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München - Robert Lewandowski stellt selbst Messi in den Schatten. Pep Guardiola sieht ein wegweisendes Zeichen, der gefeierte Held selbst bleibt sich auch in seiner größten Stunde treu.

Lionel Messi, Zlatan Ibrahimovic, Thierry Henry. Pep Guardiola hat sie alle trainiert. Doch das Feuerwerk, das Robert Lewandowski am Dienstagabend beim 5:1-Sieg des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg zündete, ließ selbst den Katalanen an der Seitenlinie ungläubig die Hände über den Kopf zusammenschlagen.

"Ich verstehe das nicht", staunte Guardiola nach Lewandowskis historischem Auftritt: "So etwas habe ich weder als Spieler noch als Trainer erlebt."

Wie eine Naturgewalt brach Lewandowski nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit über die Wolfsburger herein.

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Mit fünf Toren in neun Minuten demontierte der Pole den Champions-League-Teilnehmer im Alleingang und schrieb sich selbst in die Geschichtsbücher der Bundesliga (BERICHT: Die Reaktionen zur Lewandowski-Gala).

"Einfach spielen. Einfach weiterspielen"

"Das war Wahnsinn. Ich bin sehr zufrieden. Es ist eine große Geschichte für mich und den FC Bayern", sagte Lewandowski im Gespräch mit SPORT1.

Unter dem Arm hatte er den Spielball geklemmt. Eine historische Erinnerung - gespickt mit zig Unterschriften seiner Mitspieler.

"Wenn es läuft, muss man einfach versuchen, weiter Tore zu schießen" versuchte der Pole das Unerklärliche zu erklären: "Einfach spielen. Einfach weiterspielen. Heute habe ich so gedacht. Auch nach dem 2:1 und 3:1."

Kopf aus, Torinstinkt an. Mit diesem Rezept hat er sich über die Jahre von der polnischen Ekstraklasa bis in die Weltspitze geschossen.

Ob als Strafraum-Phantom mit Näschen wie beim 1:1 und 4:1 gegen Wolfsburg, eiskalter Distanzschütze (beim 2:1), nachsetzender Wühler (3:1) oder Edeltechniker per Seitfallzieher (5:1) - der 27-Jährige bewies gegen den VfL seine ganze Bandbreite. Und dass es derzeit wohl keinen kompletteren Stürmer auf diesem Planeten gibt als Lewandowski.

Guardiola: "Für unsere Zukunft sehr wichtig"

Dass er trotz seiner Klasse bei den Bayern nicht immer in der Startelf gesetzt ist, nimmt der polnische Nationalspieler sportlich: "Man ist nie zufrieden, wenn man auf der Bank sitzt. Aber ich bin bereit zu tun was ich kann. Ich will jedes Spiel spielen, Tore schießen und gewinnen."

Statt zum Problem wird der Bankdrücker Lewandowski so zum Glücksfall für Guardiola. "Ich bin sehr, sehr glücklich für Robert. Für sein Vertrauen und unsere Zukunft ist das sehr wichtig", lobte der Trainer die professionelle Einstellung seines Angreifers.

Dass diese nicht selbstverständlich ist, bewies zuletzt der bockige Wolfsburger Bas Dost, dessen Eskapaden für böses Blut bei den Niedersachsen sorgten.

Lewandowski hingegen blieb ruhig und hat bewiesen, dass er mit seiner Arbeitsauffassung und Qualität bei den Bayern als einziger waschechter Neuner schlicht nicht zu ersetzen ist.

Keine Zeit zum Feiern

Guardiola dürfte auch gefallen, dass Lewandowski nach seinem denkwürdigen Auftritt nicht in den Wiesn-Maßkrug, sondern schon auf den nächsten Gegner schaute.

"Ich bleibe einfach zu Hause, ein bisschen chillen. Denn wir haben am Samstag ein wichtiges Spiel. Wir müssen sehr fokussiert bleiben", kündigte der derzeitige Führende der Torjägerliste an.

Einen schweifenden Blick zur Seite gesteht sich der Pragmatiker selbst nicht zu - auch wenn er mit acht Toren in fünf Liga-Einsätzen den besten Start seiner Karriere hingelegt und den bis dato ungeschlagenen Wolfsburgern mit seiner Gala früh im Titelrennen den Wind aus den Segeln genommen hat (DATEN: Die Tabelle).

Stattdessen hat er bereits das kommende Auswärtsspiel in Mainz vor Augen. Auch nach dem vielleicht größten Abend seiner Karriere bleibt sich Lewandowski treu: Einfach spielen. Einfach weiterspielen. 

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