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Unterhachings Präsident Manfred Schwabl führt seinen Verein an die Börse
Unterhachings Präsident Manfred Schwabl führt seinen Verein an die Börse © SPORT1-Grafik: Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
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München - Die SpVgg Unterhaching beschreitet neue Wege und geht als erst zweiter deutscher Klub nach dem BVB an die Börse. Damit erhöht der Drittligist den Erwartungsdruck.

Denkt ein deutscher Fan an Fußball und Börse, fällt ihm wohl automatisch Borussia Dortmund ein. Vor fast 19 Jahren wagten die Westfalen den Schritt an den Aktienmarkt.

Neben zahlreichen internationalen Granden wie Ajax Amsterdam, Juventus Turin oder Manchester United ist der BVB seitdem der einzige deutsche börsennotierte Fußballverein.

Doch schon diesen Sommer bekommen die Dortmunder deutsche Konkurrenz.

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Es wird allerdings nicht Rekordmeister FC Bayern München, Lokalrivale Schalke 04 oder der Hamburger SV sein, sondern die SpVgg Unterhaching aus der 3. Liga.

Der nächste logische Schritt

Wie kam der Verein zu dieser Entscheidung?

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres gliederte der Verein seine Profiabteilung sowie die Nachwuchsmannschaften von der U16 bis zur U19 aus, um die Wettbewerbsfähigkeit und den finanziellen Spielraum zu erhöhen. Die Mannschaften spielten fortan für "die Spielvereinigung Unterhaching GmbH & Co. KGaA".

Unterhachings Präsident Manfred Schwabl hatte damals die Ausgliederung vorangetrieben. "In der 3. Liga machst du jedes Jahr ein operatives Minus von 2,5 Millionen Euro. Das ist nicht zu vermeiden", erläuterte er. "Erst recht nicht, wenn du ein Nachwuchsleistungszentrum unterhältst."

Der Börsengang ist für ihn nun der nächste logische Schritt. "Mein Credo war von Anfang an, dass wir aus einer gesicherten Position heraus den Angriff auf die Zweite Liga wagen. Das ist jetzt der Fall", sagte Schwabl im SPORT1-Gespräch.

Um die entsprechenden Gelder zu generieren, müsse man in der 3. Liga innovativ sein, so der Präsident. Fananleihen, die die Spielvereinigung zurückzahlen müsste, oder Schulden aufzubauen seien für den oberbayerischen Verein auch im Hinblick auf das Lizenzierungsverfahren keine Option gewesen. Auch wollte man sich nicht einem Großinvestor hingeben.

Börsengang soll Aufstieg forcieren

Die letzte Option sei es, Anteile zu verkaufen. In der Vorbereitungsphase wurden neue Investoren akquiriert und Aktien im Wert von vier Millionen Euro verkauft. Insgesamt erwartet der Klub durch den Börsengang einen Erlös von bis zu zwölf Millionen Euro, davon werden sechs Millionen Euro kleinteilig veräußert.

Der Verein wird nach eigenen Angaben 50 Prozent der Aktien halten, Schwabl selbst wird sich mit rund 16 Prozent beteiligen.

Bei Aktienpaketen dieser Größenordnung dürften die Geldgeber zeitnah einen Aufstieg in die Zweite Liga erwarten. Unnötiger Druck für den Drittligisten? Schwabl wiegelt ab: "Den Druck bauen wir uns selbst auf. Das hat mit dem Börsengang nichts zu tun." Dieser sei nur Mittel zum Zweck.

Dennoch soll der Aufstieg innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre gelingen. "2021 und 2022 wird das Ziel sein aufzusteigen. Daran lasse ich mich auch messen. Ob es gelingt, kann man nicht sagen. Die 3. Liga ist leider kein Wunschkonzert", erklärt der 53-Jährige.

Ein ambitionierter Fahrplan für den ehemaligen Bundesligisten, der zum Aufsteigen verdammt ist – nicht nur im Sinne des Präsidenten, auch im Sinne der Anleger.

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