewinnen", sagte Sportvorstand Martin Bader auf der Jahreshauptversammlung. 

Die weiteren fünf Millionen Euro sollen durch Verkäufe von Anteilen der ausgegliederten Profi-Abteilung gedeckt werden. Der FCK setzt die Hoffnung in lokale Unternehmen, die frisches Geld in den Verein pumpen.   

"Für ausländische Investoren sind wir weniger interessant, weil in unserem Beirat nur zwei von den insgesamt fünf Plätzen von einer Investorengruppe besetzt werden können. Das bedeutet, dass der Verein jederzeit die absolute Entscheidungshoheit besitzt", so Bader. 

Bis zum 1. März muss dringend Geld her, sonst erlebt der Klub sein Waterloo. Auch einer der größten Abba-Hits.

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