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SV Darmstadt 98 v FC Ingolstadt 04 - Bundesliga
SV Darmstadt 98 v FC Ingolstadt 04 - Bundesliga © Getty Images
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München - Trainer-Überraschung Maik Walpurgis ist in Ingolstadt gut eingeschlagen. Im SPORT1-Interview spricht er über den Sieg gegen Leipzig, seine Arbeit - und Magie.

Seit vier Spielen ist Maik Walpurgis jetzt Trainer des FC Ingolstadt.

Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Zwei Siege, ein Remis und eine Niederlage. Vor allem der Dreier am vergangenen Samstag im Heimspiel gegen das bis dahin ungeschlagene Überraschungsteam RB Leipzig ließ aufhorchen und brachte Walpurgis in den Fokus.

Im SPORT1-Interview spricht der 46 Jahre alte Westfale mit den roten Haaren über seine Person, seine neue Aufgabe - und über Magie.

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SPORT1: Herr Walpurgis, gibt der Sieg gegen Leipzig einen Schub für die nächsten Aufgaben - oder droht eher ein Loch nach dem hochemotionalen Spiel?

Maik Walpurgis: Selbstverständlich gibt uns der Sieg einen Schub. Hart erkämpfte drei Punkte gegen den Tabellenführer vor einem Wahnsinns-Publikum motivieren uns für die verbleibenden beiden Partien in diesem Jahr auf jeden Fall zusätzlich.

SPORT1: Wie haben Sie Ihre ersten vier Wochen als Bundesliga-Trainer erlebt?

Walpurgis: Einfach schön. Ich hatte vom ersten Tag an ein sehr gutes Gefühl. Das ist nicht nur so dahin gesagt, sondern es hat seit den ersten Gesprächen sehr gut gepasst - menschlich und fußballerisch. Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, die sehr hungrig auf Erfolg ist, die sehr fleißig ist und eine tolle Einstellung hat. Dementsprechend konnten wir uns in den ersten vier Spielen mit guten Auftritten und ordentlichen Ergebnissen belohnen.

SPORT1: Kein Experte hatte Sie auf dem Zettel. Wie überraschend war es für Sie, als Ingolstadt anrief?

Walpurgis: Der Zeitpunkt war schon überraschend. Aber das Ziel Bundesliga hatte ich immer vor Augen. Ich hatte in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Kontakt zu Vereinen mit guter Perspektive. Die Gespräche mit Ingolstadt waren hervorragend und das war für mich und meine Entscheidung sehr wichtig. Für meine Arbeit sind eine gemeinsame Philosophie und Vertrauen einfach enorm wichtig. Ich hatte in Ingolstadt sofort das Gefühl, dass wir sehr gut im Team arbeiten können und dass wir entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten haben. Es hat mit dem FCI einfach super gepasst.

SPORT1: Von der 3. Liga in die Bundesliga ist mutig. Haben Sie keine Angst zu scheitern?

Walpurgis: Nein. Ich kannte das Team schon, weil ich die Bundesliga und die Schanzer intensiv verfolgt habe. Ich bin zuversichtlich und sehe in der Truppe großes Entwicklungspotenzial. Die Mannschaft hat schon in der vergangenen Saison ihr Potenzial gezeigt. Jetzt kommt es einfach darauf an, dass wir diese Qualität wieder stabilisieren. Da brauchen wir, wie gegen Leipzig auch, sicher mal das Quäntchen Match-Glück. Aber es steht außer Frage: Wir können den Klassenerhalt schaffen.

SPORT1: Sie stammen aus Herford. Was sind Sie für ein Typ?

Walpurgis: Das können andere sicher besser beurteilen. Ich denke, ich bin akribisch und analytisch, feile gerne an Details. Ich überlasse nichts dem Zufall und verschreibe mich voll und ganz einer neuen Aufgabe. Als Mensch habe ich eine sachliche Emotionalität, die möglicherweise auf meine Haarfarbe zurückzuführen ist (lacht).

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SPORT1: Gibt es Momente, in denen Sie mal so richtig aus der Haut fahren?

Walpurgis: Ja. Wenn ich sehe, dass meine Spieler mit ihrem Talent schludern. Da kann ich auf die Barrikaden gehen. In meiner Arbeit geht es mir darum, Spieler zu entwickeln, zu unterstützen und zu Höchstleistungen zu bringen.

SPORT1: Walpurgis verbindet man mit der Walpurgis-Nacht. Wie viel Hexerei ist heutzutage der Trainerjob?

Walpurgis: Walpurgis und rote Haare - das hätte ich wahrscheinlich im 15. Jahrhundert nicht überlebt (lacht). Der Trainerjob ist komplex und sehr vielschichtig. Der Erfolg der Mannschaft hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, aber es geht darum, mit einem Plan und enormer Detailtiefe die Unwägbarkeiten des Spiels so gering wie möglich zu halten.

SPORT1: Sie haben in der arbeitslosen Zeit viel gelesen, unter anderem auch die Biografien von Carlo Ancelotti und Ottmar Hitzfeld. Zwei Lieblingstrainer von Ihnen?

Walpurgis: Zwei große Trainer, keine Frage. Wenn ich Biografien lese, dann interessiert mich daran der Weg von erfolgreichen Menschen, auch von Persönlichkeiten außerhalb des Sports. Es bereichert mich, zu sehen, unter welchen großen Anstrengungen diese Menschen ihre Erfolge erreicht haben und welche Hürden sie dabei zu überwinden hatten. Letztendlich ist es wichtig, dass man sich immer wieder einordnet und Herausforderungen annimmt.  

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SPORT1: Was war der größte Fehler aus der Vergangenheit, den Sie in Zukunft nicht mehr machen werden?

Walpurgis (überlegt etwas): Emotionalität zum falschen Zeitpunkt. Es gibt immer mal Situationen, in denen man als Trainer falsche Entscheidungen trifft. Emotionalität richtig eingesetzt hat eine positive Wirkung, zum falschen Zeitpunkt eine negative. Man darf Entscheidungen nicht nur aus dem Gefühl heraus treffen. Das habe ich früher manchmal getan und daraus habe ich gelernt.

SPORT1: Herr Hasenhüttl war sehr beliebt in Ingolstadt. Sie hätten sicher nichts dagegen, einen ähnlichen Helden-Status zu erreichen?

Walpurgis: Das ist für mich nicht entscheidend. Ich will die Mannschaft entwickeln und nach vorne bringen. Am Spieltag wollen wir gemeinsam Erfolg haben und unseren Fans mit unserem Auftreten Freude bereiten. Der Sieg gegen Leipzig war so ein positives Erlebnis.

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