vergrößernverkleinern
Frank Pagelsdorf (l.) hält Martin Pieckenhagen (2.v.l.) für eine gute Wahl. Rene Rydlewicz (2.v.r.) und Stefan Beinlich waren schon in Hansas Führung tätig
Frank Pagelsdorf (l.) hält Martin Pieckenhagen (2.v.l.) für eine gute Wahl. Rene Rydlewicz (2.v.r.) und Stefan Beinlich waren schon in Hansas Führung tätig © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago
Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Hansa Rostock hat auf einen Schlag den Trainer und Sportchef entlassen. Klub-Ikone Martin Pieckenhagen ist neuer Sportvorstand. Doch leicht wird es nicht für ihn.

Der FC Hansa Rostock war zu Wendezeiten die beste Mannschaft der damals neuen Bundesländer und der Anker des Ostens in der Bundesliga. Doch vom damaligen Niveau ist der letzte DDR-Meister inzwischen weit entfernt.

Seit 2013 ist die 3. Liga die sportliche Heimat der Mecklenburger. Vor dieser Saison wurde der Aufstieg als Ziel ausgegeben. Nach dem 15. Spieltag sah es diesbezüglich noch gut aus ist. Hansa belegte Platz vier, nur einen Punkt hinter Rang zwei.

Doch von da an ging nichts mehr. Nach 20 Partien sind die Rostocker aktuell Achter. Der Rückstand auf den Tabellen-Zweiten, den Karlsruher SC, beträgt zwölf Punkte. Zum Trainingsstart dann der Paukenschlag: Der Klub gab die Doppel-Trennung von Sportvorstand Markus Thiele und Trainer Pavel Dotchev bekannt, der beim Anhang sehr beliebt war. Ein überraschender Schritt.

Anzeige

Am Samstag wurde dann Thieles Nachfolger präsentiert: Martin Pieckenhagen. Der frühere Torwart stand einst in 118 Pflichtspielen beim aktuellen Drittligisten zwischen den Pfosten, 110 davon in der Bundesliga.

Hansas früherer Erfolgscoach Frank Pagelsdorf (im Amt von 1994 bis 1997 und 2005 bis 2008) begrüßt die Verpflichtung.

"Ich traue ihm das absolut zu. Martin ist ein Fußball-Verrückter, hat als ehemaliger Hansa-Spieler einen guten Einblick, kennt den Verein sehr gut und hat einen Standortvorteil. Für jemanden der sich da auskennt, ist das einfacher", sagt der 61-Jährige im Gespräch mit SPORT1

Doll kommt nicht zu Hansa

Pieckenhagens erste Aufgabe ist gleich eine knifflige: Er muss zur Rückrunde einen neuen Cheftrainer finden. Dies soll zeitnah passieren. Nach SPORT1-Informationen gilt der ehemalige Coach des Hamburger SV, Bernd Hollerbach, als Topfavorit.

Mit ihm spielte Pieckenhagen von 2001 bis 2004 zusammen beim HSV. Auch der Ex-Trainer des 1. FC Magdeburg, Jens Härtel, soll ein Kandidat für die Dotchev-Nachfolge sein.

Thomas Doll, von dessen Rückkehr an der Ostseeküste gerne geträumt wird, kommt entgegen anders lautenden Gerüchten nicht für den Job in Frage.

"Ich werde nicht Trainer bei Hansa und finde es schon sehr merkwürdig, dass mein Name da genannt wird", sagte der 52-Jährige, der in Rostock seine Profi-Karriere begonnen hatte, zu SPORT1. "Ich habe kein Interesse, hatte auch nie Kontakt zum Verein."

Den Nostalgie-Aspekt muss Pieckenhagen in Rostock also zunächst alleine bedienen.

Highlights der 3.Liga immer montagabends im TV auf SPORT1, online und in der SPORT1 App

Ex-Coach sieht es "absolut positiv"

"Ich finde es immer gut, wenn man einen ehemaligen Spieler nimmt, der aus der Gegend kommt", erklärte Pagelsdorf. Pieckenhagen habe den Standort Rostock "nie verlassen", habe dort "immer noch gewohnt, war nur beruflich anderweitig unterwegs. Das spricht für eine sehr enge Verbundenheit."

Doch nicht überall im Rostocker Umfeld kommt der erneute - nostalgisch anmutende - Versuch gut an, einen ehemaligen Spieler aus der großen Bundesligazeit in einer Führungsposition einzubinden.

Zumal bekannt ist, dass der neue starke Mann im sportlichen Bereich schon in den vergangenen Jahren immer wieder für einen Posten beim FCH im Gespräch war. Das bestätigte auch Klub-Boss Robert Marien. Die erste Kontaktaufnahme soll es bereits 2010 gegeben haben.

Der damalige Manager: Ex-Nationalspieler Stefan "Paule" Beinlich, der von 1994 bis 1997 und 2006 bis 2008 für Hansa die Stiefel schnürte. Beinlichs zweijähriges Engagement war ebensowenig von Erfolg gekrönt wie zuvor die Tätigkeit des langjährigen Leistungsträgers Rene Rydlewicz (von 2000 bis 2008 in Rostock aktiv), der als Leiter der Lizenzabteilung ab 2009 den Abstrieg aus der zweiten Bundesliga nicht verhindern konnte. 

Pieckenhagen: 14. Manager seit 2006 

2016 war Pieckenhagen bereits sehr weit bei den Gesprächen. Doch zur Überraschung vieler wurde damals Rene Schneider (von 1994 bis 1996 und 1999 bis 2001 Hansa-Profi) Pieckenhagen als Manager vorgezogen. Von Juni 2016 bis Dezember 2017 war der Europameister von 1996 Sportvorstand. Wieder scheiterte ein ehemaliger Spieler. 

Kurios: Damals war Pieckenhagen nicht gut genug, nun sei er angeblich erste Wahl gewesen. Fünf der aktuellen Aufsichtsräten und Vorstände waren 2016 schon im Amt. Pieckenhagen ist nun der 14. Manager bei Hansa seit 2006.

Schafft er es, die Kogge wieder auf Aufstiegskurs zu bringen? "Der Verein sollte das Ziel haben aufzusteigen. Wenn man das in der alten Konstellation nicht glaubt, schaffen zu können, ist ein Wechsel legitim", urteilt Pagelsdorf. "Hansa ist und war für mich immer ein Traditionsverein, der eigentlich eine Klasse höher spielen müsste." 

Der Ex-Coach wünscht Pieckenhagen "ein glückliches Händchen und "genügend Unterstützung im Verein". Das Ziel sei nicht im Alleingang zu erreichen. Für Pagelsdorf ist er aber der richtige Mann, um die Mission voranzutreiben: "Er ist ein intelligenter Bursche und hat das absolute Fachwissen."

Pagelsdorf war bei bei Union Berlin, in Rostock und beim Hamburger SV Pieckenhagens Trainer, kennt ihn also sehr gut. "Er war ein idealer Torwart, war wahnsinnig ehrgeizig, sehr wissbegierig und auch lernfähig", erinnert sich der Coach. "Er hat damals eine tolle Entwicklung genommen."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image